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Zukunftsvisionen
Bahnhofsareal ist eigentlich ein "Schatz"
Der Bad Brückenauer Bahnhof ist längst Geschichte. Was aber wird in Zukunft aus dem gesamten Areal? In der Bürgerversammlung gab es wieder einmal Vorschläge.
Der Bad Brückenauer Bahnhof ist längst Geschichte. Was aber wird in Zukunft aus dem gesamten Areal? In der Bürgerversammlung gab es wieder einmal Vorschläge. // Sebastian Schmitt
An der Stelle, wo einst die Druckerei Nikolaus stand, klafft in der Bad Brückenauer Innenstadt eine gewaltige Lücke. Das sorgt weiterhin für Zündstoff.
An der Stelle, wo einst die Druckerei Nikolaus stand, klafft in der Bad Brückenauer Innenstadt eine gewaltige Lücke. Das sorgt weiterhin für Zündstoff. // Sebastian Schmitt
Bad Brückenau – Das könnte aus dem ehemaligen Gelände werden. Vorschläge, Kritik und Anregungen: Es gab bei der Bürgerversammlung in Bad Brückenau kein Zurückhalten.

In der gut besuchten Bürgerversammlung für die Stadtmitte wurde viel diskutiert, unter anderem um Immobilien, Leerstände und die Brachfläche Bahnhofsgelände. Zuvor berichtete Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) über fertige oder begonnene Baumaßnahmen 2022. In seinem umfangreichen Rückblick ging er unter anderem auf das Stadtfest ein, auf den großen Erfolg des Pinklaufs und das Engagement der Bad Brückenauer für die Ukraine.

180 Baumaßnahmen muss die Stadt in den kommenden Jahren in Angriff nehmen. „Wohlwissend, dass immer wieder Überraschungen kommen können.“ Dazu gehört auch das Freizeitbad Sinnflut.

Der wohl größte und offensichtlichste Immobilien-Leerstand in der Stadt ist das ehemalige Hotel Post. „Wir sind in Gesprächen mit der Regierung von Unterfranken, die uns in dieser Angelegenheit unterstützen will.“

Jochen Vogel ging auf den umfangreichen Generationswechsel in der Stadtverwaltung ein und bat um Verständnis, wenn noch nicht alles im gewohnten Tempo abgearbeitet werden kann. Der neue Kämmerer Markus Popp, die neue Leiterin der Tourist-Info Britta Heim und Thorsten Grament vom Fachbereich Bauen und Wohnen stellten sich vor.

Breiten Raum in der Diskussion nahm das Thema gegenseitige Rücksichtnahme von Fußgängern, Radfahrern und Hundehaltern ein. „Man kann nur appellieren, dass einer auf den anderen so gut wie möglich Rücksicht nimmt“, so Vogel. Jürgen Pfister schlug vor, Schilder aufstellen, auf denen um gegenseitige Rücksichtnahme gebeten wird. Der Bürgermeister glaubt aber nicht, dass das Problem damit gelöst werden kann.

Einnahmen für die Stadtkasse

Matthias Jost regte an, sich mehr Gedanken über steigende Einnahmen für die klamme Stadtkasse zu machen. Es stünden in den nächsten Jahren große Investitionen an. Eine mögliche Einnahmequelle sei, neues Bauland für Familien zu schaffen, aber auch mehr Gewerbe anzulocken.

Vogel erläuterte, dass sich der Stadtrat über diese Themen intensiv Gedanken mache. Nicht alles könne allerdings öffentlich besprochen werden, besonders wenn es um Grundstücksverkäufe gehe. Er machte klar, dass die Themen privates Bauland für Familien und Gewerbeansiedlung Hand in Hand gehen müssen, weil es immer auch um Arbeitsplätze geht.

Gewerbegebiet nahe der Autobahn

Jost fand, dass die Stadt ein Gewerbegebiet in direkter Nähe zur Autobahn benötigen würde. Es mache keinen großen Sinn, dass der Transportverkehr durch die Stadt geleitet wird. In Sachen neue Wohngebiete forderte er eine räumliche Nähe zu Schulen und Supermärkten.

Markus Jost kritisierte das Konzept des neuen Ärztehauses, das aus medizinischer Sicht kein echter Gewinn für Bad Brückenau sei, sondern eine weitere Schwächung der Innenstadt. Die künftige Nutzung entspreche nicht dem ursprünglichen Konzept, so Jost.

