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Neue Heimat
Asyl in Geroda: Flüchtlinge in der Zwickenmühle
Die Zwickenmühle 5 am Nordrand von Geroda soll demnächst zur Unterkunft für bis zu 35 Flüchtlinge werden.
Die Zwickenmühle 5 am Nordrand von Geroda soll demnächst zur Unterkunft für bis zu 35 Flüchtlinge werden. // Steffen Standke
Geroda – Bis zu 35 Menschen noch unbekannter Nationalität sollen in einem ehemaligen Wohnpflegeheim unterkommen. Doch wer wird sich um sie kümmern?

Die Nachricht erwischte viele in Geroda kalt: Unter „Sonstiges“ verkündete Bürgermeister Alexander Schneider (UWG) im Gemeinderat vom 23. August, dass Flüchtlinge im Ort unterkommen sollen. Schon im September sollen sie in die Zwickenmühle 5 am nördlichen Ortsrand einziehen. Doch ist dieser Standort überhaupt geeignet?

Viel substanzielle Information konnte Schneider seinen Räten nicht geben. Zu Zahl und Nationalität der Unterzubringenden könne er keine gesicherten Angaben machen, heißt es im Sitzungsprotokoll. Voraussichtlich handele es sich um afghanische Flüchtlinge. Die Belegung solle je zur Hälfte mit Familien und mit Männern erfolgen.

Gemeinde besitzt kein Eingriffsrecht

Es werde sich herausstellen, wie mit der Situation umzugehen sei, so der Bürgermeister. Für Unterstützung und Mithilfe seien der Markt Geroda und das Landratsamt Bad Kissingen dankbar. Letzteres sei auch Ansprechpartner bei Fragen und Hinweisen.

Eine Woche später ist Alexander Schneider nicht schlauer. Ein Privateigentümer stelle das leerstehende Gebäude zur Verfügung. „Wir sind nur über die Belegung informiert worden. Die Gemeinde hat kein Eingriffsrecht.“

Ehemaliges Wohnpflegeheim

Die Zwickenmühle 5 ist ein ehemaliges Wohnpflegeheim der Mützel & Voll GmbH & Co. KG mit Sitz in Burkardroth. Betrieben wurde es laut Firmen-Mitinhaber Klaus Voll bis 30. September 2022. Er bestätigt, dass das Anwesen verkauft ist, seine Gesellschaft nichts mehr damit zu tun hat. Wer der aktuelle Eigentümer ist, sagen weder er noch Schneider offiziell.

In ihren verbleibenden „beschützenden Einrichtungen“ in Standorten in Waldfenster und Oehrberg betreut die Gesellschaft nach eigenen Angaben „geistig behinderte und psychisch langzeiterkrankte, pflegebedürftige Menschen mit Verhaltensauffälligkeiten“.

Landratsamt bemüht sich um ausgeglichene Belegung

Für die Zuweisung von Asylsuchenden aus dem Ankerzentrum in Geldersheim (Landkreis Schweinfurt) in die Landkreise ist die Regierung von Unterfranken zuständig. Da es sich bei der Zwickenmühle um eine „dezentrale Unterkunft“ handele, verweist man dort auf das Landratsamt in Bad Kissingen.

Dessen Pressesprecherin Nathalie Nachmann teilt mit: „Das Landratsamt hat grundsätzlich keinen Einfluss darauf, welche Nationalität die zugewiesenen Personen haben und ob es sich um alleinstehende Personen oder Familien handelt.“ Gleichwohl sei man bemüht, in den Unterkünften eine ausgeglichene Belegung zu schaffen, die möglichst wenig Konfliktpotenzial biete.

Aufnahmekapazität von bis zu 50 Bewohnern

Die künftige Asylunterkunft besitzt laut Landratsamt eine Aufnahmekapazität von bis zu 50 Personen. „Tatsächlich sollen jedoch höchstens bis zu 35 erwachsene Personen dort untergebracht werden, damit für jeden Asylsuchenden ein gewisses Maß an Privatsphäre und eine Rückzugsmöglichkeit sichergestellt werden können.“

Kein größerer Umbau nötig

Für die Nutzung des Objektes als dezentrale Unterkunft waren und sind dem Landratsamt zufolge keine größeren Umbaumaßnahmen erforderlich. Im Übrigen habe die Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr bereits im Jahre 2015 bezüglich bauordnungs- und bauplanungsrechtlicher Belange Sonderregelungen für Asylunterkünfte erlassen.

Denen genügt das Anwesen offenkundig. Aber wer übernimmt die soziale Betreuung seiner Bewohner?

Betreuung durch Vermieter und Caritas

„Der Vermieter beziehungsweise eine durch den Vermieter zu benennende Person steht den Bewohnern als erster Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung“, antwortet das Landratsamt auf diese Frage. Darüber hinaus seien auch die zuständigen Mitarbeiter des Landratsamtes in regelmäßigen Abständen in dezentralen Unterkünften vor Ort.

Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund stelle eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar, führt die Behörde weiter aus. Dabei komme es insbesondere auf ein gutes Zusammenwirken sämtlicher beteiligter Akteure an – seien sie hauptberuflich oder ehrenamtlich.

Hilfe zur Selbsthilfe für Flüchtlinge

Von staatlicher Seite weise man auf die Flüchtlings- und Integrationsberatung sowie auf die durch den Freistaat Bayern zur Verfügung gestellten Integrationslotsen hin. Beide Aufgaben würden im Landkreis durch den Caritasverband Bad Kissingen wahrgenommen.

Im Zentrum der Arbeit des Caritasverbandes stehe die Hilfe zur Selbsthilfe. „Die Mitarbeitenden beraten, begleiten und unterstützen die Geflüchteten in allen Lebenslagen, unter anderem auch bei Fragen rund ums Asylverfahren.“ Der Caritasverband vermittele darüber hinaus Ansprechpartner zu spezifischen Themen und stelle Kontakte her.

Bürgermeister weist auf Abgelegenheit der Zwickenmühle hin

In einem Gespräch mit dem zukünftigen Vermieter und einem Vertreter des Landratsamtes hat Bürgermeister Schneider laut Protokoll Bedenken wegen der Abgelegenheit des Zwickenmühlen-Objektes geäußert. Von der Ortsmitte bis dorthin sind es 1,5 Kilometer. 

„Für die Grundversorgung reicht unser Lädchen im Ort“, sagt er der Redaktion. Die Busanbindung Gerodas sei nicht schlecht, der Weg zur Haltestelle aber weit. Einen Kindergarten gebe es; der sei aber gut ausgelastet. „Wir schauen, was kommt“, so der Bürgermeister.

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