Wer von Süden her auf die Festung Marienberg in Würzburg schaut, erkennt am Gemäuer ein Baugerüst. Dort läuft seit 2023 die Bauphase 1 der Festungssanierung. Wer den Festungsberg erklimmt, kann auch immer noch das Museum für Franken besuchen, steht aber seit einiger Zeit im Echterhof vor verschlossenen Toren. In die Kernburg kommt man nur noch im Rahmen von offiziellen Burgführungen. Blickt man in den Innenhof hinter dem Scherenbergtor, wird klar, warum. Der gesamte Bereich rund um den Bergfried ist eine große Baustelle.
„Die Dachstühle werden alle erneuert, weil sie aus den 1970er Jahren stammen und mit Holzschutzmittel kontaminiert sind“, sagt Projektleiter Arno Riedel beim Rundgang. Nur der über dem Westflügel nach Höchberg hin bleibe. „Der ist historisch.“
Rund 300 Millionen Euro Steuergelder wurden und werden noch bis 2030 in die Sanierung und den Umbau des Festungsareals gesteckt. Hier soll 2032 ein neues Museum für Franken öffnen können. Dafür muss die komplette Kernburg saniert und umgebaut werden. Da geht es um 14.000 Quadratmeter Flächen.
Der Westflügel hat bereits neue Zwischendecken bekommen
Ein Team aus acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist im staatlichen Bauamt mit der Planung und Koordination der Arbeiten beschäftigt, berichtet Daniela Kircher. Die Baudirektorin ist Fachbereichsleiterin Hochbau beim Staatlichen Bauamt in Würzburg.
Mit unterwegs beim Rundgang sind auch Mathis Gruhn, Baudirektor bei der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser und Seen in München und Daniela Baumgärtner-Kerlin von der Pressestelle des Bauamts.
Der Westflügel, der zwischenzeitlich völlig entkernt worden war, hat bereits neue Zwischendecken bekommen und die ersten Installationen können beginnen. Dabei gab es immer wieder Funde, die ein Stück Geschichte der Festungsanlage neu schrieben.
So wurden nicht nur Fenster und Türen an Innenwänden entdeckt, die früher einmal Außenwände waren, sondern auch die Fundamente eines ehemals frei stehenden Turms wurden zutage gefördert und erhalten. Immer wieder gähnen große Löcher in der Bausubstanz, wo Neues, wie zum Beispiel ein Aufzug, eingebaut wird.
Man erkennt Bruchsteinmauerwerk, Ziegel und Beton nebeneinander. „Das ist ein tausendjähriges Gemäuer, das Geschichte erzählt, die wollen wir weiter erzählen, das ist uns ein großes Anliegen“, sagt Kircher.
An dieser Erzählung sind drei Münchner Ministerien beteiligt. Das Ministerium für Wissenschaft und Kunst, das Finanzministerium und das Staatliche Bauamt als Teil des Bauministeriums. Vor kurzem hatte Kunstminister Markus Blume entschieden, dass Jörg Meißner als Leiter des Museums für Franken abgelöst wird. Hat das Auswirkungen auf die Planungen? „Da gibt es immer wieder unterschiedliche Perspektiven“, sagt Daniela Kircher dazu.
Die Türme zur Südseite hin, dort, wo das Gerüst steht, sind fertig saniert. „Die haben neue Schieferdächer bekommen und kupferne Spitzen, die auch als Blitzableiter dienen“, sagt Riedel. „Die Schieferdeckung hält zwei- bis dreimal so lange, wie es Dachziegel tun würden“, erklärt Gruhn. „Wir müssen ja auch den Bauunterhalt für die nächsten Jahrzehnte im Blick behalten.“
Baudirektor: „Wir liegen voll im Zeitplan“
Das Gerüst bleibt weiter stehen. „Der Zementputz wird komplett erneuert“, erklärt Riedel. „Da kommen wieder Kalkputz und Kalkfarbe drauf.“ Da geht es um 11.000 Quadratmeter Fläche. Zuvor müssen aber die Ausblühungen und ihre Quellen beseitigt werden. In der „neuen“ Festung werden dann die Außenwände mit 30 Grad warmem Wasser in zwei dünnen Kupferrohren„beheizt“, um das Aufsteigen von Feuchtigkeit in den Mauern zu verhindern.
„Wir liegen voll im Zeitplan“, sagt der Baudirektor aus München. Wenn die neuen Räume für das Depot, die Verwaltung und die Museumsgastronomie fertig sind, das ist bis 2028 geplant, geht es im Fürstenbau und der Schottenflanke mit der Bauphase 2 weiter. Dort werden die Hauptausstellungsflächen des Museums Platz finden. Zuvor muss aber noch das Staatsarchiv in sein neues Gebäude in Kitzingen umziehen. „Das ist für das Frühjahr 2026 geplant“, sagt Kircher.
Das wird nicht einfach, denn alle Archivalien müssen im laufenden Baubetrieb durch eine Tür zum Innenhof abtransportiert werden, von wo sie mit Kleintransportern vor die Festungstore gebracht werden, damit sie dort in größere Lkws verladen werden können, sagt Baumgärtner-Kerlin. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ein Team des Bayerischen Fernsehens hat die Arbeiten der ersten beiden Jahre begleitet. Der Film „Die Würzburger Festung - Herzschlag einer Baustelle“ wird am 10. November um 21 Uhr im BR zu sehen sein und ist anschließend in der ARD-Mediathek abrufbar.
















