Trotz der angekündigten Verkehrsbehinderungen lief der erste Schultag ohne größere Probleme ab. „Im Schulamtsbezirk Bad Kissingen sind mir keine großen Ausfälle oder Verspätungen bekannt“, fasst Schulamtsdirektorin Birgit Herré zusammen. An allen Schulen, mit denen sie in Kontakt stand, sei es normal gelaufen.
„Alle wurden rechtzeitig informiert, dass es zu Verspätungen kommen kann", erklärt sie. Auch mit den Busunternehmen habe sie sich im Vorfeld in Verbindung gesetzt. „Hätten sie gewisse Strecken umfahren müssen, hätten die Busfahrer das natürlich getan.“ Explizite Vorbereitungen für die noch angekündigten Protestaktionen werde es keine geben. „Wir wissen ja genau, was kommt und gehen damit flexibel um“, verdeutlicht sie.
Wenig Verspätungen an den Realschulen
Michael Kreil, Leiter der Realschule in Bad Brückenau, kann das bestätigen: „Sollte ein großer Prozentsatz fehlen, können wir ganz schnell in den Distanzunterricht wechseln.“ Nötig gewesen sei das am ersten Schultag nach den Weihnachtsferien allerdings nicht, die Protestaktionen der Landwirte hätten keine Auswirkungen auf den Schulalltag gehabt. „Es sind alle da und es ist auch niemand zu spät gekommen“, sagt der Schulleiter. Bis auf Lehrkräfte aus Fulda, habe niemand an seiner Schule mit massiven Verkehrseinschränkungen zu kämpfen gehabt.
Ähnlich ist die Situation auch an den restlichen Realschulen im Landkreis. „Weniger als drei von knapp 900 Schülern kamen streikbedingt verspätet oder nicht“, schreibt Torsten Stein, Schulleiter der Realschule Bad Kissingen.
Nur vereinzelt Schüler zu spät
Der Schulleiter der Hammelburger Realschule, Christian Buchner, hat mit mehr Verspätungen gerechnet: „Bei uns läuft alles reibungslos, nur eine einzige Lehrkraft stand kurzfristig im Stau.“ Auch in Hammelburg sei weiterhin der reguläre Unterricht geplant, den Distanzunterricht habe man allerdings als Notlösung immer in der Hinterhand. Der Schulleiter ist allerdings der Meinung: „Der beste Distanzunterricht ist nicht so gut, wie der Unterricht vor Ort.“
Ebenfalls an den Gymnasien in Bad Brückenau und Hammelburg gab es keine Beeinträchtigungen, alle Schüler seien zum Unterricht erschienen. „Wir haben so gut wie keine Auswirkungen gemerkt, ganz vereinzelt kam mal ein Schüler fünf bis zehn Minuten später“, berichtet auch Peter Rottmann, Schulleiter des Münnerstädter Gymnasiums.
200 Fahrzeuge
Der Leiter der Polizeiinspektion Bad Kissingen, Christian Pörtner, zog eine zufriedenstellende Bilanz über die Protestaktion der Landwirte und beschrieb sie als „insgesamt friedlich“. An allen sieben Autobahnauffahrten im Landkreis Bad Kissingen versammelten sich Landwirte mit ihren Traktoren, um ihren Unmut über die Sparpläne der Bundesregierung zum Ausdruck zu bringen.
„Es waren gut 200 teilnehmende Fahrzeuge und 250 Teilnehmer“, berichtet Pörtner. Nicht alle Fahrzeuge befanden sich auf den Fahrstreifen der Auffahrten, sondern auch auf den benachbarten Pendlerparkplätzen.
Die Anschlussstellen an der A7 und A71 wurden von den Polizeiinspektionen Bad Kissingen, Bad Brückenau und Hammelburg betreut, während die Polizeiinspektion Bad Neustadt die Anschlussstelle Münnerstadt im Blick hatte.
„Nichts Dramatisches“
„Es gab natürlich Behinderungen, aber nichts Dramatisches“, sagte Pörtner. Etwa zehn Traktoren standen jeweils in den Auffahrten, blockierten sie jedoch nicht vollständig. Stattdessen verengten sie die Fahrstreifen, was die Verkehrsteilnehmer zwang, auf Schrittgeschwindigkeit abzubremsen.
Pörtner betonte: "Der Verkehr lief, nur eben langsamer. Es kam zu keinen größeren Unfällen oder Zwischenfällen. Die Bürger und Verkehrsteilnehmer haben Nerven bewiesen und sich kooperativ gezeigt.“
Keine Trittbrettfahrer
Insgesamt sei weniger Verkehr unterwegs gewesen, Pörtner ließ offen, ob dies auf Krankheit oder Homeoffice zurückzuführen sei. Besonders positiv hervorzuheben sei, dass keine Trittbrettfahrer die Protestaktion für ihre eigenen Interessen ausnutzten. Es gab keine improvisierten Galgen mit Ampeln, keine aufgehängten Gummistiefel oder Fahnen, die den Rechtsstaat infrage stellten.
„Alles ist genau nach Plan verlaufen“
Am späten Nachmittag befand sich Edgar Thomas, Kreisobmann des BBV, auf dem Festplatz in Bad Neustadt. In einem telefonischen Gespräch gab er Informationen über die erste Protestaktion im Landkreis Bad Kissingen weiter: „Alles ist genau nach Plan verlaufen. Wir wollten aufmerksam machen und den Verkehr verlangsamen.“
Die Verkehrsteilnehmer hätten Verständnis für die Aktion und die Anliegen der Landwirte gezeigt. „Es war von Anfang an klar, dass zusätzliche Zeit eingeplant werden muss.“
Ein Signal nach Berlin
Die Protestaktion wie auch die Kundgebung in Bad Neustadt bezeichnete er als „überwältigend“, zumal nicht nur Landwirte, sondern auch Handwerker, Spediteure und Gastronomen sich dem Protest angeschlossen haben. „Die Sympathie ist groß. Wir haben ein wichtiges Signal in Richtung Berlin gesetzt.“
Für Edgar Thomas und seine Mitstreiter ist es eine umtriebige Zeit. Dem Auftakt am Montag folgt am Dienstag ein Gespräch mit der Bundestagsabgeordneten Sabine Dittmar (SPD), am Mittwoch soll erneut mit den Traktoren an den Autobahnauffahrten an der A7 und A71 protestiert werden und dann folgen die Großdemos in Nürnberg am Freitag und am kommenden Montag in Berlin.
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