0
Überraschende Zahlen
Sechs Fakten über Windkraft in Unterfranken
Foto Main-Post - 10869854
Sollen in den Wäldern Unterfrankens mehr Windräder errichtet werden? Das ist eine der Fragen zur alternativen Energieerzeugung derzeit. // Oliver Berg, dpa
Signet des Fränkischen Tags von Jürgen Haug-Peichl, Angelika Kleinhenz
Würzburg/Schweinfurt
Würzburg/Schweinfurt – Windenergie ist wieder Thema in Unterfranken – allein, weil die Region bei Windkraft in Bayern weit vorne liegt. Sechs Aspekte mit Zahlen, die überraschen.

10H-Abstandsregel, „Verschandelung der Landschaft“: Noch vor zehn Jahren gab es in Unterfranken teils massive Widerstände in der Bevölkerung gegen Windkraftanlagen – politische Debatten sowieso. Mittlerweile ist es ruhiger geworden um die Rotoren. Doch die Windräder sind ein wichtiger Teil der Energiewende geblieben. Experten sehen nach wie vor großes Potenzial, was die aktuelle Debatte um die Nutzung der bayerischen Wälder für die Anlagen zeigt.

Gerade wurden in der Region Main-Rhön 4000 Hektar Fläche für neue Windräder ausgewiesen. Das bringt neuen Schwung ins Thema. Sechs wichtige Fakten zur Windkraft in Unterfranken:

1. Windkraftanlagen: So viel Leistung wie ein halbes Atomkraftwerk

In Unterfranken sind derzeit 274 Windkraftanlagen in Betrieb. Sie können nach Angaben der Regierung von Unterfranken zusammen eine Leistung von 617 Megawatt (MW) erbringen. Das ist etwa die Hälfte des 2015 stillgelegten Atomkraftwerks (AKW) Grafenrheinfeld bei Schweinfurt.

Allerdings schwankt die tatsächlich erzeugte Strommenge bei Windkraftanlagen wegen der Abhängigkeit vom Wetter stark – im Gegensatz zu einem Atomkraftwerk. Und: Nicht die reine Zahl der Windräder ist entscheidend, sondern deren installierte Leistung. Moderne Windenergie-Anlagen erbringen mittlerweile das Siebenfache an Leistung im Vergleich zu alten Anlagen.

2. 50 Genehmigungen: Unterfranken steht bei Windenergie weit vorne

Das Potenzial an Windenergie in Unterfranken wächst, denn zu den 274 bestehenden Anlagen kommen etwa 50 hinzu, die schon genehmigt, aber noch nicht gebaut sind. In Bayern waren Mitte 2025 nach Angaben der Staatsregierung 1158 Windkraftanlagen am Netz.

Unterfranken stellt somit knapp ein Viertel aller Anlagen und gilt deswegen zusammen mit Oberfranken als Windhochburg im Freistaat. Das liegt unter anderem an der Geografie, Windhöffigkeit und teils weniger dichten Besiedelung im Vergleich zu Ballungsräumen.

3. 274 Rotoren: Wo sich in der Region die meisten Rotorblätter drehen

Die meisten der aktuell 274 Rotoren drehen sich laut Regierung von Unterfranken im Kreis Würzburg (71) gefolgt von den Landkreisen Bad Kissingen und Schweinfurt (je 45), Main-Spessart (43), Rhön-Grabfeld (24), Haßberge (17), Kitzingen (15) und Miltenberg (14).

Fast alle Anlagen stehen in „Vorrang- und Vorbehaltsgebieten“. Diese für die Windenergie „privilegierten Flächen“ haben die regionalen Planungsverbände anhand von über 100 Einzelkriterien ermittelt. Ausgeschlossen ist Windenergie beispielsweise überall dort, wo sie Menschen, seltene Tierarten, wertvolle Wälder, das Trinkwasser oder militärische Anlagen beeinträchtigen könnte.

4. Viele Einnahmen: Immer mehr Gemeinden profitieren durch Windenergie

Seit Robert Habecks „Wind an Land-Energie-Gesetz“ im Jahr 2022 sind Windkraftanlagen für Gemeinden lukrativ: Nach Angaben der Regierung von Unterfranken kann eine Kommune im Schnitt pro Jahr und Anlage 30.000 Euro einnehmen. Hinzu kommen Gewerbesteuer und Einnahmen aus der Verpachtung von Gemeindegrund an die Anlagenbetreiber.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) regelt, dass Betreiber von Anlagen unter bestimmten Bedingungen 0,2 Cent je eingespeiste Kilowattstunde Strom an Gemeinden im Umkreis von 2,5 Kilometer ab Mast zahlen. Laut Bundesverband Wind-Energie (BWE) ist das freiwillig. In Bayern sei aber ein Gesetz in Arbeit, das dies zur Pflicht macht und Zahlungen bis 0,3 Cent ermögliche.

5. Gutes Geld: Windkraft ist Einnahmequelle für Landwirte

Windkraftanlagen sind auch für Landwirte attraktiv, die dafür ihre Äcker zur Verfügung stellen. Zwar nennen weder der Bayerische Bauernverband noch das Landwirtschaftsministerium in München auf Anfrage Details, wie viel Pacht Anlagenbetreiber zahlen. Doch in Fachkreisen ist von bis zu 50.000 Euro pro Jahr und Anlage die Rede – freilich mit starken Schwankungen je nach Standort.

Zum Vergleich: Verpachtet ein Bauer seinen Acker für rein landwirtschaftliche Nutzung, werden dafür im Freistaat im Durchschnitt gut 400 Euro pro Hektar und Jahr bezahlt, so Angaben des Landwirtschaftsministeriums. Schon aufgrund solcher Zahlen sei die Verpachtung von Ackerland für Windräder „eine bedeutende Möglichkeit“ für Landwirte, Geld zu verdienen, ist Christian Bürger überzeugt. Er ist beim Bayerischen Bauernverband Referent für Erneuerbare Energien und selbst Landwirt. Ohne die Pachteinnahmen zum Beispiel aus Windkraftanlagen „würde es meinen Betrieb nicht mehr geben“.

6. Lange Geschichte: Windkraft hat in Unterfranken früh begonnen

Das erste Windrad in Unterfranken ging im Dezember 1998 beim Weiler Sachserhof zwischen Arnstein (Lkr. Main-Spessart) und Hammelburg (Lkr. Bad Kissingen) in Betrieb. Dem war ein jahrelanges Bemühen einer kleinen Gruppe um den Förster und Naturfreund Franz Eder vorausgegangen, die später in der Betreibergesellschaft „Bürgerwindpark Sachserhof-Gauaschach“ aufging.

Doch im Lauf der Jahre stellte sich heraus: Das unterfränkische Pionierwindrad bringt nur etwa drei Viertel des Stromertrags, den sich die Initiatoren erhofft hatten. Kurz vor Weihnachten 2014 war Schluss: Die Anlage wurde vom Netz genommen und kurz darauf abgebaut.

Inhalt teilen
  • kopiert!