Die Pressemitteilung von MdB Manuela Rottmann kommt aus dem Wahlkreisbüro Hammelburg. Die 51-Jährige, die in Münnerstadt lebt, lenkt seit 2020 auch als Mitglied des Kreistags Bad Kissingen die Geschicke des Landkreises mit.
Jetzt meldet sie sich in ihrer Funktion als Bundestagsabgeordnete zu einem Interview dieser Redaktion mit Landrat Bold vom 15. März kritisch zu Wort. In diesem Interview sprach Bold über die aktuellen Trassenpläne der Bundesnetzagentur für den Landkreis Bad Kissingen.
Ausbau des Leitungsnetzes wichtig
Der Ausbau des Leitungsnetzes für eine Vollversorgung aus Erneuerbaren Energien sei für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts viel zu wichtig, als dass man sich ein „widersprüchliches Vorgehen zwischen der Politik in München und der im Landkreis“ leisten solle, schreibt Rottmann.
Im November 2023 habe die Bayerische Staatsregierung mehr Stromleitungen für Bayern gefordert. Hubert Aiwanger (Freie Wähler) habe damals die Bundesnetzagentur und ihren Präsidenten persönlich angegriffen, dass die Planungen für Stromleitungen nach Bayern nicht ausreichen würden, so die Bundestagsabgeordnete in der Pressemitteilung.
Nun kritisiere CSU-Landrat Bold die Bundesregierung dafür, dass sie einen Vorschlag macht, um die Forderung des CSU-Ministerpräsidenten in München zu erfüllen, moniert Rottmann.
„Fällt auf die CSU zurück“
„Die Kritik des Landrats am Tempo der Planung fällt auf ihn selbst und die CSU zurück“, so die Bundestagsabgeordnete weiter. Zehn Jahre lang habe die CSU in Bayern mit der 10H-Regelung den dezentralen Windkraftausbau und den Stromnetzausbau verhindert, und Landrat Bold habe hinter dieser Politik gestanden, heißt es in dem Schreiben.
Nun fordere die CSU in München Tempo, während der CSU-Landrat in Bad Kissingen „weiter auf der Bremse“ stehe. Rottmann: „So beschädigt man das Vertrauen in den Standort weiter.“
Die Bundesregierung versuche, den Zeitverlust eines Jahrzehnts aufzuholen. Weder das Hochspannungsnetz noch das Verteilnetz in Bayern seien bislang für das von der CSU beschlossene Ziel der Klimaneutralität bis 2045 ausgebaut, schreibt Rottmann. Die nun neu vorgeschlagenen Trassen seien genau darauf ausgerichtet, dieses Ziel zu erreichen.
So verträglich wie möglich
Zweifellos würden die neuen Trassen Eingriffe in Natur und Landschaft bedeuten, so die Bundestagsabgeordnete weiter. Die konkreten Trassen müssten so verträglich wie möglich geführt werden und die betroffenen Gemeinden und Bürger sollten die sachlichen Gründe für die konkrete Trassenführung nachvollziehen können, heißt es in der Pressemitteilung weiter.
Landrat Bold habe in dem Interview in den Raum gestellt, die Trassenplanungen könnten Windkraft- oder Photovoltaikvorhaben verhindern oder verzögern, so Rottmann. Der Vorschlag für den Verlauf der neuen Wechselstromtrasse P 540 an Münnerstadt vorbei solle aber gerade den Anschluss des großen Windkraftvorhabens im Bildhäuser Forst einfacher machen, schreibt die Bundestagsabgeordnete.
Kosten werden gespart
Erstmals würde die Planung des Übertragungsnetzes mit den vom Bayernwerk gemeldeten Ausbaubedarfen im Verteilnetz für den Anschluss von Windparks und PV-Anlagen verzahnt, teilt Rottmann mit, so dass Kosten gespart würden und höhere Erträge in der Region verbleiben könnten, wenn die Vorhaben zeitlich synchronisiert werden. Rottmann: „So hätte die Region endlich auch einen Nutzen von den Leitungen und wäre nicht mehr nur Transitraum.“
Als „unanständig“ bezeichnet die Bundestagsabgeordnete Bolds im Interview getroffene Feststellung, dass die Bundesnetzagentur möglicherweise etwas zu verbergen habe, wenn sie dem Landkreis keine Akteneinsicht gewähren will.
Rottmann: „Hier wird versucht, Misstrauen in die Entscheidungen einer Genehmigungsbehörde zu säen.“
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