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Blue Train Orchestra
Samba auf der Maßbacher Freilichtbühne
Zu Gast auf der Freilichtbühne in Maßbach war das Blue Train Orchestra, eine Bigband, die an der Bamberger Musikschule angesiedelt ist.
Zu Gast auf der Freilichtbühne in Maßbach war das Blue Train Orchestra, eine Bigband, die an der Bamberger Musikschule angesiedelt ist. // Thomas Ahnert
Maßbach – Das Theater Schloss Maßbach hat die Freilichtbühne dem Blue Train Orchestra überlassen und damit das Publikum auf eine Südamerika-Reise mitgenommen.

Es ist eigentlich eine gute Idee, auf der Freilichtbühne der Maßbacher auch Konzerte zu veranstalten. Auch wenn das nicht zum Kerngeschäft gehört. Aber die Bühne hat einen Vorteil gegenüber anderen Aufführungen im Freien: Dank der den Bühnenraum und die Zuschauerreihen überspannenden Plane, die eigentlich gegen Regen von oben schützt, kann hier der Klang nicht von unten in die Atmosphäre entweichen.

Und so bleibt er konturenscharf und in den Klangfarben stabil. Eine gute Voraussetzung für einen musikalischen Genuss. Und es hat ja auch Charme, wenn das Orchester in einem bunten, aber eigentlich zweckfremden Bühnenbild auftritt, in diesem Fall für die Komödie „Falscher Tag, falsche Tür“.

Von Big-Band-Sound bis Funk

Zu Gast war das Blue Train Orchestra, eine Bigband, die an der Bamberger Musikschule angesiedelt ist. Das heißt allerdings nicht, dass es sich dabei um ein Schülerorchester handelt. Die Band wurde 1995 von dem Bamberger Symphoniker und Trompeter Heinz Wolff gegründet, der sich einen Traum abseits des Orchesteralltags verwirklichen wollte und sich dafür Kollegen, die alle ihr „Mundwerk“ gelernt und studiert hatten, aus dem gesamten fränkischen Raum zusammenholte. Als er vier Jahre später aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste, übernahm der Jazz-Trompeter Sebastian Strempel im Herbst 1999 die musikalische Leitung der Band. Und er hat sie heute noch. Sie erarbeitete sich seitdem ein stilistisch breites und vielseitiges Repertoire von den Klassikern der Big-Band-Literatur bis zu modernen Funk- und Latin-Arrangements.

Das ging schief

Und um Letzteres ging es auch jetzt bei dem Konzert. „Blue Train Orchestra speaks Latin!“ war es überschrieben. Wobei man dafür als Zuhörer allerdings nicht das Große Latinum brauchte, sondern eher zumindest das „Kleine Portugiesicum“. Denn es wurde zu einem musikalischen Streifzug durch Lateinamerika, insbesondere durch Brasilien.

Und man merkte gleich zu Beginn, dass das Konzert keine bierernste Sache werden würde. Denn der allererste Einsatz ging schief; Sebastian Strempel musste abwinken. „That’s live“, bemerkte er entschuldigend. Oder meinte er: „That’s life“? Aber der zweite Einsatz saß, und damit begann ein Musizieren, das überraschen konnte mit seinem Zugriff aller Beteiligten, mit messerscharfen Konturen und souveränen und mitreißenden rhythmischen Strukturen.

Das Programm war durchaus ambitioniert zusammengestellt. Klar, dass der Samba der rhythmische Hauptlieferant war. Aber es bot immer wieder schöne Möglichkeiten für Solisten quer durch die Blasinstrumente und Percussion, sich zu präsentieren, mit hoher Virtuosität bei gleichzeitiger Lässigkeit ihre Improvisationen zu gestalten.

Wobei der eingesprungene Gitarrist Paulo Morello aus Kärnten nicht nur durch eine gute Verstärkung angenehm auffiel, sondern auch durch sein vollkommen unpathetisches, farbiges und emotionales Spiel. Natürlich richtete sich das Hauptaugenmerk auf den brasilianischen „Sambatiker“ Carlos Antonio Jobim mit seinen Songs wie „Chega de saudade“ („No more blues“) oder „Garota de Ipanema“ („The Girl from Ipanema“).

Aber es war auch erstaunlich, wie viel Samba auch außerhalb des südamerikanischen Landes entstanden ist, wie etwa „Sway“ des Kanadiers Michael Bublé oder direkt vor der Haustüre Sätze und Arrangements von Peter Herbolzheimer, dem früheren Leiter des Bundesjugendjazzorchesters, oder das stimmungsvolle „Estate“ („Sommer“), das Ralf Hesse für Sebastian Strempel geschrieben hat.

Wenn man auf hohem Niveau beckmessern wollte, könnte man anmerken, dass man sich öfter mal eine etwas stärkere Differenzierung der Dynamik gewünscht hätte, sei es aus dem Orchester oder vom Mischpult, dass ein deutlicherer Laut-Leise-Kontrast im Background die Spannung noch weiter erhöht hätte, dass dadurch vor allem die Saxofonsoli noch besser zur Geltung gekommen wären. Schwamm drüber!

Zwei Zugaben erklatscht

Aber wo man es sich wirklich wünschen konnte, war beim Gesang: Uwe Engelbrecht wurde immer wieder von den Instrumenten zugedeckt. Und das war schade, denn er kann das vernuschelte Portugiesisch singen wie ein Muttersprachler. Kein Wunder, denn er hat mehrere Jahre in Brasilien gelebt und gearbeitet. Auch wenn man inhaltlich kein Wort versteht, ist es in einem Lied doch ein integraler Bestandteil der Musik.

Der guten Stimmung tat das keinen Abbruch. Zwei Zugaben erklatschte sich das Publikum, das es am Ende nicht mehr auf den Sitzen hielt. Latin war mal wieder angekommen.

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