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Großer Auftritt inm Big Apple
So haben die Steinacher Musikanten New York erlebt
Steinacher Musikanten in New York
Die Steinacher Musikanten zusammen mit dem Trommlerzug Rottenbuch gut gelaunt in New York. // Philipp Dippl
Steinach an der Saale – Bei der traditionellen Steubenparade und im Central Park durften die Steinacher Musikanten mit dem Trommlerzug Rottenbuch spielen. Spontane Aktionen gab es auch.

„Das war die beste Reise meines Lebens!“ Bernd Borst, Dirigent der Steinacher Musikanten, ist überglücklich. Gerade kam er mit seiner Mannschaft, den Musikerinnen und Musikern aus Steinach, zurück aus der pulsierenden Weltmetropole New York.

Vom 18. bis zum 23. September waren die Steinacher Musikanten zusammen mit dem Trommlerzug Rottenbuch in New York zu Gast, unter anderem, um an der traditionellen jährlichen Steubenparade teilzunehmen. Die Parade entlang der Fifth Avenue von der 64. aufwärts zur 86. Straße in New York City ist der Höhepunkt im Festkalender deutscher Auswanderer in den USA.

Auf der Parade zu Ehren des hochdekorierten preußischen Offiziers Freiherr Friedrich Wilhelm von Steuben lassen deutschstämmige Amerikaner seit 1957 die Traditionen ihrer Heimat aufleben. Jedes Jahr nehmen auch einige eigens aus den deutschsprachigen Ländern angereiste Trachtengruppen und Musikkapellen daran teil.

Steinacher Musikanten in New York
Reise der Steinacher Musikanten nach New York. // Philipp Dippl

Kaum Zeit für Sightseeing

Doch zunächst standen andere Punkte auf dem übervollen Reiseplan der Musiker. Für Sightseeing blieb nach der Ankunft kaum Zeit. Gleich nach dem Check-in im Hotel direkt am berühmten Times Square hieß es, Trachtenuniform anziehen und Instrumente in die Hand. Die ersten Eindrücke dieser Megacity sammelten die Musikanten aus Steinach während einer spontanen Marschprobe zum 150 West 19th Street Firehouse, der Feuerwache des FDNY zwischen der 6. und 7. Avenue. Hier gaben die Musiker den hart arbeitenden Feuerwehrmännern und -frauen ein Standkonzert vor der Kulisse der mächtigen Feuerlöschzüge der New Yorker Feuerwehr. Hierzu kam es dank des Ehepaars Helga und Franz Loderer, gebürtige Steinacher, die in den Nachkriegsjahren in die USA auswanderten. Ihr Enkel ist heute Feuerwehrmann des 19th Street Firehouse.

Die amerikanischen Kollegen der Floriansjünger freuten sich sehr über die Überraschung, auch wenn das Standkonzert beinahe minütlich von Einsätzen unterbrochen wurde. Doch dies tat der Stimmung keinen Abbruch.

Steinacher Musikanten in New York
Reise der Steinacher Musikanten nach New York. // Philipp Dippl

Franz Loderer aus Steinach ist pensionierter Metzgermeister. Jahrzehntelang betrieb er eine eigene Metzgerei in Queens, dem Stadtteil der deutschen Auswanderer. Hier, in Queens, fand auch die Steubenparade in den ersten Jahren statt. Doch inzwischen ist sie aufgrund ihrer Größe auf die Fifth Avenue umgezogen.

Auch die teilnehmenden Gruppen benötigen heute eine bestimmte Größe, um mitmarschieren zu dürfen: Mindestens 50 Mann müssen es sein. So viele sind die Steinacher Musikanten aber nicht. Doch Bernd Borst, der seit vielen Jahren von der Teilnahme träumte, hatte eine Idee.

