Braucht Schweinfurt ein Museum zur Stadtgeschichte und wenn ja, wo soll es eingerichtet werden? Diese Frage sollte der Stadtrat auch im Angesicht der derzeit laufenden Diskussionen über einen massiven Sparhaushalt für 2026 und Einschnitten bei den Kulturbetrieben entscheiden.
Der Vorschlag der Kulturamtsleiterin Andrea Brandl in Absprache mit Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) lautet: Ein komplett neues Stadtmuseum wird es nicht geben, aber eine Version light. Nämlich in den Obergeschossen des Gunnar-Wester-Hauses am Martin-Luther-Platz neben dem Rückertbau.
Ob es dazu kommt, wird sich gleichwohl erst am 3. März in der nächsten Kulturausschusssitzung entscheiden. Denn an dieses Gremium wurde das Thema durch die Mehrheit des Stadtrates delegiert.
Kulturforum-Idee ist aufgrund der Finanzen gestrichen
Der Vorschlag der Verwaltung ist auch als endgültiges Eingeständnis zu werten, dass das Thema Kulturforum-Neubau sich erledigt hat. OB Remelé hatte bereits im Sommer 2016 mit dem damaligen Baureferenten Ralf Brettin Pläne gezeigt, in denen ein neues sogenanntes Kulturforum in der Mitte der zu sanierenden historischen Gebäude Alte Reichsvogtei, Stadtschreiberhaus und Altes Gymnasium hinter der Johanniskirche entstehen sollte.
In diesem Komplex, zur Belebung der Innenstadt gedacht, sollte es Veranstaltungsräume und ein nach modernen Gesichtspunkten neu gestaltetes Stadtmuseum geben. Die schlechte finanzielle Lage der Stadt sorgte allerdings dafür, dass die Eröffnung schon seit Jahren immer wieder verschoben wurde. Nachdem es 2025 bis in den Herbst keinen genehmigten Haushalt gegeben hatte, wurde das Projekt nun endgültig gestrichen.
Die Mitarbeitenden in der Abteilung Kulturforum wurden im Sommer in die Kunsthalle versetzt. Das geschah allerdings ohne Information dem Stadtrat gegenüber, was insbesondere die SPD-Fraktion stark kritisierte. In einem Antrag hatte Peter Hofmann den Vorschlag gemacht, das Untergeschoss der Kunsthalle zu räumen und dort Teile der städtischen Sammlung als Stadtmuseum zu zeigen.
Diesem Vorschlag folgte das Kulturamt nicht. Im Zusammenhang mit den geforderten Einsparungen – gerade die städtischen Museen Georg Schäfer und Kunsthalle sowie das Theater sind freiwillige Leistungen der Stadt – machte sich Andrea Brandl Gedanken über das große Ganze.
Reduzierung der Öffnungszeiten für alle Häuser bringt 210.000 Euro Einsparung
Und dabei geht es nicht nur um die Kunsthalle und die Frage, ob man ein denkmalgeschütztes Gebäude wie das Alte Gymnasium überhaupt zeitnah sanieren könnte. Sondern auch um eine ehrliche Analyse der Nutzung der weiteren städtischen Museen wie die naturkundliche Sammlung in der Harmonie und das Gunnar-Wester-Haus.
Bei der Analyse zeigte sich sehr klar, wie viele Personen die einzelnen Häuser nutzen und wo das Einsparpotenzial bei den Aufsichten liegen könnte. Reduziert man die Öffnungszeiten entsprechend der tatsächlichen Nutzung, ergibt das laut Brandl eine Einsparung von 210.000 Euro pro Jahr.
„Das charmanteste Haus für die Stadtgeschichte liegt am Martin-Luther-Platz“, ist Brandl überzeugt. In der Kunsthalle, die sie leitet, sei das Thema Stadtmuseum „ausgesprochen schwierig“, denn man müsse auch die Mitnutzung des Gebäudes durch den Kunstverein mitdenken. Dieser habe für seinen 40. Geburtstag im kommenden Jahr bereits für eine große Retrospektive das gesamte Untergeschoss gemietet.
Der OB betonte, „wir wollen nicht, dass die Stadtgeschichte in Vergessenheit gerät“. Deshalb wolle man neue Wege beschreiten. „Die Kultur leistet einen Beitrag zum Sparen ohne Kahlschlag“, so Remelé. Die Kulturstadt Schweinfurt dürfe „nicht Schiffbruch erleiden“.
Die Sammlung Graf Luxburg möchte die Stadt abgeben
Im Gunnar-Wester-Haus wolle man die Ikonensammlung von Fritz Glöckle in einem Raum im Erdgeschoss präsentieren. Die Sammlung Graf Luxburg mit Gegenständen der Feuererzeugung und Beleuchtungskörper solle, wenn möglich, an das Museum Schloss Aschach abgegeben werden. So könnte man Platz schaffen für ein Stadtmuseum, das sich auf die Höhepunkte der Schweinfurter Stadtgeschichte konzentriere, so Andrea Brandl.
Der Aufwand für die Umgestaltung ist aus ihrer Sicht relativ gering und kostengünstig: ein neuer Anstrich der Räume, weniger Vitrinen als bisher. Zu sehen sein sollen natürlich Ausstellungsstücke zu Friedrich Rückert und zur Industriegeschichte. Im Erdgeschoss könnte es Wechselausstellungen zu verschiedenen Themen geben.
Grundsätzlich ablehnend standen die Stadträte der Idee nicht gegenüber. Da man sich aber mehr Details zu Kosten und Zeitplan erhoffte und eine genauere Planung, wie ein neues Stadtmuseum im Gunnar-Wester-Haus aussehen soll, wurde die Entscheidung vertagt.














