Jetzt sind Unterfranken und Mittelfranken faktisch raus aus der Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland. Rund 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben den Untergrund als „ungeeignet“ oder zumindest als „wenig geeignet“ eingestuft. Kleinere Gebiete im Osten von Oberfranken, der Oberpfalz und in Niederbayern sollen nun noch genauer untersucht werden. Sie kommen nach aktuellem Stand weiter infrage.
Der Untergrund im Süden Oberbayerns und Schwabens ist bislang nicht kategorisiert worden. Hier ist noch jede Einstufung möglich. Bayern ist folglich noch immer als möglicher Standort eines zukünftigen Atommüll-Endlagers dabei. Diesen neuen Zwischenstand hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) an diesem Montag öffentlich bekannt gegeben.
Offiziell ausgeschieden sind jedoch auch die als „ungeeignet“ eingestuften Gebiete erst, wenn ganz Deutschland kategorisiert worden ist und der Bundestag per Gesetz die fünf bis 15 „Standortregionen“ festlegt hat. Diese will die BGE bis 2027 gefunden haben. Im nächsten Schritt sollen diese Regionen dann „oberirdisch näher erkundet werden“.
Wohin mit dem Atommüll in Deutschland?
Gesucht wird ein Standort, auf dem der gefährlichste Teil des deutschen Atommülls eine Million Jahre lang gelagert werden kann. Erst nach dieser Zeit sei ein Großteil der radioaktiven Strahlung zerfallen, sagt Dagmar Dehmer, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei der Bundesgesellschaft.
Endlagersuche Unterfranken
Konkret geht es um 1900 Behälter mit 10.500 Tonnen Schwermetall, umgerechnet etwa 27.000 Kubikmeter. Nur die hochradioaktiven Abfälle, etwa fünf Prozent des gesamten Atommülls, seien für das Endlager vorgesehen, so die BGE. Dazu zählen zum Beispiel die abgebrannten Brennelemente aus den Atomkraftwerken.
Gesucht wird eine Fläche von sechs bis acht Quadratkilometer, auf der unter Tage in einer Tiefe zwischen 300 und 1500 Metern der Atommüll in einem Bergwerk eingeschlossen werden kann. So tief, dass „theoretisch eine Eiszeit an der Oberfläche stattfinden könnte, ohne dass das Endlager zerstört wird“, sagt Dehmer.
Es dürfe nicht zu tief sein, sagt die Expertin. Pro 100 Meter Tiefe werde es unter der Erde drei Grad wärmer. Je heißer es werde, desto höher sei das Risiko, dass sich die Rückhaltefähigkeit des Gesteins im Untergrund verschlechtere. „Und wir wollen dort Abfälle lagern, die selbst Hitze erzeugen“, erklärt Dehmer.
Das sei auch der Grund dafür, dass Unterfranken als Endlager-Standort weitgehend „ungeeignet“ ist. Das „kristalline Wirtsgestein“, also der Granit im Untergrund, liege hier vielerorts tiefer als 1300 Meter unter der Erde.
Grafenrheinfelds Bürgermeister: „Wir fühlen uns de facto als Endlager“
Um den sichersten Ort in ganz Deutschland zu finden, muss der Untergrund bundesweit kategorisiert werden. Bis die 1-Million-Jahre-Frage nach dem Endlager beantwortet ist, kann es also dauern.
„So lange kein Endlager existiert, müssen Gemeinden wie Grafenrheinfeld als Zwischenlager-Standorte die gefährlichsten Abfälle Deutschlands lagern und somit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe von ganz Deutschland schultern“, sagt Grafenrheinfelds Bürgermeister Christian Keller (CSU). In seiner Gemeinde im Landkreis Schweinfurt lagern 54 Castorbehälter mit 509 Tonnen Schwermetall.
Atommüll in Unterfranken: Wie gefährlich ist das radioaktive Material, das in Grafenrheinfeld lagert?
Keller ist auch Vertreter der ASKETA, der Arbeitsgemeinschaft von 25 Kommunen mit kerntechnischen Anlagen in Deutschland. Er sagt: „Wir gehen nicht davon aus, dass ein Endlager in diesem Jahrhundert in Betrieb gehen wird. Wir Standortgemeinden fühlen uns de facto als Endlager-Standorte“.