Steinacher Musikanten in New York
Reise der Steinacher Musikanten nach New York. // Philipp Dippl

Acht Jahre Planungsarbeit

Seit dem Oktoberfest vor einigen Jahren besteht eine Freundschaft zum Trommlerzug Rottenbuch im bayerischen Oberland. Mit ihm bekam man eine gewaltige Truppe von 98 Personen zusammen, die am 20. September in New York in Tracht und mit ihren Instrumenten bereitstanden, um unter der Leitung von Bernd Borst sowie Johannes Erhard, Leiter des Trommlerzugs, an der Steubenparade mitzumarschieren. „Welch ein atemberaubendes Erlebnis nach Jahren der Planungsarbeit, wie Dirigent Borst bestätigt.

Doch Borst gesteht, sein persönlicher Höhepunkt der Reise war es nicht, jenseits des Sauerkraut-Boulevards zu marschieren, wie die 86th Straße aufgrund ihrer zahlreichen deutschen Restaurants und Geschäfte liebevoll von der deutschen Community genannt wird. Im Anschluss an die Parade findet im Central Park traditionell das Oktoberfest statt. Hier bot sich für die Steinacher Musikanten und den Trommlerzug Rottenbuch noch einmal die Gelegenheit, sich gemeinsam bei einem Standkonzert musikalisch in voller Größe und auf großer Bühne zu präsentieren. Das Wappen der Steinacher Musikanten auf Großbildleinwand im New Yorker Central Park zu sehen, war für Bernd Borst das tatsächliche Highlight der Reise.

Steinacher Musikanten in New York
Im Anschluss an die Parade findet im Central Park traditionell das Oktoberfest statt. Hier bot sich für die Steinacher Musikanten und den Trommlerzug Rottenbuch noch einmal die Gelegenheit, ein Standkonzert zu geben. // Philipp Dippl

Dazu kamen aber noch die zahlreichen ungeplanten und völlig spontanen Erlebnisse, die diese Reise für die Teilnehmer unvergesslich machten. Oft nahmen die Musiker, bereits in Tracht und mit Instrumenten, die New Yorker Metro, um zu den Auftrittsorten zu kommen. Spontan legten in den langen und verzweigten Gängen der Metro die Trommler aus Rottenbuch den Marschschritt ein und die Steinacher marschierten hinterher, was sofort für Aufmerksamkeit und verwunderte Blicke der New Yorker sorgte, die Fotos machten.

Steinacher Musikanten in New York
Reise der Steinacher Musikanten nach New York. // Philipp Dippl

Konzert auf der Dachterrasse

Durch solche Zufälle ergaben sich weitere spontane Auftritte, wie ein Rooftop-Konzert auf der Dachterrasse eines Wolkenkratzers zu später Stunde, ein Auftritt vor der glitzernden Skyline oder ein Platzkonzert in kleiner Besetzung in einem deutschen Wirtshaus.

Bernd Borst ist stolz auf die Disziplin seiner Musiker, die alle immer pünktlich zur Stelle waren. Kein Koffer ging verloren, kein Instrument wurde beschädigt, niemand wurde krank.

Steinacher Musikanten in New York
Bernd Borst, Dirigent der Steinacher Musikanten, und Johannes Erhard, Dirigent des Trommlerzugs Rottenbuch. // Philipp Dippl

Freundschaft ist gewachsen

Die Freundschaft allerdings zwischen dem Trommlerzug Rottenbuch und den Steinacher Musikanten ist durch dieses Erlebnis sogar noch gewachsen. Borst sagt: „Musik verbindet. Gemeinsam steht uns jetzt die Welt offen.“ Auch wenn die weiteren Pläne noch geheim sind, die nächsten gemeinsamen Projekte und Reisen sind bereits in Planung.

Doch bis es so weit ist, bleibt die Heimat. 2026 feiern die Steinacher Musikanten ihr 70-jähriges Jubiläum mit einem großen Kreismusikfest. Mit dabei: Der Trommlerzug Rottenbuch sowie die Stadtkapelle aus Tettnang am Bodensee.

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