Es war nur ein Strohfeuer: Am 6. Juli 2026 brannte in einer alten Scheune in der Hofgasse in Bad Brückenau ein kleines Heulager. Die Feuerwehrleute brachten den Schwelbrand schnell unter Kontrolle, löschten die staubtrockenen Ballen draußen ab. Vor 150 Jahren, in der Nacht vom 13. auf den 14. August, ging es ungleich verheerender zu: Der große Stadtbrand vernichtete das alte Brückenau aus dem späten 13. Jahrhundert fast vollständig. Könnte dergleichen heute wieder passieren?
Anton Kiefer kennt die Ereignisse der Schicksalsnacht vor 150 Jahren aus dem Schlaf. Er nennt den Brand, der wahrscheinlich von einer Scheune hinter dem Gasthaus „Schwane” ausging und sich zügig Richtung Westen ausbreitete, „das Urinferno von Brückenau” und das „prägendste Ereignis in der Stadtgeschichte”.
Der Brand ließ oberirdisch vom mittelalterlich wirkenden Brückenau mit seinen engen Gassen kaum etwas übrig: die Außenhülle der Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus, das ehemalige Bezirks- beziehungsweise Landratsamt, das Cahner-Haus in der Altstadt 1a (heute Zimmermann), ein paar Mauern – und das heute als „Altstadt” bekannte Viertel inklusive Siebenbrücksgasse, die frühere Neustadt.
Markante Gebäude gingen verloren
Sämtliche Fachwerkhäuser westlich des Cahner-Hauses brannten nieder – auch das Rathaus mit herrlicher Freitreppe am Standort des jetzigen Hotel-Restaurants „Krone”, die städtische Gastwirtschaft und der imposante, wohl mehr als 20 Meter hohe Centturm vor der Kirche (heute verläuft dort die Kirchgasse). Die Steine, die von ihm übrigblieben, wurden vermutlich für den Wiederaufbau der Stadt verwendet. Und die Stadtmauer wurde nach dem Brand geschleift; heute verläuft dort in etwa die Unterhainstraße.
Sieben Menschen starben im Feuer oder im Zusammenhang damit. Zwei Drittel der Kernstadtbewohner wurden obdachlos. Vielen Brückenauern wurde die wirtschaftliche Grundlage entzogen; noch Jahre später kam es zu Insolvenzen.
Charme von früher verloren
Die Stadt wurde unter großen Anstrengungen wieder aufgebaut – und erhielt ihr heutiges Antlitz: neue Grundrisse, etwas breitere Straßen und nicht mehr so verwinkelte Gassen, Häuser aus Stein anstelle von Fachwerk. Die neu gebaute Sinntalbahn ab 1888 und die Kur brachten etwas Wohlstand in die Stadt zurück. Dennoch verlor Brückenau viel von dem Charme, den andere Städte, die nicht sein Schicksal erlitten, heute noch ausstrahlen. Ein Charme, der vielleicht viel mehr Touristen anlocken würde.
Spuren des alten Brückenau vor dem Stadtbrand finden Sie hier:
Einen großflächigen Stadtbrand wie vor 150 Jahren hält wohl kaum ein Zeitgenosse heute für möglich. Allerdings: Ausschließen lässt er sich – in kleinerem Rahmen – wegen der immer noch engen Bebauung nicht. Michael Krug, Kommandant der Bad Brückenauer Freiwilligen Feuerwehr, glaubt, dass ein großer Wohnhausbrand „zwei drei Nebenhäuser mitnehmen” würde. So geschehen am 29. Juli im hessischen Lauterbach, als fünf Gebäude, darunter Fachwerkhäuser ausbrannten.
Viele Gebäude brandtechnisch problematisch
Das Problem, das Krug heute sieht: Viele Gebäude in der Kernstadt sind mit Kunststoff, vor allem Styropor, gedämmt. Bei starker Hitzeentwicklung entzündet er sich und zerfließt als brennende Masse, was das Löschen erschwert.
Auch wurde beim Wiederaufbau Brückenaus versäumt, gerade in den Seitenstraßen der Kernstadt konsequent für Brandgassen zu sorgen. Krug nennt nur eine, in der Marktgasse etwa auf Höhe der früheren Zauberhöhle (davor Ratskeller). Dass die Marktgasse selbst noch breiter wurde, scheiterte am Widerwillen der damaligen Einwohner.
Gedenkstunde in der Stadtpfarrkirche
An das einschneidende Ereignis vor 150 Jahren soll in einer Gedenkstunde am 13. August ab 20 Uhr erinnert werden – und zwar in der Kirche, deren Inneres bis auf die Monstranz und einige Kelche den Flammen zum Opfer fiel: St. Bartholomäus. Nach dem Brand wurde sie in nur zwei Jahren wieder aufgebaut und der Glockenturm auf mehr als 50 Meter aufgestockt. Erst da erhielt das Wahrzeichen der Stadt seine charakteristische große und kleine Turmzwiebel mit dazwischengelagerter Laterne, einem Dachaufsatz mit fensterartigen Öffnungen.
Ein Erzählstück mit Szenen aus der Brandnacht, eine Lichtshow und historische Bilder sollen die verhängnisvollen Brandstunden, aber auch die Zeit davor erlebbar machen. Carolin Schäfer-Klug (Saxophon), Jan Jancalek (Cello) und Markus Wollmann übernehmen die musikalische Umrahmung. „Wir wollen niemanden mit einem historischen Vortrag erschlagen, sondern uns in die Zeit reinversetzen und einen Eindruck vermitteln, was vor 150 Jahren in Brückenau passiert ist”, sagt Stadtbibliothekarin Michaela Queck, die dem eigens zum Jubiläum gegründeten Arbeitskreis angehört.
Eine Ausstellung in der Tourist-Information soll zudem ab 18. September an den Stadtbrand erinnern – in dem Haus in der Altstadt 1a, dessen erst kurz vor dem Brand hergestellte massive Steinbauweise gemeinsam mit den aufopferungsvollen Feuerwehrleuten ein Übergreifen der Flammen auf die damalige Neustadt und das Sinntor verhinderte.






















