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Machtprobe
Erneute Wahlposse um Bürgermeister-Stellvertreter
2. Bürgermeister in Schondra: Wahl scheitert erneut
Kein Bild aus dem vergangenen Jahr, sondern aus der jüngsten Sitzung des Gemeinderates Schondra. Wieder scheiterte die Wahl des ersten Stellvertreters für Bürgermeister Bernold Martin (Mitte). // Steffen Standke
Schondra – In zwei neuerlichen Wahlgängen findet sich kein neuer 2. Bürgermeister für Schondra. Warum die Abstimmung so lief, wie sie lief.

Da standen sie nun in Dunkelheit und Kälte, die zwölf Gemeinderäte des Marktes Schondra, auf dem Parkplatz vorm Rathaus und steckten die Köpfe zusammen. Kurz nochmal die Strategie besprechen für die anstehende Sitzung. Drinnen, im Ratssaal, warteten Bürgermeister Bernold Martin (CSU/CBB), Protokollant Steffen Schneider von der Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau und zwei Besucherinnen. Die neuerliche Posse um die Wahl des 2. Bürgermeisters konnte beginnen.

Stellvertreter-Wahl schon im September 2023 gescheitert

Die Wahl eines Stellvertreters für Bernold Martin war schon zweimal gescheitert, am 19. und am 26. September 2023. Damals waren jeweils mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmzettel leer, die Wahl somit ungültig.

Diese Ergebnisse waren Ausdruck eines „seit Monaten schwer belasteten Vertrauensverhältnis" zwischen Martin und den Räten, so letztere. Schon zu Beginn der Wahlperiode 2020 hatte das komplette Gremium ein Disziplinarverfahren gegen den Bürgermeister angestrengt. Dieses wurde unter Auflagen eingestellt (wir berichteten).

Kommunalaufsicht fragt mehrfach nach

Offenkundig hat die Kommunalaufsicht beim Landratsamt Bad Kissingen Bernold Martin im Laufe des Jahres 2024 mehrfach nach dem Sachstand einer Wahl des Bürgermeister-Stellvertreters angefragt; im letzten Schreiben vom 19. November erging eine dringliche Aufforderung.

Also verwies Martin gegenüber den inzwischen im Saal erschienenen Räten auf die Pflicht, "dass jede Gemeinde einen 2. Bürgermeister wählen muss, damit die Handlungsfähigkeit der Gemeinde nicht gefährdet ist". Er habe dem Landratsamt mitgeteilt, dass die Wahl in der ersten Gemeinderatssitzung des Jahres 2025 stattfinden werde. Was auch geschah.

Räte stimmen in Nebenzimmern ab

Der Bürgermeister zeigte eine leere Wahlurne herum, teilte Stimmzettel aus. Dann standen jeweils zwei Räte mit sparsamen Minen auf, um einzeln in Nebenräumen links und rechts des Saals ihre Entscheidung zu treffen. Als letzter ging Bernold Martin selbst.

"Der Spannungsbogen ist schon hoch", witzelte einer der Räte. Nachdem alle Zettel in der Wahlurne lagen, übernahm der Bürgermeister auch die Auszählung.

Mehr als die Hälfte der Stimmzettel leer

Das Ergebnis unterschied sich wenig von dem, was im September 2023 zustande gekommen war. Jeweils eine Stimme erhielten Sebastian Karollus (FWG Schönderling), Nadine Leitsch (Aktive Bürger Schondra) und der 3. Bürgermeister Jürgen Metz (FWG Singenrain). Der Rest der Stimmzettel, zehn an der Zahl, blieb leer.

Damit war mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen ungültig und das gleiche galt für die Wahl. Also schlug Bernold Martin vor, "das ganze Prozedere noch einmal" durchzuführen. Allerdings sah er "keine Chance, dass sich etwas ändert".

Nadine Leitsch redet ins Gewissen

Nadine Leitsch gab einen Wink mit dem Zaunpfahl, als sie sagte: "Vielleicht müsste man mal über die Situation sprechen oder hätte es vorher tun müssen." Denn am Missverhältnis zwischen Bürgermeister und Gemeinderat habe sich gegenüber dem vergangenen Jahr nichts geändert. Trotzig teilte Martin erneut Stimmzettel aus.

Diesmal lief das Prozedere andersherum: Die Räte, die im ersten Wahlgang des Abends zuletzt abgestimmt hatten, sprangen als erste auf. Als letzter folgte der Bürgermeister.

Auch zweiter Wahlgang ergebnislos

Das Ergebnis offenbarte wenig überraschend keine Überraschung: Je eine Stimme für Karollus, Leitsch, Metz und Sebastian Knüttel, neun leere Zettel. "Damit ist die Wahl ungültig und wird nicht weiter fortgesetzt", verkündete Martin. Er teile dem Landratsamt nun mit, dass die Abstimmung ergebnislos verlaufen sei und warte auf Antwort. Das hatte er bereits im September 2023 getan.

Jürgen Metz empfand es noch als "unsinnig, den Punkt 'Wahl des 2. Bürgermeisters" auf die Tagesordnung zu nehmen, ohne vorher Gespräche geführt zu haben und nach Lösungen zu suchen". Dann ging der Bürgermeister zur Tagesordnung über.

Erklärung im nichtöffentlichen Teil bleibt geheim

Vorher kündigte er aber an, eine Erklärung abzugeben. Dies wolle er aber nur im nichtöffentlichen Teil der Sitzung tun.

Was dort gesprochen wurde, blieb den inzwischen drei Besuchern und der Presse verborgen. Sie mussten vorher den Saal verlassen. Auch Bernold Martin wollte am Tag darauf nicht öffentlich mitteilen, was es nichtöffentlich zu erklären gab. Es sei um seine Person gegangen, hieß es. 

 

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