Dass die Stadt Bad Brückenau mit ihren Finanzen streng haushalten muss, ist bekannt. Neu sind aber seit einigen Monaten Bemühungen, Geld außerhalb von Steuereinnahmen und staatlichen Zuweisungen zu generieren. Dieses soll Dinge abdecken, die sich die Kommune nicht leisten kann – auch wenn sie es gerne täte, weil es das Stadtleben bereichert. Das Fundraising ist ein Anfang (wir berichteten). Nun stellte PWG-Stadtrat Claudio Kleinhans den Antrag auf Gründung einer Bürgerstiftung. Er wurde kontrovers diskutiert.
Stiftungsziel: Stadt entlasten und attraktiver machen
Die Bürgerstiftung soll „als unabhängige, gemeinnützige und selbstlose Institution wirken, die Projekte fördert, die dem Allgemeinwohl dienen und und außerhalb der kommunalen Pflichtaufgaben liegen”. So steht es in Kleinhans' in der Sitzung am 29. Januar 2026 behandelten Antrag. Im Mittelpunkt sei demnach das Ziel, die Stadt langfristig lebenswerter zu machen und zusätzliche finanzielle Mittel für freiwillige kommunale Leistungen bereitzustellen.
Die Stiftung solle den Gemeinschaftssinn stärken und bürgerschaftliches Engagement unterstützen. Projekte könnten nach Kleinhans' Vorstellungen in den Bereichen Jugendhilfe, Seniorenarbeit, Bildung, Kultur, Sport, Umwelt- und Naturschutz sowie Gesundheit liegen. Bad Brückenauer Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Vereine könnten über Spenden und Zustiftungen zur nachhaltigen Entwicklung der Stadt beitragen. Dabei sei das Stiftungskapital zu erhalten und nur die Erträge daraus für gemeinnützige Zwecke zu verwenden.
Stiftung in Baden-Württemberg als Vorbild
Als Vorbild nennt der PWG-Stadtrat die seit 2014 tätige Bürgerstiftung im baden-württembergischen Flein (Landkreis Heilbronn). Nach Recherchen dieser Redaktion erwarb die Stiftung beispielsweise zwei Skulpturen des Künstlers Guido Messer, die im öffentlichen Fleiner Raum aufgestellt sind und zuvor gemietet worden waren. Gestartet war die Stiftung mit einem Kapital von 159.000 Euro.
„Eine vergleichbare Stiftung in Bad Brückenau würde die bestehenden kommunalen Angebote sinnvoll ergänzen und zusätzliche Handlungsspielräume schaffen”, ist Kleinhans überzeugt. Als Anschubfinanzierung beantragte er 10.000 Euro. Damit lasse sich der Gründungsprozess der Stiftung anstoßen und Stiftungskapital bilden. Die Stadtverwaltung solle die Gründung begleiten, die Anerkennung vorbereiten und dem Stadtrat regelmäßig berichten.
Mehrere Kandidaten für Stiftungsgelder
Bürgermeister Jan Marberg (SPD) sagte, dass die Stadt Bad Brückenau immer wieder mal kleinere Spenden erhalte, zuletzt 2.000 Euro (jeweils 500 Euro von einem Immobilienentwickler für die städtischen Kindergärten; die Redaktion). Er erwähnte die Unterfränkische Kulturstiftung mit einem Vermögen von 223 Millionen Euro und geplanten Ausgaben für 2026 von 5,5 Millionen Euro für Kultur in Unterfranken.
Ganz so groß wird es in Bad Brückenau nicht. Nach Vorschlägen aus dem Stadtrat kämen Jugendzentrum und Städtepartnerschaft, aber auch Deutsches Fahrradmuseum, Bayerisches Kammerorchester und Musikschule für Zuwendungen in Betracht.
Zwei Meinungen zu Stiftungsgründung und Vermögen
Im Gremium wogte die Debatte hin und her, was besser wäre: jetzt schon die Stiftung gründen, ihr einen Grundstock von 10.000 Euro gewähren und die Stadtverwaltung die Gründung begleiten lassen. Oder zunächst einen Arbeitskreis bilden, der Stiftungszweck und Zuständigkeiten erarbeitet. Das Grundkapital könnte dann in den anstehenden Haushaltsberatungen festgelegt werden.
Adelheid Zimmermann (FDP) wollte die Brückenauer Banken mit ins Boot holen. Der Vorschlag, den aus Dirk Stumpe (parteilos) und Eva Reichert-Nelkenstock (Grüne) bestehenden Stadtentwicklungsausschuss mit der Vorarbeit zu betrauen, fand kaum positives Echo.
Am Ende war man sich zwar einig, die Bürgerstiftung auf den Weg zu bringen; der Beschluss über Kleinhans' Antrag wurde aber zurückgestellt. Über den Grundstock wird erst in den Haushaltsberatungen befunden.
Feuerwehrfahrzeuge werden überholt
Im nichtöffentlichen Teil der (Närrischen) Stadtratssitzung vom 5. Februar wurde der Auftrag erteilt, das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF 20) und das Großtanklöschfahrzeug der Bad Brückenauer Freiwilligen Feuerwehr überholen zu lassen. Die Auftragssumme nennt Bürgermeister Marberg nicht. Sie liege aber rund ein Drittel niedriger als schon einmal im Haushaltsplan 2025 hinterlegt.













