Manchmal muss man genauer hinschauen, damit man sieht, was alles wächst. Blumen tun es auf ihre ganz eigene Weise – manche werden gehegt und gepflegt, andere wachsen wild und entfalten gerade darin ihre besondere Schönheit. Beim Erntedankgottesdienst in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Oberleichtersbach ging es um diesen Blick auf die Schöpfung, aber auch um die Menschen, die eine Gemeinschaft durch ihr Tun mittragen. Unter dem Leitwort „Mit den Blumen muss man reden“ stellte Pfarrer und Domkapitular Armin Haas die Frage, ob das tatsächlich so sei. Vielleicht sei es wichtiger denn je, mit unseren Mitgeschöpfen in Beziehung zu treten und ihre eigenen Fähigkeiten und ihre Schönheit wahrzunehmen. Nicht alles müsse der Mensch gestalten und für sich nutzbar machen. Vielmehr gehe es darum, die Welt zu erhalten und das Miteinander als Chance zu erkennen.
Ein großes Dankeschön
Von der Schöpfung führte Haas den Gedanken schließlich zur Gemeinde. Denn auch eine Gemeinschaft könne nicht funktionieren, ohne dass Menschen sich kümmern, Verantwortung übernehmen und mit Engagement dafür sorgen, dass sie lebendig bleibt. „Wir nutzen diesen Gottesdienst heute auch für ein großes Dankeschön an diejenigen, die sich im Ehrenamt seit Jahrzehnten engagiert haben“, sagte Haas. Es seien Menschen, die ganz viel Herzblut in die Gemeinde gegeben hätten. Vier von ihnen bat er zu sich nach vorne.
Den Auftakt machte Thekla Heinz, die seit zehn Jahren aktiv bei den Wallfahrten zum Maria Ehrenberg und zum Kreuzberg mitwirkt. Sie half bei der Organisation, brachte Ideen ein und steuerte Texte bei. Damit habe sie die jährlich stattfindenden Wallfahrten mitgeprägt.
Einen besonderen Dank gab es auch für Claudia Straub, die 28 Jahre lang die Verantwortung bei der Organisation der Wallfahrt zum Maria Ehrenberg übernommen hat und die Wallfahrt anleitete. Die ungewöhnliche Zahl ergibt sich daraus, dass Straub nach der letzten Wallfahrt Ende August mitgeteilt hat, dass dies ihre letzte Wallfahrt in organisatorischer und leitender Funktion gewesen sei. Haas würdigte ihren langjährigen Einsatz ausdrücklich. Die Wallfahrt sei Straub ebenso ein Herzensanliegen gewesen wie die Kirche und der Glaube selbst.
Straub habe sich darüber hinaus in vielen Bereichen der Kirchengemeinde eingebracht, Mut gezeigt und immer wieder neue Wege gewagt. Als Leiterin des katholischen Kindergartens trage sie ebenfalls große Verantwortung.
Spontan und einfallsreich
Als nächstes galt sein Dank Josef Heil, der seit 40 Jahren die Verbindung zwischen Kirche und Blasmusik mit aufrecht erhält. Besonders hob Haas hervor, wie Heil Jung und Alt motiviert und für die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten und Prozessionen begeistert habe. „Da schwingt nicht nur die Musik, Josef ist immer mit Freude dabei und sorgt dafür, dass der Gottesdienst und die Prozessionen so schön gestaltet werden“, sagte Haas.
Auch sein Einfallsreichtum und seine Spontanität seien immer wieder gefragt gewesen. Wenn eine Blaskapelle kurzfristig wegen Spielunfähigkeit absagen musste, habe Heil dank seines Netzwerks meist noch eine Lösung gefunden.
Höhepunkt des Abends
„Nun kommen wir zum Höhepunkt des Abends und unseres Gottesdienstes“, kündigte Haas die Würdigung von Mechthild Keßler an. Seit 40 Jahren kümmert sie sich als Mesnerin um die Pfarrkirche St. Peter und Paul. „Ohne Mechthild können wir uns die Kirche gar nicht vorstellen“, sagte Haas. Vieles was sie erledigt, sei im Hintergrund und werde erst bemerkt, wenn es fehlt.
Ihr Mesnerdienst sei dabei längst nicht alles, was Keßler auszeichne. Sie habe den ganzen Kirchberg im Blick, kümmere sich liebevoll um den Pfarrgarten, kehre bei Bedarf vor der Kirche und greife, wenn einmal nötig, auch im Pfarrbüro zum Putzlappen. Sie sehe nach dem Pfarrheim, schließe es für Veranstaltungen auf und sorge auch dafür, dass es dort warm sei. Für ihren 40-jährigen Mesnerdienst erhielt Mechthild Keßler eine vom Bischof unterzeichnete Ehrenurkunde. Darin heißt es mit einem Gedanken Antoine de Saint-Exupérys: „Es muss immer einige geben, die sich besonders engagieren und an ihrer Stelle wahr machen, dass eine Kirchengemeinde, eine Diözese und überhaupt jede Gemeinschaft nicht die Summe vieler Interessen ist, sondern die Summe an Hingabe.“
Eine ganz besondere Auszeichnung folgte schließlich noch: Pfarrer Haas verlieh Keßler in großem Dank und Anerkennung die Goldene Ehrennadel des Mesnerbundes der Diözese Würzburg. Eine Auszeichnung, die nur selten verliehen wird und den außergewöhnlichen langjährigen Einsatz der Oberleichtersbacherin besonders hervorhob.











