In Deutschland sind Lehrkräfte knapp. Zwar ist Bayern laut dem BR besser versorgt, aber auch hier zeigt sich ein Mangel.
Eine Einschätzung der derzeitigen Lage an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis Bad Kissingen gibt Schulamtsdirektorin Cornelia Krodel: „Fachkräfte werden überall gesucht, auch das Lehrpersonal ist knapp, das merken wir bereits seit einigen Schuljahren. Aber wir konnten immer gut reagieren. Das machen wir situativ und an die jeweilige Schule angepasst.“
Zusammen mit allen Beteiligten ließen sich aufkommende Personalengpässe gut lösen. „Mein Dank geht hier an viele Lehrkräfte, die sich weit über das normale Maß hinaus engagiert haben“, lobt Krodel. Beispielsweise hätten Teilzeitkräfte ihre Stunden aufgestockt.
Schulamt muss umstrukturieren und Personal akquirieren
„Je nach Bedarf müssen wir umstrukturieren und zusätzliches Personal akquirieren“, berichtet sie. Hier helfe das Bayerische Schulportal des Kultusministeriums, entsprechendes Personal zu finden.
Auch gibt es die „Mobile Reserve“, diese Lehrkräfte kommen im Vertretungsfall zum Einsatz. Daneben begleiten sogenannte Brücken- und Drittkräfte den Unterricht und fördern Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen.
Durststrecke in den kommenden Jahren
Im Landkreis Bad Kissingen ist das Problem des Lehrer- und Lehrerinnenmangels erst in den letzten beiden Jahren angespannter. Dennoch blickt Krodel zuversichtlich in die Zukunft: „Wir befinden uns derzeit zwar in einer Durststrecke, aber die Zahlen sollten aller Voraussicht nach in den nächsten Jahren besser werden. Insgesamt gesehen, ist die Versorgung der Schülerinnen und Schüler mit Lehrkräften bis dahin eine echte Herkulesaufgabe.“
Zu den vergangene Woche aufgekommenen Vorschlägen seitens der Kultusministerkonferenz sagt Krodel: „Zumindest bei Lehrkräften, die aus unterschiedlichen Gründen in Teilzeit arbeiten, wäre ein Minimum von 15 Stunden pro Woche für uns hilfreich. Dann kann eine Lehrkraft auch eine Klassenleitung übernehmen.“
Direktor im Gymnasium: Ländliche Region ist nicht attraktiv
Für Gymnasium und Realschule ist nicht das Staatliche Schulamt zuständig, sondern das Staatsministerium für Unterricht und Kultus, die den Schulen Lehrkräfte zuweisen. „Auch bei uns ist der Lehrkräftemangel zu spüren. Und es wird noch schwieriger werden, die Lücken zu füllen. Vor allem bei uns in dieser ländlichen Region“, berichtet Markus Arneth, Schulleiter des Kissinger Jack-Steinberger-Gymnasiums.
Er erlebe es oft, dass ihnen zugewiesene Lehrkräfte aus Südbayern fast schon zum Antritt den Versetzungsantrag auf den Tisch legen.
Was fehlt, sei immer fachabhängig – etwa in Kunst, Musik oder Physik werde es knapp. Alles in allem schaffe man es aber, die Pflichtstunden zu besetzen – wenn auch mit Vertretungslehrerinnen und -lehrern.
Verband der Lehrkräfte (BLLV) lehnt Lösungsvorschläge ab
Weil vor allem Grund- Mittel- und Förderschulen von dem Mangel betroffen seien, hatte das Kultusministerium diverse Vorschläge gemacht.
Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) ist jedoch überzeugt: Pläne wie verpflichtende Arbeitszeitkonten, Einschränkungen bei Beurlaubung und Teilzeit, Erhöhung der Unterrichtsbelastung oder die Anhebung der Altersgrenze für den Ruhestand würden die Attraktivität des Berufes weiter schmälern und sich kontraproduktiv auswirken.
„Ich saß schon in Ausschüssen, in denen man sich lustig machte, dass Frauen ja mehr arbeiten können“, berichtet sie. Dabei ungeachtet bleibe die nicht entgeltliche Arbeit, die Frauen etwa in Kindererziehung und Pflege zu Hause erbringen.
Viele würden den Beruf nicht des Geldes wegen machen. Eine Pflicht, ihre Stunden zu erhöhen, könne wie in Baden-Württemberg dazu führen, dass sie gar nicht mehr arbeiten.
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