Es war einer dieser Sommerabende, wie man ihn sich für eine Serenade schöner kaum wünschen könnte. Der Sommer zeigte sich von seiner besten Seite und unter freiem Himmel durften zahlreiche Besucher im Schulhof der Grundschule Oberleichtersbach einen besonderen Konzertabend erleben.
Mit dem Projekt „Klang2“ wagten die Leichtersbacher Musikanten und die Jugendkapelle Breitenbach/Mitgenfeld erstmals den Schritt auf eine gemeinsame Bühne - und bewiesen eindrucksvoll, dass Musik Grenzen verschwinden lässt. Was vor knapp zwei Jahren mit ersten Überlegungen begann und nach insgesamt zehn gemeinsamen Proben Gestalt annahm, fand nun seinen vorläufigen Höhepunkt in einem Konzert, das musikalisch begeisterte.
In zweieinhalb Jahren erarbeitet
Den Auftakt gestaltete die Bläserklasse der Großgemeinde „Tutti Fruttis“. Unter der Leitung von Manuela Möller zeigten die jungen Musikerinnen und Musiker mit großer Freude und beachtlichem Können, was sie sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren erarbeitet haben. Möller stellte mit Stolz ihre Bläserklasse vor und richtete zugleich den Blick auf das, was diesen Abend besonders machte: „Ich bin begeistert, wie viele Generationen heute hier auf dieser Bühne stehen – ich finde das eine ganz tolle Sache.“
Durch das abwechslungsreiche musikalische Programm führte Sandra Muth von der Jugendkapelle Breitenbach/Mitgenfeld. Gleich zu Beginn begrüßte sie die Gäste mit den Worten: „Musik verbindet – über Vereinsgrenzen, Generationen und unterschiedliche Erfahrungen hinweg.“ Genau dieses Motto zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Abend.
Mit dem kraftvollen Eröffnungswerk „Apertum“ präsentierte sich das große Gemeinschaftsorchester erstmals dem Publikum. Von Beginn an war spürbar, wie harmonisch die beiden Kapellen zusammengewachsen waren. Präzise Einsätze, ein voller Klang und große Spielfreude ließen kaum erahnen, dass dieses Orchester erst seit wenigen Monaten gemeinsam probte.
Das Konzertprogramm spannte einen weiten musikalischen Bogen. Mit „Alpine Inspirations“ nahm das Orchester die Zuhörer mit auf eine klangvolle Wanderung durch die Alpen, ehe „Italo Pop Classics“ italienisches Lebensgefühl auf den Schulhof brachte.
Freude am Musizieren
Besonders eindrucksvoll schilderte Muth auch die Entstehung des gemeinsamen Projekts. Sinkende Besetzungen nach der Corona-Zeit, unterschiedlich stark besetzte Register und der Wunsch, auch große Konzertliteratur spielen zu können, führten beide Kapellen schließlich zusammen. Aus einer Idee wurden gemeinsame Proben, aus zwei Musikvereinen ein gemeinsames Orchester.
Dass dieses Miteinander längst mehr geworden war als ein Projekt, zeigte sich während des gesamten Konzerts. Ob bei „Pur in Concert“, den mitreißenden Medleys „80er Kult“ und „80th Flashback“, dem gefühlvollen „Welt in Farbe“ mit dem eindrucksvollen Altsaxophon-Solo von Sonja Muth - immer wieder überzeugte das große Orchester mit einem beeindruckenden Klangbild und sichtbarer Freude am gemeinsamen Musizieren.
Zwischen den Musikstücken stellte die Moderatorin nach und nach die einzelnen Register vor und gewährte dabei immer wieder humorvolle Einblicke in das Vereinsleben. Gleichzeitig nutzte sie die Gelegenheit, den Musikerinnen und Musikern sowie insbesondere Dirigent Christoph Emmerth der Leichtersbacher Musikanten ihren Dank auszusprechen. Mit viel Geduld habe er aus zwei Kapellen ein Team geformt und das gemeinsame Programm zusammengestellt.
Kennenlernphase für Musiker und Dirigent
Für ihn sei es „eine ganz besondere Ehre, heute hier dirigieren zu dürfen“, sagte Emmerth. Er sprach von einer intensiven Projektphase, in der sich Musiker und Dirigent zunächst kennenlernen mussten. Sein Fazit fiel eindeutig aus: „Es gibt am heutigen Abend auf jeden Fall zwei Gewinner: die Leichtersbacher Musikanten und die Jugendkapelle Breitenbach/Mitgenfeld. Damit das Projekt überhaupt gelungen ist, brauchte es Offenheit und Zusammenhalt.“
Als Zeichen dieser besonderen Zusammenarbeit bat Emmerth den Dirigenten der Jugendkapelle Breitenbach/Mitgenfeld, Rudi Weber, nach vorne, dankte ihm für das entgegengebrachte Vertrauen und übergab ihm für den Konzertmarsch „Domi Adventus“ die musikalische Leitung.
Passend zu diesem Konzertmarsch fand Muth dabei Worte, die sinnbildlich für das gesamte Projekt standen: „Für uns war diese Konzertphase die erste gemeinsame Reise mit zwei Vereinen. Wir sind losgesegelt, hatten vielleicht bei dem einen oder anderen Stück auch die eine oder andere raue See, aber sind hier gemeinsam eingelaufen.“
Standing Ovations
Mit der Polka „Wir sind wir“ verabschiedete sich das Gemeinschaftsorchester zunächst von seinem Publikum.
Auch Bürgermeister Roland Wehner zeigte sich stolz auf beide Kapellen und würdigte das große ehrenamtliche Engagement. Die Gemeinde werde diese wertvolle Vereinsarbeit auch künftig unterstützen, betonte er.
Lang anhaltender Applaus und Standing Ovationen waren der Lohn für viele Monate gemeinsamer Vorbereitung. Mit den Zugaben „Auf der Vogelwiese“ und „Eine letzte Runde“ verabschiedete sich das Gemeinschaftsorchester schließlich von den zahlreichen Besuchern und einem gelungenen Sommerabend. Am Ende blieb weit mehr als ein gelungenes Konzert. Es war der Beweis dafür, dass aus einer Idee, Offenheit und gegenseitigem Vertrauen etwas entstehen kann, das größer ist als die Summe seiner Teile. Aus zwei Kapellen war ein gemeinsames Orchester geworden – und aus einem Projekt ein Stück gelebte Gemeinschaft.
















