Die Beckenränder zeigen mehrfach geflickte Stellen, im Keller der Sinnflut liegen Sandsäcke gestapelt. Sie sollen einen Mauerdurchbruch aufhalten. Überall tropft Wasser, die Decke korrodiert und Planen und Bänder dichten provisorisch ab. Das alles sieht nicht nach einem laufenden Betrieb aus. Und doch zeigt es den aktuellen Zustand im Untergrund der Therme Sinnflut.
„Wir hoffen sehr, dass der Betrieb bis Ende September durchhält“, betont Heribert Übelacker auf einer öffentlichen Fraktionssitzung der CSU am Freitagabend. Bürgermeisters Jochen Vogel war nicht vor Ort. Fast 100 Zuschauer waren gekommen, um sich ein Bild über den aktuellen Stand rund um die Therme Sinnflut zu machen.
Unterhalt in Zeiten der Energiekrise
Dass die Therme Sinnflut dringenden Sanierungsbedarf hat, sei bereites 2017 festgestellt worden, blickt der Fraktionssprecher der CSU zurück. Nach ersten Untersuchungen und einem eingeleiteten VGV-Verfahren hieß es aber: „Eine Sanierung wird nicht ausreichen“, erinnert sich Übelacker.. Seitdem, das war im Jahr 2019, gehen die Planungen und Überlegungen in Richtung Abriss und Neubau, bis jetzt ohne konkrete, veröffentlichte Ergebnisse. Jetzt, im März 2023, stehe die wichtigste Phase bevor: Was kostet der Bau und vor allem: Was kostet der Unterhalt in Zeiten der Energiekrise?
Im April sollen Stadtrat und Bürgermeister vom planenden Architektenbüro darüber informiert werden. Bürger der Stadt kritisieren im Verlauf des Abends mehrfach, dass es zu wenige Informationen rund um das Thema gebe. „Ich nehme eine starke Unzufriedenheit wahr“, sagt Neubürger Holger Weißmantel. „Mir fehlt hier eine vorsorgende Planung, was die Belange der Stadt angeht“, fügt er noch hinzu. Damit schließt er auch weitere städtische Aufgaben wie Brücken, Straßen und Treppen mit ein.
„Wir fühlen uns nicht mitgenommen“, sagt Dagmar Kühnen von der Rheumaliga. Die Mitglieder seien auf das Wasser der Sinnflut angewiesen. Eine Anfrage beim Bürgermeister wegen einer zusätzlichen Förderung sei bis heute unbeantwortet geblieben. Eine Petition gegen die Schließung, von Kühnen selbst ins Leben gerufen, habe mittlerweile über 5.000 Unterschriften.
Bürger Hans-Jörg Heidelmeier spricht gar von einem Skandal rund um die Sinnflut und den aktuellen Betrieb. Dies sei nicht zulässig. Die Betriebssicherheit müsse geprüft werden, sagt Heidelmeier. Zudem stellen er und weitere Besucher einen Neubau infrage. „Nur ein Neubau wird gefördert, deshalb schießt man sich darauf ein“, sagt Heidelmeier. Eine Sanierung sei nicht ausreichend geprüft worden, ist er der Meinung. Dazu käme die Ressourcenverschwendung durch den Abriss und die hohe CO2 Belastung, fügt Dagmar Kühnen an.
Auch der Saunabereich, der 2011 saniert wurde, war Thema. Peter Hofer aus Bad Brückenau fragt: „Wie geht es mit der Sauna weiter?“ 3. Bürgermeister Dieter Seban schließt aus, dass während der Bauphase der Saunabetrieb weiter möglich ist. „Die Technik hängt mit dem Badebetrieb zusammen.“
Was sagen die Fraktionen dazu
Im Vorfeld der Veranstaltung hat die Redaktion alle Fraktionen im Stadtrat nach einer Stellungnahme zur Sinnflut gebeten. Das sind die Meinungen:
Grüne: „Nachhaltiges Konzept“
Auch die Grünen im Stadtrat wünschen sich für die Stadt weiterhin ein Schwimmbad. „Dies ist als Möglichkeit zum Schwimmen lernen, für das Schulschwimmen, als Sport- und Gesundheitseinrichtung für alle Bürgerinnen und Bürger unerlässlich“, sagt Stadtrat Ingo Queck. Die Pläne, die im Stadtrat im letzten Jahr für den Neubau einer Therme vorgestellt wurden, seien sehr attraktiv und sehr gut an den Standort angepasst gewesen.
Quecks Meinung nach gebe es aktuell aber noch zu wenige konkrete Informationen. Das bedeutet: „Wir wissen noch nicht, wie hoch der Anteil der Stadt an den Baukosten sein wird; auch sind die zu erwartenden Betriebskosten noch nicht bekannt. Letztlich können wir erst mit diesen Zahlen eine Entscheidung verantworten.“
Sein Wunsch wäre vor allem ein nachhaltiges Konzept für die Energieversorgung der neuen Therme. Der spürbaren Verunsicherung bei den Bürgerinnen und Bürgern sollte man seitens Stadt und Stadtwerken mit mehr Information begegnen.