Keine schnelle Lösung

Beim weitgehend verwaisten Bahnhofsgelände nebenan machte der Bürgermeister keine Hoffnung auf eine schnelle Lösung: „Wir müssen erst einmal schauen, welche der bestehenden Einrichtungen weiterentwickelt werden müssen. Das werden wir nicht im stillen Kämmerlein, sondern mit der Öffentlichkeit tun. Wir haben eine Chance, die Stadt gut zu entwickeln.“

Grament verwies darauf, dass das Bahnhofsareal eine der größten ebenen Flächen in Bad Brückenau sei. „Sieht aus wie eine Brachfläche, ist aber ein Schatz für die künftige Stadtentwicklung.“ Grament machte auch klar, dass die Containeranlage für den Kindergarten kein Dauerzustand sein kann.

Wohnmobilstelleplatz für Bad Brückenau?

Matthias Jost schlug einen großen Wohnmobilstellplatz auf dem Gelände vor. Grament unterstrich hingegen die Bedeutung der Pflichtaufgaben der Stadt wie Wasserversorgung, Straßenunterhalt, Kindergärten und Schulen: „Das müssen wir vorrangig lösen. Die Pflichtthemen sind groß und dauern lange. Einen Wohnmobilstellplatz könnte man nach der Erledigung der Pflichten angehen.“

Bürgermeister Vogel wollte dem nicht widersprechen, konnte sich mit der Idee für einen Wohnmobilstellplatz aber anfreunden.

Diskutiert  auch über die leerstehenden Geschäfte in der Innenstadt, die man in Wohnungen umwandeln könnte. „Ich hätte so meine Zweifel, ob solche Wohnungen leicht zu vermieten  wären direkt an der Fußgängerzone auf der untersten Ebene“, sagte Vogel.
Thorsten Grament  warf die Frage auf, was Bad Brückenau in Zukunft sein wolle: Wohnstadt, Kurstadt, Erlebnisstadt? Mit solchen Grundsatzfragen werde sich die Stadtverwaltung  und die Kommunalpolitik in nächster Zeit beschäftigen. Einige Bürger vertraten die Ansicht, dass man nach jahrelangem Leerstand von Geschäften ganz neue Lösungen brauche. 

Leere Läden

Matthias Jost kritisierte, dass es längst keine einheitlichen Öffnungszeiten in der Innenstadt mehr gebe.  Sein Bruder Markus pflichtete bei, dass die Innenstadt „in der Vergangenheit nicht am Leben gehalten werden konnte“, daher müsse ein Umdenken stattfinden. „Der Leerstand zeigt, dass die Eigentümer nicht  immer eigene Ideen haben. Es reicht eben nicht, dass man ein Schild rausstellt mit der Aufschrift: Laden zu vermieten.“ Der Bürgermeister will auf den Dialog setzen, denn „das Thema kann man nur gemeinsam angehen mit den Eigentümern“.


Vorschläge zur Belebung der Innenstadt gab es in der Bürgerversammlung durchaus: Mehr Angebote in Sachen Gastronomie, Café und Bibliothek in Kombination, öffentliche Bücherschränke.
 Kurt Abersfelder  wies auf ein Grundsatzproblem hin: „Die Einheimischen verkaufen lieber Immobilien und kaufen nur selten bestehende Häuser, die saniert werden müssen. Wenn es Käufer für Immobilien gibt, dann kommen die meistens aus der Fremde.“ 

Lücke in der Fußgängerzone Bad Brückenau

Die abgerissene Druckerei Nikolaus in der Stadtmitte sorgt weiterhin für Zündstoff. Es klafft nach dem Abriss eine riesige Lücke mitten in der Fußgängerzone.  „Das ist ein Dilemma“, so Vogel. Die Stadt habe aber keine Handhabe und könne nur auf die Absicherung der Baustelle pochen. Es gebe eine gültige Baugenehmigung. Auf den Baufortschritt selbst habe  die Verwaltung keinen Einfluss.

Thorsten Grament ging auf die Planungen zur optimierten Straßenbeleuchtung ein, um langfristig Energie einzusparen. Man müsse hierbei die Verkehrssicherheit berücksichtigen. Man werde demnächst entscheiden müssen, ob die Beleuchtung auf einen Schlag modernisiert oder nach und nach vollzogen wird.

Stromausfall und Klimaschutz

Diskutiert wurde über das Thema Stromausfall. Vogel machte deutlich, dass dann nicht einmal eine konventionelle Tankstelle funktioniert. Auch ein Krankenhaus könne ohne Strom nicht arbeiten. Man werde sich mit diesem Thema in Zukunft noch stärker befassen müssen.

Matthias Jost bemängelte die Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit von Stadt und Staatsbad. Vogel: „Wir sind auf jeden Fall bestrebt, dass wir auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Das braucht möglicherweise noch Zeit.“ Das Thema beschäftigte allerdings einige Stadtoberhäupter vor ihm.

Wird es eines Tages einen Klimaschutzmanager für Bad Brückenau geben? Frühestens zum April 2023 werde es einen Förderbescheid geben, hieß es von der Stadt.

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