Still liegt die Therme Sinnflut dieser Tage da, eingehüllt in eine dünne Decke Schnee. Seit dem letzten Öffnungstag am 30. September 2023 bewegt sich dort scheinbar nichts mehr. Hinter den Kulissen aber schon: Die Stadt Bad Brückenau hat Grundstück und leerstehende Immobilie den Stadtwerken abgekauft. Für Bürgermeister ein wichtiger Schritt für die Zukunft.
Verkauf zum symbolischen Preis?
Jan Marberg (SPD) betätigt die Übernahme des Sinnflut-Geländes zum 1. Januar 2026. Der Kaufpreis sei ein symbolischer gewesen, „weil (die noch ausstehenden) Abrisskosten den Grundstückswert bei weitem übersteigen”.
Das Unterfangen sei vorher juristisch überprüft worden. Nach dem Aufsichtsrat der Stadtwerke habe auch der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung am 30. Oktober 2025 der Grundstücksübertragung zugestimmt, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt vom 4. Februar 2026. „Der Beschluss erfolgte einstimmig”, ergänzt Marberg auf Nachfrage.
Sinnflut verdarb Bilanz der Bad Brückenauer Stadtwerke
Manch einen in Bad Brückenau dürfte der Kauf wundern nach dem Motto: Hat die Stadt nicht schon genug Problemkinder; braucht sie ein weiteres und gleich ein so ausgewachsenes?
Für Marberg folgt der Erwerb einer konkreten Idee: Bisher sei es so gewesen, dass die hohen Kosten des Spaßbads mit Sauna den Stadtwerken über viele Jahre die Bilanz verhagelte. Die Stadt saß als Alleingesellschafterin des Versorgungsunternehmens mit im Boot. Denn sie gewährte den Stadtwerken alljährlich einen Verlustzuschuss von bis zu 250.000 Euro. Was darüber hinaus an Minus übrig blieb, mussten die Stadtwerke selbst begleichen.
Der Kauf der Therme erfolgte laut dem Bürgermeister nun, „damit die Stadtwerke wieder auf soliden Füßen stehen”. In der Vergangenheit sei das ein oder andere Projekt nicht verwirklicht worden, weil die finanziellen Ressourcen dafür fehlten. Die Stadtwerke Bad Brückenau sollen sich auf ihr Kerngeschäft – die Versorgung mit Strom und Wärme und die Sanierung ihres Leitungsnetzes konzentrieren können.
Deren Geschäftsführer Torsten Zwingmann sieht das in der Pressemitteilung ähnlich. „Unsere Aufgabe liegt zunehmend in der sicheren und nachhaltigen Energieversorgung. Die Übertragung derTherme Sinnflut auf die Stadt ermöglicht es uns, unsere Ressourcen gezielt darauf zu konzentrieren.”
Ein Schritt hin zum möglichen neuen Schwimmbad
Gleichzeitig stellt der Erwerb für den Bürgermeister „einen der Schritte dar, damit es überhaupt ein neues Schwimmbad in Bad Brückenau geben kann”. Dessen Betrieb soll anders verortet werden, als es bis zur Schließung der Therme der Fall war. Möglicherweise läuft es auf einen Zweckverband als Betreiber hinaus, so Marberg.
Torsten Zwingmann hatte bei allen Gedankenspielen um ein kleines Schulschwimm-Hallenbad oder eine große Spaßbadlösung stets betont, dass die Stadtwerke sich jährliche Betriebskosten von mehr als einer Million Euro künftig nicht mehr leisten könnten.
Natürlich ist Bürgermeister Marberg bewusst, dass die erworbene leere Immobilie auch für die Stadt Bad Brückenau Erhalts- und Unterhaltskosten bedeutet. Diese lägen im fünfstelligen und damit vertretbaren Bereich. Das sei weit weniger, als die Stadtwerke alljährlich in den Gebäudekomplex stecken müssten.
Zwei Wege zum Abriss
Eine weitere Konsequenz des Kaufs: Die Abrisskosten des maroden Sinnflut-Teils von geschätzt einer Million Euro bleiben an der Kommune hängen. Förderfähig sind sie nicht; die vor wenigen Jahren erneuerte Saunalandschaft soll erhalten bleiben.
Nach Marbergs Ansicht gibt es nun zwei Wege: Entweder, man realisiert den Abriss zeitnah autonom und schaut dann, welche Nutzung das ehemalige Sinnflut-Gelände erfahren soll. Oder man lässt das Gebäude erst einmal stehen, bindet den Abriss dann in die Planung und Verwirklichung eines neuen Schwimmbades mit ein.



