FDP/Freie Bürger „Sponsoring oder Verein“
Adelheid Zimmermann, Stadträtin Freie Bürger FDP, betont: „Bad Brückenau braucht eine Therme für Schulschwimmen, Behindertensport, die Rheumaliga, die Senioren, Kinder, für Vereine und für seine Familien.“ Damit spricht sie alle Nutzergruppen an, die auch aktuell das Bad nutzen.
Ein spektakulärer Architekturentwurf sei unter Einsatz örtlicher Materialien vorgelegt worden. „Leider fehlen nach sechs Jahren Planung mit immer neuen Auflagen der Regierung ganz konkrete Daten der Förderungen“, betont Zimmermann.
Denn nur mit hoher Förderungsquote werde Bad Brückenau das Projekt Therme Sinnflut stemmen können. Ind er Finanzplanung der Stadt stünden Kredite in Höhe von zwölf Millionen Euro für die kommenden drei Jahre an. „Meiner Ansicht nach würde ein Bau der Sinnflut bedeuten, dass sich die Stadt Partner sucht im Sponsoring, in einem Unterstützerverein, einem Freundeskreis.“ Da seien Ideen gefragt. „Aber vor allem braucht die Stadt für die Therme Sinnflut Begeisterung.“
SPD „Bad für alle erschwinglich“
Die SPD spricht sich für einen Teil-Ersatzneubau des Schwimmbads aus. Die Fraktion im Stadtrat habe allen entsprechenden Ausgaben für Planungsleistungen und vorbereiteten Maßnahmen ohne Gegenstimmen zugestimmt, heißt es in einer Erklärung. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt habe die Stadt bereits rund zwei Millionen Euro für Planungen und Vorbereitungen ausgegeben. Ein Stopp des Projekts „käme dem Verbrennen gleich.“
Das Bad technisch erhalten zu wollen und nur Aufbesserungsarbeiten vorzunehmen, „ist nicht nachhaltig“, heißt es weiter. In der Summe wären die Reparaturen über Jahrzehnte gerechnet teurer als ein Ersatzbau.
Eine Verkleinerung der Sinnflut lehnt die SPD ab. Das würde bedeuten, dass Nutzergruppen ausgeschlossen würden. Der Wegfall von Schulschwimmen, Kinderbereiche, Sprungbretter oder Thermalbecken komme nicht in Frage. Die Fraktion im Stadtrat fordert außerdem: Zukünftige Eintrittspreise für Nutzer aus dem Altlandkreis für Sportschwimmer und Familienausflug „müssen erschwinglich sein.“
CSU „Neubau rentabler“
Fraktionssprecher Heribert Übelacker bestreitet den Vorwurf, zu wenig getan zu haben. Er betont: „Wir verlassen uns auf die Aussagen der Ingenieure, die sich vor Ort ein Bild gemacht haben.“
3. Bürgermeister Dieter Seban sagt: „Wir sollen wieder ein Schwimmbad in Bad Brückenau haben.“ Letztendlich hänge alles davon ab, wie viel Fördergelder für das neue Bad zugesagt werden. Die Verzögerung in den vergangenen Jahren, beschreibt Seban, sei dem langen Weg des VGV-Verfahrens geschuldet. „Wir mussten den Weg praktisch zwei Mal gehen, nachdem klar war, dass eine Sanierung nicht ausreicht“, wiederholt er.
Die kleine Lösung, also ein kleineres Schwimmbad, schließt die CSU aus. Denn: „Hier erhalten wir weniger Fördergelder, der Eigenanteil der Stadt steigt dadurch immens.“ Auch eine Sanierung sei ausreichend geprüft worden. Die überalterte Technik und der Zustand der Bades schließe dies aber nach Prüfung durch Ingenieure eher aus. Einen anderen Standort schließt Seban aus. „Das Siebener Wasser ist hoch aggressiv und zerstört die Leitungen sehr schnell.“
PWG „Existenziell wichtig“
Die PWG spricht sich geschlossen ausdrücklich für den Erhalt der Sinnflut aus. Die Bedeutung für Bad Brückenau und die gesamte Region sei unbestritten. Gerade als Mittelzentrum mit Ausrichtung als touristisch geprägter Kurort mit eigenen Heilquellen in bester Lage, stelle sich nicht die Frage nach dem Bedarf, „Es ist existenziell wichtig für Bad Brückenau, ein attraktives Schwimmbad anbieten zu können.“ Die Mammutaufgabe für den gesamten Stadtrat, den Altlandkreis und auch den Landkreis Bad Kissingen sei es, gemeinsam ein tragfähiges Konzept auszuarbeiten, welches die Wichtigkeit des Projekts für alle Beteiligten unterstreicht.
Das Konzept müsse nicht nur die Finanzierung des Bades umfassen, sondern auch die Deckung der laufenden Betriebskosten. Vor allem für Bürger der Region solle es eine finanziell erschwingliche Möglichkeit bieten, das Schwimmen zu erlernen.
Die Fraktion sagt: „Die aktuelle Situation ist sehr bedenklich: Stadt und Stadtwerke müssen jährlich einen siebenstelligen Betrag zum Betrieb der Sinnflut beisteuern.“
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