678 Jahre lang wurden im Bürgerspital mitten in der Stadt hilfsbedürftige Menschen versorgt. Im Frühjahr 2021 beschloss der Stadtrat, aus wirtschaftlichen Gründen die stationäre Pflege im Bürgerspital zu beenden, Ende Oktober 2021 zogen die letzten Senioren aus.
Seitdem steht das Gebäude in der Innenstadt weitgehend leer, in der jüngsten Stadtratssitzung wurde im nicht-öffentlichen Teil länger über die Zukunft des Bürgerspitals beraten. Trotzdem scheint vieles noch unklar zu sein.
Aktuell keine Flüchtlinge untergebracht
„Im Moment sind keine ukrainischen Geflüchteten in der Notunterkunft im ehemaligen Bürgerspital untergebracht“, teilt das Landratsamt Bad Kissingen auf Anfrage mit. Der Hammelburger Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) erinnerte in seinem Jahresrückblick in der letzten Stadtratssitzung des Jahres daran, dass Mitte März kurzfristig 50 ukrainische Kriegsflüchtlinge in dem ehemaligen Seniorenheim einquartiert wurden.
Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner seien innerhalb weniger Wochen weitergezogen. „Aber die Notunterkunft ist weiter in Bereitschaft“, betonte Warmuth. Aktuell sind nach Warmuths Informationen 128 ukrainische Staatsbürger in der Stadt Hammelburg gemeldet, vor Beginn des Ukrainekrieges seien es 25 gewesen.
Aktuell keine Zuweisung in Sicht
„Zurzeit ist keine außerplanmäßige Unterbringung oder Zuweisung angekündigt“, teilt Landrat Thomas Bold (CSU) mit. Laufende Zuweisungen seien bisher dezentral untergebracht worden, sodass eine Belegung der Notunterkunft nicht erforderlich gewesen sei.
„Wir konnten einem Großteil der Flüchtlinge aus der Ukraine privaten Wohnraum vermitteln, der dankenswerterweise von den Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung gestellt wird“, sagt Bold. Zudem gebe es aktuell sechs dezentrale Unterkünfte, die im Landkreis verteilt sind und in denen neben den ukrainischen Flüchtlingen auch weitere Asylbewerber untergebracht werden.
„Ziel ist es, weitere dezentrale Unterkünfte zu schaffen und so die Belegung von Notunterkünften zu vermeiden“, heißt es aus dem Landratsamt, und: „Wir sind derzeit auf der Suche nach geeigneten Gebäuden.“
Tagespflege und Verwaltung geplant
Im Januar 2022 hatten Stiftungsvorstand Marco Schäfer und Architekt Stefan Buttler Pläne für das Bürgerspital, das ehemalige Waisenhaus und den benachbarten Schafhof im Stadtrat vorgelegt.
Im Bürgerspital sollten eine Tagespflege im Erdgeschoss sowie die Verwaltung der Carl-von-Heß-Sozialstiftung untergebracht, das denkmalgeschützte Waisenhaus sollte abgerissen und die Fläche zusammen mit dem Schafhof für ein Betreutes Wohnen genutzt werden.
„Das Projekt Schafhof kann aus denkmalschutz- und baurechtlichen Gründen nicht verwirklicht werden“, teilt die Stiftung nun allerdings auf Nachfrage mit. Die Zusammenfassung der Verwaltung, die aktuell auf Hammelburg und Münnerstadt verteilt ist, sei nach wie vor geplant, allerdings bestehe kein Zeitdruck.
Betreiber ständig in Bereitschaft
Laut der Stadt Hammelburg ist das Bürgerspital noch bis 31. Januar 2023 an die Kai Achilles BeteiligungsGmbH & Patrick Bindrum BeteiligungsGmbH GbR Testcenter Hammelburg GbR vermietet. „Wir haben uns vertraglich verpflichtet, innerhalb von zwei Stunden Flüchtlinge aufnehmen zu können“, berichtet Patrick Bindrum, Bauunternehmer und CSU-Stadtrat.
Eigentlich sei für den Winter eine neue Flüchtlingswelle aus der Ukraine vorhergesagt worden, tatsächlich sei allerdings seit Monaten niemand in der Notunterkunft angekommen. Trotzdem gebe es laufende Kosten, etwa für die Bereitschaftsdienste der Mitarbeiter.
Im Testzentrum im Erdgeschoss gehe die Nachfrage stetig zurück, dessen Fortbestand sei trotzdem sichergestellt. „Wir testen so lange wie jemand will, dass wir testen“, sagt Bindrum. Bei der Notunterkunft gehe er aktuell von einem Vertragsende zum 31. Januar aus.
Vertragsverlängerung abgelehnt
Der Stadtrat hatte eine Vertragsverlängerung offenbar abgelehnt. Zu den Hintergründen nimmt Bürgermeister Warmuth allerdings keine Stellung. Offenbar soll es Verhandlungen mit dem Landkreis und der Regierung von Unterfranken geben.
Parallel blickt Warmuth weiter in die Zukunft: Aktuell wird laut Stadtverwaltung geprüft, ob die ehemalige Volksschule an der Stadtpfarrkirche für Betreutes Wohnen in Betracht kommt. „Dazu sind zunächst Abstimmungsgespräche mit dem Landesamt für Denkmalpflege geplant“, heißt es aus dem Hammelburger Rathaus.
Auch Zukunft des ehemaligen Waisenhauses offen
Erst danach seien weitere Entscheidungen möglich. In der Stadtratssitzung sagte Bürgermeister Warmuth auf Nachfrage, dass er frühestens für das Jahr 2024 weitere Entwicklungen bei der ehemaligen Volksschule erwartet.
Wegen der geplatzten Pläne für den Schafhof sei auch die Zukunft des ehemaligen Waisenhauses offen. Die Carl-von-Heß-Sozialstiftung hatte das Gebäude 1876 gebaut und bis in die 1970er Jahre selbst genutzt.
„Es gibt immer wieder Überlegungen, aber derzeit keine konkreten Nutzungs- und Weiterentwicklungspläne dazu“, teilt die Stadt mit. Einzelne Stadträte fordern, Bürgerspital und Waisenhaus der Carl-von-Heß-Sozialstiftung zuzustiften.











