Wie sieht der Wald in 40 Jahren aus? Eine Frage, auf die es heute noch keine genaue Antwort geben kann. Sicher ist allerdings: Er wird anders aussehen als heute. Welche Weichen dafür im Oberleichtersbacher Gemeindewald gestellt werden, erfuhr der Gemeinderat bei seinem Waldbegang im Ortsteil Modlos.
Rund 280 Hektar Wald besitzt die Gemeinde Oberleichtersbach, verteilt auf die einzelnen Gemeindegebiete. Durch den Wald führte Birgit Badde von der Forstverwaltung Rupboden. Mit dabei war auch Gemeindearbeiter Martin Hahn-Enders, der einen großen Teil seiner Tätigkeit dem Gemeindewald widmet.
Chancen des Waldumbaus
Ein gutes Beispiel für die Herausforderungen, aber auch für die Chancen des Waldumbaus findet sich in den Bereichen „Beerleite“ und „Apfelbach“. In der „Beerleite“ steht ein größerer Einschlag bevor. Dort befindet sich ein älterer Fichtenbestand, der in den vergangenen Jahren bereits durch Sturm und Käferbefall teilweise aufgerissen wurde. Gleichzeitig zeigt sich dort etwas, das die Forstleute besonders freut: Die Natur arbeitet bereits am nächsten Wald. Junge Bäume haben sich von selbst angesiedelt und wachsen zwischen dem Altbestand heran. Durch gezielte Pflanzungen wird diese Entwicklung zusätzlich unterstützt.
Doch Waldumbau ist kein Projekt, das sich innerhalb weniger Jahre erledigen lässt. „Ein Waldumbau braucht Zeit, so etwas geht nicht von heute auf morgen“, erklärte Badde. Man könne auch nicht sämtliche Fichten auf einmal entfernen. Die verbliebenen Bäume erfüllen teilweise noch eine wichtige Funktion als Schutzschirm für die heranwachsenden Buchen.
Blick in die Baumkrone
Überhaupt ist die Frage, welcher Baum stehen bleiben darf und welcher weichen muss, deutlich komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Entscheidend ist nicht allein der Stamm, sondern vor allem die Baumkrone. „Man muss nach oben schauen“, erläuterte Badde. Hat ein Baum genügend Platz, um seine Krone zu entfalten? Kann er sich weiterentwickeln?
Durchforstung bedeutet deshalb nicht einfach, möglichst viele Bäume zu entnehmen. Vielmehr soll gezielt Platz für die guten und zukunftsfähigen Bäume geschaffen werden. Gleichzeitig muss darauf geachtet werden, dass die verbleibenden Bäume nicht plötzlich instabil werden.
Insgesamt ist ein Holzeinschlag von 2000 Festmetern vorgesehen. Dabei soll, darauf geachtet werden, das bestehende Mischungsverhältnis zu erhalten und nach und nach um weitere Baumarten zu ergänzen.
Küstentanne statt Fichte
Wie ein zukünftiger Mischwald aussehen könnte, lässt sich bereits an einer Fläche am „Apfelbach“ beobachten. Dort wurde im Frühjahr 2024 nach einem Käferschaden wieder aufgeforstet. Unter anderem wurden Kirsche, Nuss, Eiche mit Kiefer, Rotbuche und Küstentanne gepflanzt. Auch Hainbuche und Eberesche haben sich natürlich eingefunden. Die Küstentanne gilt dabei als Baumart, die mit den veränderten Klimabedingungen besser zurechtkommen könnte als die Fichte. Fördergelder des Landes Bayern konnten für die Wiederaufforstung genutzt werden.
Martin Hahn-Enders beobachtet die Entwicklung der jungen Bäume unmittelbar vor Ort. Die Eiche, so seine Erfahrung, steht auf der Fläche sehr gut da. Die Linde dagegen ist trotz Nachpflanzung ausgefallen.
Gemeindewald entwickelt sich stetig
Insgesamt steht der Oberleichtersbacher Gemeindewald nach wie vor gut da und entwickelt sich stetig. Trotzdem hinterlassen die klimatischen Veränderungen ihre Spuren. Was heute gepflanzt wird, muss deshalb nicht nur mit den aktuellen Bedingungen zurechtkommen, sondern möglichst auch mit dem Klima von morgen.
Und genau darin liegt die Herausforderung der Forstwirtschaft: Ein Wald lässt sich nicht kurzfristig planen. Badde erklärte dem Gemeinderat, dass zwischen Pflanzung und einem ausgewachsenen, wirtschaftlich nutzbaren Baum Jahrzehnte liegen. Gleichzeitig wisse niemand, wie sich Temperatur, Niederschlag und Extremwetter in dieser Zeit entwickeln werden.
Hinweis der Redaktion: Karina Kirchner ist Mitglied im Gemeinderat Oberleichtersbach.









