Die eigenständige Wasserversorgung der Stadt ist für viele Münnerstädter das höchste Gut. Auch wenn die Kommune wenig Geld hat, Wasser gibt es genug, was Münnerstadt von vielen anderen Städten und Gemeinden der Region unterscheidet. Und auch wenn die Entnahme aus zwei der drei vorhandenen Brunnen Bestandsschutz hat, so muss die Stadt verantwortungsbewusst mit der Wasserversorgung umgehen.
Eine winzige Schutzzone und eine ganz normale Straße, die unmittelbar an den Brunnen vorbei führt, wird nicht zuletzt von Fachbehörden als wenig verantwortungsbewusst angesehen. Deshalb hat die Stadt eine Grobschätzung möglicher Anpassungen der Wasserschutzzonen in Auftrag gegeben. Christian Breit von der Gesellschaft PeTerra stellte nun die Ergebnisse vor. Was wohl niemanden wirklich überrascht: Die bestehende Schutzzone ist viel zu klein.
Bürgermeister Michael Kastl spricht von hervorragendem Wasser
Es sei nicht so, dass Münnerstadt zu wenig Wasser habe, sagte Bürgermeister Michael Kastl bei der jüngsten Stadtratssitzung. „Wir haben hervorragendes Wasser und können uns glücklich schätzen.“ Es bestehe sogar die Möglichkeit, Burglauer mit zu versorgen, auch wenn es noch keine offizielle Anfrage von dort gab.
„Dreh- und Angelpunkt ist die Sicherung des Grundwasser, die Qualität ist gut“, betonte das Stadtoberhaupt. „Wir müssen unserer Verantwortung gerecht werden.“ Um einen Eindruck davon zu bekommen, was auf die Stadt zukäme, wenn das Trinkwasserschutzgebiet neu ausgewiesen wird, sei das PeTerra mit der Untersuchung beauftragt worden.
Seine Ergebnisse stützen sich in Teilen auf die Untersuchung des Instituts Dr. Nuss aus dem Jahr 2001, sagte Christian Breit, der auch die Besonderheiten des Münnerstädter Grabens vorstellte, aus dem sowohl Münnerstadt, als auch die Stadtwerke Bad Kissingen Wasser entnehmen. „Man ist sich einig, dass sich die Bad Kissingen und die Münnerstädter Brunnen das gleiche Einzugsgebiet teilen“, betonte er. Allerdings sind die Bad Kissinger Brunnen viel tiefer. Anhand einer Karte zeigte der Diplom-Geograph auf, wie winzig dass Münnerstädter Schutzgebiet gegenüber dem Bad Kissinger, Maßbacher und Rannunger ist.
Altstadt ist nicht drin
Detailliert ging Christian Breit auf seine Ergebnisse ein. Danach würde sich die Schutzzone III extrem vergrößern und dann in etwa dem Schutzgebiet der Stadtwerke Bad Kissingen entsprechen. Auch die engere Schutzzone II vergrößert sich. Was manche befürchtet haben, dass die gesamte Altstadt ins Wasserschutzgebiet fallen könnte, ist nicht eingetreten. Auch vom Treibhaus-Areal ist nur ein ganz kleiner Teil betroffen, von dieser Seite steht einer Wohnbebauung dort also nichts im Wege.
Stadtrat Leo Pfennig bezeichnete das Ergebnis aus Münnerstädter Sicht als sehr erfreulich. Er fragte nach, ob man jetzt nicht den ungenutzten Brunnen 3 aktivieren könnte, beispielsweise um Wasser zu exportieren.
Das sei bisher weggelassen worden, weil es mit vielen Auflagen verbunden wäre, sagt Andera Eick vom Büro Arz-Ingenieure dazu, die die Stadt Münnerstadt seit vielen Jahren bei der Wasserversorgung betreut. Wenn das Thema jetzt aber angefasst wird, könnte man den Brunnen 3 schon integrieren.
Klimawandel spielt bei neuen Berechnungen eine Rolle
Auf Nachfrage von Norbert Schreiner meinte der Bürgermeister, dass der Klimawandel bei den neuen Berechnungen eine Rolle spielen werde. Mit Verweis auf die Karte mit den möglichen Schutzzonen sagte er besonders mit Blick auf die Altstadt, dass es schlimmer hätte kommen können.
„Was wäre, wenn wir nichts machen würden?“, wollte Leo Pfennig wissen. Das würde die eigenen Entwicklungsmöglichkeiten hemmen, ist sich der Bürgermeister sicher. Und: „Wir sollten verantwortungsbewusst handeln“, meinte er. Bei Projekten, wie das Treibhaus-Areal oder eine mögliche Trinkwasserversorgung für Burglauer komme von den Behörden der Hinweis: „Macht erst einmal eure Hausaufgaben.“
Neuberechnung als vorauseilender Gehorsam?
Die Neuberechnung der Schutzzonen sei vorauseilender Gehorsam, findet Rosina Eckert. Man könne doch auch abwerten, bis ein Hinweis vom Wasserwirtschaftsamt komme. Bereits im Jahr 2020 habe die Stadt einen Hinweis bekommen, dass sie diesbezüglich ihre Hausaufgaben machen soll, sagte der geschäftsleitende Beamte, Stefan Bierdimpfl dazu.
Was jetzt noch fehlt, ist eine Altersbestimmung des Wassers in den Brunnen. Es soll ausgeschlossen werden, dass sich junges Wasser mit älterem vermischt, wodurch leichter Schadstoffe eingebracht werden könnten. Aber davon wird nicht ausgegangen. Für das weitere Verfahren zur Neuberechnung der Schutzzonen sollen die Stadtwerke Bad Kissingen mit ins Boot geholt werden.
Neu in das Trinkwasserschutzgebiet würden einige Gärten südlich des Treibhaus-Areals kommen. Aber da gebe es auch schon jetzt strenge Auflagen, an den sich allerdings nicht alle Gartenbesitzer halten, sagte Michael Kastl gegenüber dieser Zeitung.
Schwimmbadweg wird ausgebaut
Der Schwimmbadweg, der unmittelbar an den Quellen vorbeiführt, wird künftig so ausgebaut, dass eine Karlsberganbindung hinfällig wird. Dieses Jahr ist der Abschnitt zwischen Karlsbergstraße und Ortsausgang an der Reihe. Schwimmbadweg und Talweg im Schutzgebiet werden danach nach den „Richtlinien für bautechnische Maßnahmen an Straßen in Wasserschutzgebieten“ (RiStWag) ausgebaut, so dass selbst bei einem Unfall keine Schadstoffe eindringen können. Eine Förderung bekommt die Stadt nicht. Dafür hätte auch in den letzten Jahren Geld in die Wasserversorgung gesteckt werden müssen. Das sei aber nicht geschehen, so der Bürgermeister.
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