Vorsichtig legt die kleine Emma ihren Stoffbären auf die Untersuchungsliege. Mit ernster Miene erklärt sie, ihr Teddy habe Bauchweh. Neben ihr beugt sich eine Medizinstudentin mit Stethoskop und viel Geduld über den kleinen Patienten. Einige Meter weiter blinkt ein Mini-MRT, durch das ein Plüschtier geschoben wird. Im „OP“ liegen kleine Kittel und Masken bereit. Für einen Tag ist im achten Stock des Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt eine eigene kleine Welt entstanden – die Teddyklinik.
Am Samstag herrschte hier geschäftiges, aber fröhliches Treiben. Rund 220 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren kamen mit ihren Kuscheltieren, um sie von Medizinstudierenden der Universität Würzburg untersuchen zu lassen. Ziel der Aktion war es, Kindern die Angst vor Arztbesuchen und Krankenhäusern zu nehmen und ihnen zu zeigen, dass Medizin auch etwas Spannendes und vor allem Hilfreiches sein kann.
Die Idee zur Teddyklinik in Schweinfurt entstand bereits im Sommer. Nach ersten Treffen im August planten Studierende und Krankenhausmitarbeitende gemeinsam den Ablauf, die Station und die Werbung. Am Vortag reisten die Studierenden an, bauten alles auf und verwandelten den Klinikflur der obersten Etage in eine kleine Kinderklinik mit Kitteln, Kuscheltieren und spannenden Gerätschaften.
Über 220 Kinder erleben Klinik-Alltag hautnah
Dass alle 220 Plätze schnell vergeben waren, überraschte selbst die Organisatorinnen und Organisatoren. Die Resonanz war so groß, dass kurzfristige Absagen sofort durch Nachrücker ersetzt werden konnten. Im Viertelstundentakt starteten Gruppen von jeweils zehn Kindern, um Staus zu vermeiden.
Von der Anmeldung über das Wartezimmer bis zur Radiologie war alles so gestaltet wie in einem echten Krankenhaus – nur auf Augenhöhe der Kinder. Sie meldeten ihren Patienten an, warteten geduldig im Wartezimmer und brachten ihr Kuscheltier oder ihre Puppe dann zur Untersuchung, immer begleitet von einem Studenten oder einer Studentin.
Nach der Diagnose ging es weiter zur Radiologie, wo die Kinder eine kleine MRT-Röhre nutzen konnten. Auch ein „Röntgengerät“ stand bereit, um Arm- und Beinbrüche zu erkennen. Im Nebenraum war ein OP-Bereich aufgebaut, in dem Beatmung, Verbände und Pflaster zum Einsatz kamen. In der Teddy-Apotheke mischten die kleinen Ärztinnen und Ärzte anschließend selbst Tee für ihre Patienten – gegen Bauchweh, Fieber oder einfach zur Stärkung.
Ein wichtiges Element des Konzeptes war, dass die Kinder die Stationen möglichst ohne Eltern durchliefen. So konnten sie Selbstvertrauen gewinnen und erleben, dass der Kontakt mit Ärztinnen und Ärzten keine Angst bereiten muss. Eltern warteten derweil im SkyCafé nebenan und beobachteten später stolz, wie mutig sich ihre Kinder durch die Stationen getraut haben.
Große Resonanz und Wiederholungswunsch
Die Reaktionen waren durchweg positiv. Zahlreiche Familien lobten die liebevolle Gestaltung, die Geduld der Studierenden und die Vielfalt der einzelnen Stationen. Auch für die Medizinstudentinnen und -studenten war die Erfahrung bereichernd. Sie beobachteten, wie unterschiedlich Kinder auf medizinische Situationen reagierten: Manche kamen mit einfachem „Bauchweh“, andere erzählten mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit von komplizierten Diagnosen – ein Spiegel ihrer Erfahrungen aus dem Alltag.
Am Ende des Tages waren nicht nur viele Kuschelfreunde gesund gepflegt, sondern auch die Veranstaltenden glücklich. Das Fazit fiel durchweg positiv aus. Es gibt bereits Überlegungen, die Teddyklinik erneut anzubieten. Die Aktion zeigte, wie spielerisch Angst in Vertrauen verwandelt werden kann, und dass Mut manchmal so klein und weich ist wie ein Teddy mit Pflaster auf der Pfote.












