Donnerstagnachmittag vor dem Gebäude der Tafel am Hammelburger Bahnhof: Die Schlange ist lang, nach und nach rufen die Mitarbeiter die Kundinnen und Kunden auf. 142 Menschen mit Berechtigungsschein stehen aktuell auf der Liste.
„Meistens kommen so um die 80 Menschen pro Woche“, berichtet Luise Smolik, die sich seit 2013 bei der Tafel ehrenamtlich engagiert. Sie ist für die Kasse zuständig, denn die Abholer müssen zumindest einen kleinen Beitrag zahlen: von zwei Euro für eine Person bis zu fünf Euro für Familien ab sechs Personen.
Trotz kleiner Rente stets ein warmes Essen
In der Schlange steht unter anderem eine 69-jährige Rentnerin aus Hammelburg. Ihren Namen möchte sie nicht sagen. „Ich koche mir jeden Tag ein warmes Essen“, erzählt sie. Das sei ihr wichtig, auch wenn sie alleine lebe. Etwa die Hälfte der Zutaten dafür bekomme sie von der Tafel.
Weil sie aus gesundheitlichen Gründen in Frührente ging, sei ihre Rente sehr klein, umso wichtiger sei das Angebot der Tafel. Dass die Essensausgabe in der kommenden Woche zu bleibt, ist für die 69-Jährige kein Problem: „Ich komme sowieso nur alle zwei Wochen“, berichtet sie.
Auch wenn die Lebensmittel günstig seien, sei ihr wichtig, dass nichts verdirbt. Deshalb friere sie lieber was ein und teile sich alles gut ein.
Abholer und Helfer in einem
Ein 67-jähriger Rentner, der ebenfalls nicht namentlich genannt werden möchte, holt nicht nur Essen für sich und seinen Sohn, sondern hilft auch selbst regelmäßig bei der Ausgabe mit. Er sei lange selbstständig gewesen, später musste er in Frührente. „Dann ist die Rente natürlich klein“, sagt der 67-jährige Hammelburger.
Deshalb sei er so dankbar, dass er für drei Euro Beitrag Lebensmittel im geschätzten Gegenwert von bis zu 150 Euro bekommt. Im Schnitt zwei Mahlzeiten in der Woche könne er damit für sich und seinen Sohn kochen. Auch er komme nur alle zwei Wochen als Kunde zur Tafel, könne also die letzte Woche des Jahres ohne Essensausgabe überbrücken.
Als Helfer hole er regelmäßig Lebensmittel ab, dafür fahre er mit dem Fahrzeug der Tafel bis nach Bad Kissingen zur Bäckerei Schmitt. Besonders beeindruckt ihn, dass großzügige Metzger aus der Region sogar regelmäßig frische Wurst spenden. Das sei eine schöne Abwechslung, weil es in den Paketen der Tafel sonst grundsätzlich kein Fleisch gebe.
Bundeswehr erfüllt Wünsche
„Wir haben ein bisschen gehortet und können den Menschen heute mehr mitgeben“, berichtet Luise Smolik über die letzte Essensausgabe im Jahr 2022. Zudem habe die Tafel dank einiger Gutscheine Produkte dazu gekauft, die grundsätzlich nie als Spenden aus den Supermärkten kommen, etwa Mehl, Zucker oder haltbare Konserven.
Für einige Familien mit Kindern gab es beim letzten Termin vor Weihnachten zudem eine besondere Überraschung: Bereits im November durften 26 Kunden Wunschzettel schreiben, die die Tafel an die Bundeswehr weiterreichte. Nun kamen von dort liebevoll eingepackte Geschenke. Luise Smolik freut sich, dass die Bundeswehr diese Tradition schon so lange pflegt.
Mehr Spenden als sonst
Auch sonst kommen zu Weihnachten mehr Spenden als sonst bei der Hammelburger Tafel an. Hedi Böhle von der Heiligenfeld Klinik GmbH Bad Kissingen überreichte vor kurzem zum Beispiel 1500 Euro. Von dem Geld soll ein Hubwagen erstanden werden, der den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das Ausladen der Lebensmittel aus dem Fahrzeug erleichtert.
Die Heiligenfeld-Kliniken starten alljährlich eine regionale Spendenaktion am jeweiligen Standort, berichtet Hedi Böhle, Assistentin der Geschäftsleitung. Dabei schlagen die Mitarbeiter ein Projekt vor und vergeben Punkte für einzelne Vorschläge. Danach richte sich die Höhe der Zuwendung.
In diesem Jahr werden insgesamt 21.750 Euro gespendet, insgesamt hätten die Heiligenfeld-Kliniken bereits 330.000 Euro an Projekte in der Region übergeben. Die Hammelburger Tafel erhielt bereits 2009 eine Zuwendung aus dem Spendentopf der Heiligenfeld-Klinik Bad Kissingen.
Aufnahmestopp könnte bald fallen
Weil in den vergangenen Monaten die Lebensmittelspenden aus den Geschäften und Märkten deutlich gesunken sind, aber gleichzeitig die Zahl der Neukunden mit Berechtigungsschein stieg, musste die Tafel laut Luise Smolik einen Aufnahmestopp verfügen. Die Schatzmeisterin hofft, dass dieser Stopp bald aufgehoben werden kann.
Das bestätigt auch Tafel-Vorsitzender Patrick Bindrum: „Die Lebensmittelspenden sind rückläufig, aber wir bekommen mehr Geldspenden, mit denen wir gezielt einkaufen können.“ Das spare den 50 Helfern auch Arbeit. Neben großen Firmenspenden gebe es viele, zum Teil anonyme Kleinspenden. Zudem sei die Essensausgabe umgestellt worden. Deshalb könnten vermutlich ab Februar wieder neue Kunden angenommen werden.
Konto
Geldspenden an die Tafel sind möglich über das Konto bei der Sparkasse Bad Kissingen,
IBAN DE73 7935 1010 0008 2202 95, BIC: BYLADEM1KIS.
Hilfe
Wer dem Verein beitritt, zahlt einen Jahresbeitrag von 15 Euro. Zudem werden ehrenamtliche Helfer gesucht und es können haltbare Lebensmittel gespendet werden. Weitere Möglichkeiten sind Gutscheine für Einkaufsmärkte oder der Kauf und die Spende einer Lebensmitteltüte im Supermarkt.
Ausgabe
Die Lebensmittelausgabe ist jeweils donnerstags ab 14 Uhr. Der Termin am 29. Dezember entfällt, nächste Ausgabe ist deshalb am 5. Januar 2023.











