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Stadtpolitik
Vogels geplanter Rückzug: Ein mutiger Schritt
Den angekündigten Rückzug von Jochen Vogel vom Amt des Bad Brückenauer Bürgermeisters halten die meisten Fraktionssprecher für folgerichtig.
Den angekündigten Rückzug von Jochen Vogel vom Amt des Bad Brückenauer Bürgermeisters halten die meisten Fraktionssprecher für folgerichtig. // Ulrike Schiefer
Bad Brückenau – Die Fraktionssprecher im Kommunalparlament äußern sich zum beabsichtigten Rückzug von Jochen Vogel als Bürgermeister. Einen hat er tatsächlich überrascht.

Die Nachricht vom beabsichtigten Rückzug Jochen Vogels (CSU) vom Amt des Bürgermeisters zum Jahresende – sie erreichte die Bad Brückenauer Stadträte etwas eher als die breite Öffentlichkeit, am 28. September in nichtöffentlicher Sitzung. Einige Tage später äußern sich die Fraktionssprecher.

Übelacker ist überrascht von Vogels Rückzug

Heribert Übelacker (CSU), gleichzeitig 3. Bürgermeister, war von Vogels Antrag auf Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand wegen andauernder Dienstunfähigkeit überrascht. „Ich habe nicht damit gerechnet, bin fest davon ausgegangen, dass er wieder einsteigt und die Amtsgeschäfte fortführt.“ Dies sei ja auch Ziel der Rehabilitation gewesen.

Dass er seine Entscheidung jetzt getroffen habe, zeige, dass er auf Besserung seines Gesundheitszustandes in absehbarer Zeit und baldigen Wiedereinstieg gehofft habe. Aber er habe sich eingestehen müssen, dass es für ihn und Bad Brückenau kein Weiter-so geben könne.

Übelacker rechnet Vogel diese Einsicht und den Schritt, den er gegangen ist, hoch an. Für ihn und Bad Brückenau tut es ihm leid. Stellvertretender Bürgermeister Jürgen Pfister und er würden versuchen, die Amtsgeschäfte so zu lenken, dass der Stadt kein Nachteil entstehe.

Stumpe: Entscheidung war nicht früher möglich

Für Dirk Stumpe (PWG) kam die Ankündigung von Vogels Rückzug „angesichts seiner Krankengeschichte nicht überraschend. Wenn das Ergebnis nach der Reha ist, dass man den Dienst nicht mehr antreten kann, liegt er nahe.“

Auch Stumpe tut es für Vogel persönlich leid. „Es war mutig und richtig von ihm, diesen Schritt mit allen Konsequenzen zu gehen.“ Aus seiner Sicht habe das Stadtoberhaupt die Entscheidung nicht früher treffen können. „Es war nicht absehbar, wie sich seine Erkrankung entwickelt. Mir wäre es lieber für ihn und die Stadt gewesen, wenn er gesundet wäre.“

Entscheidungen brauchen starken Bürgermeister

Denn im Moment gebe es viele wichtige Projekte, die Entscheidungen eines starken Bürgermeisters bräuchten. Andererseits habe Vogel kompetente Stellvertreter. Jürgen Pfister (PWG) sei lange im Amt, wisse, was er mache.

Persönlich glaubt Stumpe, der bei der Kommunalwahl 2020 gegen Vogel unterlegen war, dass in den vergangenen Wochen ein CSU-Drehbuch abgelaufen ist: Erst traten Bürgermeister-Vize Dieter Seban und nun Vogel selbst zurück; dann wurde Übelacker als 3. Bürgermeister und potenzieller Vogel-Erbe installiert.

Wildenauer: Rückzug eines Stadtoberhauptes immer ungünstig

Florian Wildenauer (SPD) hält den Rückzug eines Stadtoberhauptes in der laufenden Wahlperiode „immer für ungünstig“. Jetzt falle die Kommunalwahl wieder nicht mit der des Bürgermeisters zusammen. Andererseits: „Wenn es die Gesundheit nicht zulässt, spielt der Zeitpunkt eine untergeordnete Rolle.“

Ob Vogel eher die Reißleine hätte ziehen sollen, kann Wildenauer nicht beurteilen. „Ich bin weder Mediziner noch stecke ich in der Situation.“ Für die Stadt wäre der Rückzug jederzeit ungünstig gekommen, weil er wieder Neuwahlen bedeutet. Auf der anderen Seite hätten die Brückenauer Amtsgeschäfte eine konsequentere Führung vertragen können, als es durch die zwei Stellvertreter möglich sei, so der SPD-Mann.

Reichert-Nelkenstock: zwischendurch Eindruck, dass es besser wird

Eva Reichert-Nelkenstock (Grüne) findet den Rückzug des Bürgermeisters nicht ganz so folgerichtig wie Stumpe. Nach Vogels erster Reha habe sie den Eindruck gehabt, es gehe ihm besser; er könne seine Aufgaben wieder angehen. „Ich hatte sehr gehofft, dass er nach der zweiten Reha gesund zurückkommt.“

Dass der Mottener sich in den vergangenen acht Wochen in einer für Bad Brückenau brisanten Zeit ganz zurückgezogen und die Reha verlängert habe, war für Reichert-Nelkenstock „ein Zeichen, dass es ihm wirklich nicht gut geht“. Insofern findet sie seine Entscheidung, nicht weiterzumachen, mutig und gut.

Jochen Vogel wird eine Lücke reißen, ist die grüne Politikerin überzeugt. Er habe viele Dinge eingefädelt, Verhandlungen geführt, seine Kontakte dafür genutzt. „Sein Rückzug wirft uns bei vielen Sachen zurück. Es tut mir leid für ihn.“

Zimmermann: Frage der Dienstunfähigkeit klären und schnell wählen

Für Adelheid Zimmermann (FDP) kam die Rückzugsankündigung nicht überraschend. Der Stadtrat habe sich über Monate damit beschäftigt und mit Vogel in Kontakt gestanden. „Respekt für die Entscheidung, dass Vogel es nicht weiter hinausgezögert hat.“

Zimmermann drängt darauf, so schnell wie möglich die Frage der Dienstfähigkeit beziehungsweise -unfähigkeit zu klären und zu wählen. Denn der Haushalt liege im Argen und zur Therme Sinnflut stünden Entscheidungen an.

Heidelmeier: Rücktritt Vogels zu spät

Für den Unternehmer Hans-Jörg Heidelmeier, Mitverfasser des Brandbriefs vom 19. April, erfolgt der Rückzug Vogels zu spät. „An den Fakten hat sich doch in den vergangenen fünf Monaten nichts verändert. Er hatte damals schon mit dem Long-Covid-Syndrom zu tun und hätte viel eher reagieren sollen.“ 

Hätte der Bürgermeister sich schon im Frühjahr zurückgezogen, hätte man  am 8. Oktober zusammen mit der Landtagswahl ein neues Stadtoberhaupt  bestimmen können. So passiere wieder ein halbes Jahr nichts. „Das kann nicht im Sinne von Bad Brückenau sein, jetzt, wo so viele wichtige Themen anstehen.“ 

Genugtuung über den von ihm und Klaus Abersfelder im Brandbrief geforderten Rücktritt empfindet Heidelmeier nach eigenen Angaben nicht. „Auf keinen Fall, wenn jemand krank ist.“ Allerdings glaubt der Bad Brückenauer auch, dass Vogels Rückzug länger feststand und  man einen Nachfolger aufbauen wollte.

 

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