Die Chipknappheit verschärft sich – und hat auch die Autozuliefererindustrie in Mainfranken erreicht. ZF trifft nach eigenen Angaben Vorkehrungen für temporäre Arbeitszeitverkürzungen, auch für den Standort Schweinfurt. Das bestätigte Unternehmenssprecherin Fabiola Wagner gegenüber dieser Redaktion: „Aufgrund der dynamischen Lage bereiten wir uns vorsorglich an einzelnen Standorten auf Kurzarbeit vor. Das hilft uns, die Auswirkungen der Chipmangellage auf unsere Mitarbeiter möglichst gering zu halten.“
Verhandlungen mit dem Betriebsrat laufen
Aktuell verhandelt ZF mit dem Betriebsrat über die konkreten Regelungen. Derzeit gilt im Unternehmen schon eine verkürzte Wochenarbeitszeit von 32,5 Stunden. Diese Maßnahme ist langfristig bis Ende 2027 angelegt und eine Anpassung an die allgemeine Marktlage. Kurzarbeit wäre unabhängig davon eine Reaktion auf die akute Chipknappheit und nur vorübergehend.
ZF müsste die Kurzarbeit auch vorbereitend bei der Bundesagentur für Arbeit anmelden, die dann einen Teil des Lohnausfalls als Kurzarbeitergeld ausgleichen würde. Diese Anmeldung ist bisher in Schweinfurt noch nicht erfolgt. Nach Informationen dieser Zeitung wird jedoch intern damit gerechnet, dass ZF Schweinfurt noch im November Kurzarbeit beantragen wird.
ZF betont, man beobachte die Lage „mit Hochdruck“. Wagner erklärte: „Wir begrüßen, dass offensichtlich Bewegung in die politischen Gespräche kommt und Exportlockerungen für Nexperia-Chips aus chinesischer Fertigung im Raum stehen. Die Situation ist branchenweit aber weiter sehr angespannt.“
Schaeffler nicht direkt betroffen – Task Force eingerichtet
Bei Schaeffler zeigt sich die Lage aktuell stabiler. Nach Informationen dieser Redaktion ist der Standort Schweinfurt vorläufig nicht von der Chipkrise betroffen. Gleichwohl beobachtet das Unternehmen die Situation aufmerksam. Daniel Pokorny, Leiter Kommunikation, Technologie, Operations & Digitalisierung bei Schaeffler, erklärt: „Wir haben eine Task Force eingerichtet, die gemeinsam mit unseren Kunden und Lieferanten die Versorgungslage bezüglich Halbleitern fortlaufend analysiert. Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir die Situation im Griff und können erste Auswirkungen auf die Produktion und unser Kundengeschäft minimieren.“ Die Lage bleibe jedoch „weiterhin volatil“. Man prüfe deshalb alternative Bezugsquellen, „einschließlich neuer Lieferanten entlang unserer Lieferketten“.
Hintergrund: Engpässe bei Nexperia-Chips belasten Industrie
Auslöser der aktuellen Chip-Probleme ist ein Exportstopp aus China, der die Lieferungen des Halbleiterproduzenten Nexperia stark einschränkt. In modernen Autos stecken mittlerweile hunderte Halbleiter, also winzige Bauteile, die die elektrischen Signale steuern. Laut einem Bericht des Handelsblatts war der Chip-Nachschub bereits Anfang Oktober nahezu vollständig gestoppt.
Innerhalb weniger Tage seien Lagerbestände bei Großhändlern leer gewesen, Halbleiter-Broker verlangten inzwischen teils das Hundertfache früherer Preise. Ohne eine politische Lösung drohe, so das Handelsblatt, „die Lieferkette im November zu reißen“. Die Folge: Mehrere große Zulieferer haben Kurzarbeit vorbereitet oder bereits, wie Bosch in Salzgitter, bei der Arbeitsagentur angemeldet. Auch der Automobilzulieferer Preh in Bad Neustadt soll nach Informationen dieser Redaktion unter der Chipkrise leiden.
Thomas Höhn, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Schweinfurt, nennt die wiederkehrenden Lieferkettenprobleme eine vermeidbare Belastung, die besonders die Beschäftigten hart trifft. Er fordert von der Politik, endlich für stabile Rahmenbedingungen zu sorgen. Höhn: „Auf diesen wackligen Beinen darf die deutsche Industrie nicht stehen.“














