Im Urlaub hat Sebastian Reich ein schönes Kleid für Amanda gekauft. „Dann wollte ich der Verkäuferin in Rhodos auf Englisch erklären, dass das Kleid nicht für mein Kind ist, sondern für meine Puppe, mein Nilpferd, mein sprechendes Nilpferd … Und habe mich immer weiter reingeritten“, erzählt Reich.
Wer mit dem Würzburger Bauchredner über seine Erlebnisse mit seiner Handpuppe Amanda spricht, erfährt viele lustige Anekdoten. Der aus der Fernsehsendung „Fastnacht in Franken“ deutschlandweit bekannte Komiker wird 2027 immerhin sein 25-jähriges Bühnenjubiläum feiern. Wie kommt der 42-Jährige auf seine Gags? Wie entstehen seine Handpuppen? Antworten gibt Sebastian Reich im Interview.
Seit wann lebt Amanda bei Ihnen?
SEBASTIAN REICH: Seit über 17 Jahren.
Noch nie über eine Trennung nachgedacht?
REICH: Nein. Ohne Amanda geht es einfach nicht. Die Leute warten auf sie. Trotzdem möchte ich als Künstler hin und wieder eine neue Facette von mir zeigen. So entstehen neue Figuren. Aber ganz ohne Amanda wird es wohl nichts mehr werden.
Sie kommen von ihr nicht mehr los?
REICH: Nein - und sie auch nicht von mir.
Apropos neue Facette: Wie kommen Sie auf Ihre neuen Figuren?
REICH: Tatsächlich entstehen die meisten Ideen spontan, in Alltagssituationen oder im Urlaub. Die Figur des Marzipanschweins PigNic ist an Silvester entstanden, als die Marzipanschweine auf dem Tisch saßen. Viele meiner Figuren haben einen Dialekt. Schorsch, der fränkische Maulwurf zum Beispiel. Ich habe mir überlegt: Welches Tier könnte den typischen Franken verkörpern? So entstand ein grantelnder, herumbuddelnder Maulwurf.
Sie knabbern also an Silvester an Ihrem Marzipanschwein und haben eine neue Idee – was passiert dann?
REICH: Ich habe immer und überall so ein kleines Büchlein dabei. Da schreibe ich diese neue Idee rein. Dann reift diese Idee. Über Stunden, manchmal über Wochen. Manchmal verwerfe ich die Idee auch wieder. Dann wird die Seite herausgerissen. Aber meistens reift die Figur im Entstehungsprozess immer weiter – sie reift sogar dann noch, wenn es die Figur irgendwann tatsächlich gibt.
Das heißt, der Charakter, den es bereits als neue Handpuppe gibt, verändert sich immer weiter?
REICH: Ja, immer wenn ich eine Idee für eine neue Charaktereigenschaft, für einen neuen Gag oder ein neues Kostüm habe, schreibe ich diese in mein Buch. Das Glücksschwein PigNic war anfangs traurig und zurückhaltend. Dann ist es ein bisschen mutiger geworden. Und jetzt ist es fast schon etwas zu vorlaut. Tatsächlich entwickeln sich meine Figuren weiter.
Amanda muss aufpassen, dass ihr die anderen Figuren nicht die Show stehlen.
REICH: PigNic hat mittlerweile sehr viele Fans. Das gefällt Amanda nicht. Bei der Fastnacht in Franken 2024 habe ich zum ersten Mal versucht, diesen Umstand mit einem Dialog der beiden Figuren auf die Bühne zu bringen. Amanda hat als Wahrsagerin das Glücksschwein PigNic beraten. Mittlerweile ist das Gekabbel zwischen Amanda und PicNic ein fester Bestandteil meines Programms.
Gedanklich müssen Sie sich in diesen Momenten auf der Bühne auf drei Charaktere mit drei unterschiedlichen Stimmen konzentrieren – zwei davon sind Handpuppen. Wie geht das?
REICH: Das geht nur mit höchster Konzentration. Denn es passiert ja auch viel außen herum: Im Publikum fällt eine Flasche um. Jemand quatscht rein. Die Lüftung läuft. Fernsehkamera drei leuchtet. Und dabei soll man auch noch Lockerheit nach außen strahlen.
Auch bei einem Fehler. Bei der Fastnacht in Franken 2024 hat Amanda anstelle des Glücksschweins geantwortet.
REICH: Es können immer mal Kleinigkeiten schiefgehen: Das Licht geht aus, der Ton versagt, die falsche Figur spricht. Das zeigt, dass nicht alles zu einhundert Prozent einstudiert ist und Platz für Spontaneität bleibt. Das Publikum liebt das. Und dann habe ich den Vorteil, dass ich den schwarzen Peter auf meine Figuren schieben kann oder dass meine Figuren den schwarzen Peter mir zuschieben. Das ist auch witzig.
Dafür müssen Sie in dieser Sekunde die nötige Lockerheit haben.
REICH: Die Lockerheit kommt mit der Erfahrung. Bei meinen ersten Auftritten als Bauchredner im Jahr 2002 waren meine Auftritte noch etwas steifer.
Wie kamen Sie auf Gabriele Fant vom Ordnungsamt?
REICH: Ich wollte einen Charakter auf der Bühne haben, der das Thema Ordnung charmant und lustig verpackt. Daraus wurde eine etwas durchgeknallte Figur mit pinker Frisur, die so lustig schwäbelt wie eine Bekannte von mir.
Und wie sind Sie auf einen Elefanten gekommen?
REICH: Es sollte ein starkes, kräftiges Tier sein, das neben Amanda die gleiche Bühnenpräsenz hat. So wurde es ein Elefant. Ihren Rüssel kann man als Propeller verwenden oder als Alkoholtester.
Wie kam Liebesgott Amor zur Fastnacht in Franken 2025?
REICH: Diese Figur gibt es schon länger in meinem Programm „Glückskeks“. Im Fernsehen war sie 2025 das erste Mal, weil sie mit ihrem Berliner Dialekt so gut zur Bundestagswahl gepasst hat. Entstanden ist Amor auf der Suche nach einer Figur, die Glück und Liebe beleuchtet. Es sollte mal kein Tier sein. So entstand der Liebesgott. Mein Puppenbauer hat diese Figur nach meinen Wünschen gebaut: knorrig, grantig, senil, alt, ein bisschen gaga.
Haben Sie Ihren eigenen Puppenbauer?
REICH: Nein, aber die Figuren Amor, Gabriele Fant und PigNic kommen aus der gleichen Puppenschmiede.
Sie haben die Idee im Kopf und der Puppenbauer lässt die Idee in Form einer Handpuppe Wirklichkeit werden?
REICH: Wir sitzen zusammen, telefonieren, schreiben. Jeder macht sich seine Gedanken. Am Ende finden wir uns. Bis eine neue Figur fertig ist, dauert es ein gutes Jahr.













