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Mysteriöser Brief
Herbe Kritik an Hilfe für Ukraine aus Brückenau
Dieser Brief einer vorgeblichen Ukrainerin erreichte den Bad Brückenauer Dirk Stumpe. Darin wird Kritik an dessen Engagement im Verein „Bad Brückenau hilft“ für das im Krieg mit Russland befindliche Land geäußert.
Dieser Brief einer vorgeblichen Ukrainerin erreichte den Bad Brückenauer Dirk Stumpe. Darin wird Kritik an dessen Engagement im Verein „Bad Brückenau hilft“ für das im Krieg mit Russland befindliche Land geäußert. // Quelle: Screenshot Facebook/Dirk Stumpe
Bad Brückenau – Dirk Stumpe vom Verein „Bad Brückenau hilft“ muss sich mit einem zweifelhaften Brief auseinandersetzen. Er geht besonders damit um.

Als Dirk Stumpe kurz vor Weihnachten den Brief öffnete und die ersten Zeilen las, wollte er ihn gleich in den Müll werfen. Weil er ohne Absender war und er wusste, welche Richtung das Schreiben nimmt. Eine Elisaveta Danyljuk, vorgeblich aus der Ukraine, wollte ihm und dem Verein „Bad Brückenau hilft“ ihre Hilfe für das im Krieg befindliche Land madig machen. Stumpe entschied sich um, machte den Brief publik.

Ausführliche Berichte über Hilfstransporte

„Tue Gutes und sprich darüber“ – dieses Motto beherzigen der Bad Brückenauer und seine Mitstreiter durchaus. Ausführlich informiert Stumpe über die bisher zwölf Hilfsfahrten und andere Aktionen von „Bad Brückenau hilft“ seit Kriegsbeginn am 24. Februar 2022. Der 13. Transport vom 18. bis 22. Januar ist angekündigt.

Stets sah der Bad Brückenauer auf seinen Reisen an die polnisch-ukrainische Grenze und ins ukrainische Landesinnere Not, erlebte Dankbarkeit Betroffenen für die Hilfsgüter. Deswegen versteht der 47-Jährige folgende in dem Brief geäußerte Sätze nicht: „… wird uns vielfach Ihre Hilfe aufgezwungen, die wir so gar nicht wollen.“ oder „Nicht alle (Deutschen – die Redaktion) haben ein Verständnis für Ihren Einsatz, Mitgefühl und Ihre Spendenfreudigkeit.“

Wer ist geheimnisvolle ukrainische Frau?

Nach eigenen Angaben will Elisaveta Danyljuk mit ihren beiden Kindern seit sechs Monaten in Deutschland und privat in Wildflecken untergebracht sein. Den Brief in gut formuliertem Deutsch will sie über ihre Sozialbetreuerin geschrieben haben.

Dirk Stumpe hat sich die Mühe gemacht, ihm bekannte Ukrainerinnen aus Wildflecken zu fragen: Niemand dort habe eine so heißende Landsfrau gekannt. Außerdem sei der Name recht untypisch geschrieben, wurde ihm gesagt.

Vielleicht kann die Gemeindeverwaltung Auskunft erteilen, ob Elisaveta Danyljuk in Wildflecken gemeldet ist? Nachforschungen dieser Redaktion scheitern an Bestimmungen des Datenschutzes.

Zweifelhafte Vorwürfe zum Ahrtal

Aus noch einem anderen Grund erscheinen die Aussagen des an Dirk Stumpe adressierten Briefes zweifelhaft. Diesem wird indirekt vorgeworfen, nichts für die Flutopfer im Ahrtal getan zu haben. Und es wird behauptet, dass man sich in wenigen Tagen „auf ein Treffen mit Frau Claudia Wawerzinek“, der Organisatorin der Ahrtal-Hilfe, freuen dürfe. Nur: Die weiß nichts davon.

„Bei mir hat nie jemand angerufen“, sagt Wawerzinek auf Nachfrage. Die Bad Brückenauerin vermutet, das die beiden Hilfsinitiativen gegeneinander ausgespielt werden sollen. Dabei betrachte man sich nicht als Konkurrenz. Den Brief wertet sie als „Hetzaktion“, nennt seine Aussagen „gemein und hinterhältig“.

Gemeinsame Fahrt ins Flutgebiet

Um Neidern den Wind aus den Segeln zu nehmen, schlägt sie vor, dass Stumpe oder ein anderer Vertreter von „Bad Brückenau hilft“ sie ins Ahrtal begleitet, wenn sie im Frühjahr das nächste Mal hinfährt. „Da tut man Gutes und bekommt dafür in den Hintern getreten“, sagt Wawerzinek abschließend.

Dirk Stumpe kann derweil nur spekulieren, wer wirklich hinter dem Brief der „Ukrainerin“ steckt: vielleicht Menschen, die allgemein die Gute Sache verdammen. Oder solche, die es mit Wladimir Putin halten. Oder welche, die Hilfe fürs Ahrtal wichtiger als die für die Ukraine halten. Vielleicht wollen sie auch Angst erzeugen nach dem Motto: Wir beobachten dich.

Nicht einschüchtern lassen

So oder so will sich der Bad Brückenauer, der auch für die PWG im Stadtrat sitzt, nicht einschüchtern lassen. Auch wenn es schon der dritte Brief dieser Art ohne Absenderadresse ist. Und auch Mitstreiter Christian Wirth aus Schondra schon solche Briefe erhalten hat. Stumpe hat das Schreiben im sozialen Netzwerk Facebook veröffentlicht.

Dort gibt der 47-Jährige eine starke Antwort. Mit dem Bad Brückenauer Verein habe man bisher in zwölf teilweise sehr emotionalen Einsätzen sehr vielen Menschen unter anderem mit Essen, Trinken, Decken Schlafsäckenoder auch Krankenhausbetten helfen dürfen.

Nicht einmal Ablehnung erlebt

„Kein einziges Mal hatten wir dabei das Gefühl, wir würden irgendjemandem unsere Hilfe aufzwingen. Ganz im Gegenteil – die Dankbarkeit und Liebe, die uns immer wieder entgegengebracht wird, ist ehrlich, genauso ehrlich wie die vielen tragischen Geschichten hinter den unzähligen Schicksalen.“

Auch zweifelt er an der ukrainischen Herkunft der Verfasserin und betont, dass sowohl er als auch Wawerzinek auf ihren jeweiligen Gebieten nur eines wollen: helfen. „ Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen: Es tut richtig gut, Gutes zu tun und deshalb mache ich weiter damit – mit Leidenschaft und Liebe – in der Ukraine, in der ich bisher ausschließlich tolle Menschen kennengelernt habe.“

Gebrauchtes Feuerwehrauto als Spende

Unterdessen hat ein Paar aus Motten „Bad Brückenau hilft“ ein gebrauchtes Feuerwehrauto für seinen 13. Hilfstransport in die Ukraine gesponsert. Einerseits will der Verein damit Hilfsgüter in das Kriegsland bringen. Andererseits  will er  das Fahrzeug der Feuerwehr von Kamjanez-Podilskyj spenden. Das dortige Krankenhaus haben die Bad Brückenauer schon mehrfach beliefert.

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