Jan Marberg hat die Bad Brückenauer Stichwahl mit 210 Stimmen Vorsprung gegenüber Dirk Stumpe gewonnen. Das klingt nicht viel, ist aber angesichts von nur 2609 Bad Brückenauern, die überhaupt abstimmten, ein klares Votum.
Und auch wenn Lokalmatador Stumpe das nicht so empfindet: Das Abstimmungsergebnis trägt die Hoffnung auf einen Neubeginn, einen Aufbruch in bessere Zeiten in sich. Auf das Durchschlagen mehrere gordischer Knoten bei Themen wie der Sinnflut, der leeren Stadtkasse oder der dahinsiechenden Ludwigstraße.
Auswärtiger schlägt lokalen Helden
Dafür schien der Mehrheit der Wähler der redegewandte Mitdreißiger Marberg mit extrem interaktiver Wahlkampfstrategie besser geeignet als der Einheimische Stumpe - auch wenn er - wie mehrere Bad Brückenauer Bürgermeister - von außerhalb kommt und das Handicap einer SPD-Mitgliedschaft mitbringt.
Stumpes Strategie, seinen Lokalhelden-Status und seine mehr als 20-jährige kommunalpolitische Erfahrung herauszustellen, war sicher nicht falsch. Damit punktete er in der Endphase des Wahlkampfes gerade in der Kernstadt, wo die Probleme am größten zu sein scheinen. Ob ihn kurz vor der Stichwahl verbreitete Unterstützerbriefe von in der Stadt durchaus polarisierenden Personen genutzt oder geschadet haben, lässt sich anhand der Wahlergebnisse nicht sagen.
Nichtwähler offensichtlich mit Stadtentwicklung zufrieden
Neider von Marbergs Wahlerfolg könnten argumentieren, dass fast drei Viertel der 5226 Wahlberechtigten ihr Kreuz eben nicht beim 35-Jährigen gesetzt haben - entweder, weil sie sie sich für Stumpe aussprachen oder gar nicht zur Abstimmung gingen.
Zu Letzteren muss man allerdings sagen: Hätten sie es anders gewollt, hätten sie an der Wahl teilnehmen müssen. Offensichtlich sind mehr als 50 Prozent der Bad Brückenauer zufrieden damit, was in ihrer Stadt vorangeht - oder eben nicht.
Möglichst viele Bad Brückenauer hinter sich bringen
Trotzdem leitet sich aus diesem Umstand eine Erkenntnis ab: Jan Marberg muss möglichst viel Menschen hinter sich bringen. Das gilt besonders für Gewerbetreibende und Vereinsvertreter, aber auch für touristische Gastgeber und Kulturschaffende. Und für den Stadtrat.
Bisher dominierten in dem Gremium die beiden großen Fraktionen CSU und PWG. Andere Fraktionen und Einzelpersonen schlugen sich mal auf die eine, mal die andere Seite. Gut erkennbar war das am alles dominierenden Thema - der Sinnflut.
Geänderte Machtverteilung im Stadtrat?
Mit Marberg kommt die SPD nun auf vier Sitze. Zusammen mit den beiden Grünen könnte eine nicht zu verachtender Block im Stadtrat entstehen. Aber: Für tragfähige Mehrheiten bei jetzt in Masse anstehenden Zukunftsentscheidungen braucht der Bürgermeister mindestens eine der Mehrheits-Fraktionen. Oder am besten beide.
Dass Jan Marberg seinem unterlegenen Wahlkonkurrenten Dirk Stumpe von der PWG die Hand reicht, ist ein erster Schritt zum Schmieden beständiger Koalitionen. Es wird spannend sein zu beobachten, ob den großen Worten auch Taten folgen.
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