Die Wut vieler Landwirte über die aktuelle Ampel-Politik war greifbar bei einer Demonstration des Vereins „Land schafft Verbindung“ (LSV) am Montagabend in Hammelburg. Einem Aufruf dazu waren überraschend viele Bäuerinnen und Bauern aus der Rhön und dem Saaletal gefolgt.
Laut den Veranstaltern fuhren statt der erwarteten 20 bis 30 knapp 200 Traktoren durch die Weinberge und dann durch die Innenstadt von Hammelburg.
Verkehrsbehinderungen auf Bundesstraße
Ähnlich groß war die Resonanz auf einen Demo-Aufruf in Sommerhausen. Ein Konvoi mit am Ende ebenfalls rund 200 Traktoren aus dem Raum Würzburg/Kitzingen schlängelte sich via Würzburg auf der B8 bis Biebelried. Immer wieder kam es zu Verkehrsbehinderungen. Größere Probleme meldete die Polizei nicht.
185 Traktoren aus dem Großraum zwischen Mellrichstadt und Eussenheim rollten durch Wohnstraßen und Weinberge zum Terroir-f-Punkt über der Stadt. Dort wollte der Verein „Land schafft Verbindung“ gegen die von der Ampelregierung kurzfristig beschlossenen Entscheidungen zur Versteuerung von Agrardiesel und Kraftfahrzeugsteuer für Traktoren protestieren. Fast schon gespenstisch mutete auch die Szenerie in den Weinbergen an. Auf der Anhöhe über der Stadt versammelten sich die Landwirte zu ihrer Kundgebung.
Drohnen-Aktion scheitert an dichtem Nebel
Eine Aktion scheiterte dagegen am dichten Nebel. Geplant waren Filmaufnahmen mit einer Drohne. Nach und nach sollten bei den in langer Schlange stehenden Traktoren die Lichter abgeschaltet werden. Doch mangels Sicht waren die Schlepper kaum zu erkennen.
Dennoch sammelten sich die Landwirte bei schlechten Sichtverhältnissen um die aufgestellten Feuertonnen, um bei Ansprachen, Bratwurst und Limo ihrem engen Schulterschluss Ausdruck zu verleihen.
Emotional warnte Organisationsleiter Thomas Wolf (Eussenheim) vor einem weiteren Höfesterben, sollte die Ampel nicht von ihren Entscheidungen zur Besteuerung von Agrardiesel und Versicherungspflicht für Traktoren abrücken. „Es reicht“, so Wolf. Der vorherrschende Nebel sei bester Ausdruck für die „nebulöse“ Regierungspolitik.
Bläsergruppe spielte zwei Choräle
Diese habe bei Landwirten jegliches Vertrauen eingebüßt, fügte Alfred Greubel (Elfershausen) an. Eine Bläsergruppe spielte zwei Choräle, die diesem Vertrauensverlust Ausdruck verleihen sollten. Anschließende setzte sich der Traktorenkonvoi in Richtung Altstadt in Bewegung.
Für Unmut bei der Grünen-Bundestagsabgeordneten Manuela Rottmann sorgte derweil eine Protestaktion im Zuge der Abschlusskundgebung in Hammelburg. LSV-Demo-Organisator Thomas Wolf hatte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgefordert, jeweils einen mitgebrachten Feldstein vor dem Wahlkreis-Büro von Rottmann abzulegen - „stellvertretend für die Steine, die uns von der Ampel-Regierung in den Weg gelegt werden“.
Rottmann spricht von „Einschüchterungsversuchen“
Die Stimmung war aufgeheizt. Manuela Rottmann, die selbst am Montag auf der Groß-Demo des Bauernverbands in Berlin und nicht in Hammelburg war, sprach am Dienstag von Steinen als potenziellen Waffen, die die Bäuerinnen und Bauern mit sich geführt hätten. Sie sei einiges gewöhnt und könne einstecken, schrieb die Grünen-Politikerin auf Facebook. Wenn aber Sätze wie „Pass auf Dich auf“ oder „Du wirst Dich schon umschauen, wenn die Mehrheiten anders sind“ fielen, dann sei eine Grenze überschritten.
Verantwortlich für die „Bedrohungen“ und „Einschüchterungsversuche“ macht Rottmann, die bis vor einem Jahr Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium war, den Bauernverband (BBV). Von dort erwarte sie eine Entschuldigung und eine Aufarbeitung der Aktion. Fürs Erste hätten die Landwirte sie als „eine der bisher stärksten Unterstützerinnen“ für ihre Anliegen innerhalb der Ampel-Parteien jedenfalls verloren.
Bauernpräsident Köhler geht auf Distanz zu Protestaktion
Unterdessen distanziert sich Stefan Köhler, der Präsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV) in Unterfranken, von der Protestaktion am Montagabend in Hammelburg. „Wir haben damit nichts zu tun“, sagt er auf Nachfrage der Redaktion. Verantwortlich sei die Initiative „Land schafft Verbindung“. Ob auch Mitglieder des Bauernverbands an der Aktion beteiligt waren, wisse er nicht, so Köhler.
BBV-Präsident Köhler, der auch CSU-Kandidat für das Europa-Parlament ist, betont, man werde weiter „auch lautstark“ die Stimme erheben – gegen die geplanten Kürzungen bei der Agrardieselbeihilfe und die Abschaffung der Kfz-Steuer-Befreiung. Auch weitere Demos seien geplant.
BBV nicht für "illegale Aktionen" zu haben
Für „illegale Aktionen“ und Bedrohungs-Szenarien wie das Ablegen von Steinen oder Misthaufen vor Partei-Büros sei der BBV als Körperschaft des öffentlichen Rechts aber nicht zu haben: „Da sind andere verantwortlich.“
In Hammelburg, wo auch die Demo-Teilnahme von Personen aus dem Querdenker-Milieu für Irritationen sorgte, sammelte eine Nachhut der protestierenden Bäuerinnen und Bauern schließlich auf Anordnung eines Polizeibeamten den Steinhaufen wieder ein. Derweil kündigte Demo-Organisator Wolf an: „Wenn die Ampel ihre Entscheidungen nicht zurücknimmt, kommen wir wieder.“
Mit Text von Michael Czygan
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