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Long Covid
Ex-Bürgermeister Jochen Vogel muss auch im Kreistag passen
Jochen Vogel aus Motten gibt Mandat für Kreistag zurück
Bad Brückenaus Ex-Bürgermeister Jochen Vogel gibt auch sein Mandat für den Kreistag in Bad Kissingen zurück. Seine Long-Covid-Erkrankung lässt eine nachhaltige und verlässliche Arbeit dort nicht zu. // Steffen Standke
Motten – Bad Brückenaus Ex-Bürgermeister wollte nach seinem Rückzug von der Stadtspitze zumindest weiter Kreispolitik machen. Doch seine Erkrankung macht auch das zunichte.

Es reicht noch immer nicht. Nicht für die Arbeit im Kreistag. Das muss sich Bad Brückenaus an Long Covid erkrankter Ex-Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) eingestehen. Mit Ablauf des Monats Mai gibt der 51-Jährige sein Mandat zurück. Wer folgt ihm nach? Und was hat es mit der Firma auf sich, die Vogel angeblich gegründet hat?

Eigentlich wollte der Mottener sein bis 2026 gültiges Mandat im Bad Kissinger Kreistag nach seinem Ausscheiden als Bürgermeister weiter wahrnehmen – um nicht die ganze Zeit daheim zu hocken, Abwechslung zu haben, ein Stück weit in der Politik zu bleiben. Aber er merkt „leider nicht die Fortschritte bei mir“, die das zulassen würden.

Stabilität für Arbeit im Kreistag fehlt

Weiterhin gebe es gute und schlechte Tage, so Jochen Vogel. Das Problem: Er könne nie am Tag vorher sagen, wie es ihm am Tag drauf gehe. Das wisse er immer nur sehr kurzfristig. Und so könne er nicht die Verbindlichkeit und Verlässlichkeit bieten, die es für den Kreistag – und vor allem für die mitunter langen Sitzungen – braucht.

Für den 51-Jährigen bedeutet seine seit 2022 bestehende Long-Covid-Erkrankung nicht nur anhaltende körperliche, sondern auch geistige Erschöpfung. Er kann sich selten lange konzentrieren, wird schnell müde – wenn er es nicht schon von vornherein ist. Deswegen muss er viel Geduld mit sich selbst aufbringen, auch kleine Schritte als Erfolg werten, sich nicht zu viel zumuten. Auch noch zwei Jahre, nachdem seine Krankheit ausgebrochen war.

Vermehrt Nachfragen nach Rückkehr

In jüngster Zeit kamen laut Vogel „einzelne Zurufe aus der Fraktion“ wann er endlich wieder in den Kreistag zurückkehre, verstärkt an der Arbeit dort und den Sitzungen teilnehme. Die Nachfragen seien meist moderat im Ton, manchmal auch fordernd.

Reizen würde den Mottener eine Rückkehr auf die Kreisbühne schon. Aber er kann eben nichts garantieren. „Ich spüre, dass die Grenzen an mäßigen Tagen deutlich mehr sind, als mir das lieb ist.“

Anstrengende Erfahrung bei Bad Kissinger Rehaforum

Nun ist Jochen Vogel ein Typ, der eine Sache ganz macht – oder gar nicht. Der 51-Jährige möchte sich in die Themen einarbeiten, sie verstehen, Dinge hinterfragen. Er möchte nicht einfach nur bei Abstimmungen die Hand heben, obwohl er nicht wirklich weiß, worum es geht.

Wie anstrengend Sitzungen für ihn sind, hat Vogel kürzlich erlebt. Am 8. Mai besuchte er das Bad Kissinger Rehaforum. Das ging von 9 bis 13 Uhr, mit einer bestimmt 20-minütigen Kaffeepause zwischendrin. Keine Herausforderung für einen Gesunden. „Ich war dann aber froh, als es fertig war“, so der 51-Jährige.

Laura Reiter würde im Kreistag nachrücken

All das einbezogen, sagt Bad Brückenaus Ex-Bürgermeister zum Kreistags-Engagement: „Ich guck' nach mir und mach' auch da einen Cut.“ Laut Wahlliste folgt dem Mottener Laura Reiter für die Christsozialen in den Kreistag nach. Das bestätigt das Landratsamt in Bad Kissingen auf Nachfrage.

Allerdings müsse Reiter ihre Wahl auch annehmen. „Das Verfahren wird zeitnah in die Wege geleitet“, so die Kreisbehörde. Dem Landratsamt zufolge stellt der Kreistag die Niederlegung des Amtes eines oder mehrerer seiner Mitglieder fest. Das Gremium entscheide auch über das Nachrücken des Listennachfolgers beziehungsweise der Listennachfolgerin. „Die nächste Sitzung des Kreistages findet am 15. Juli 2024 statt.“ Sollte Reiter ablehnen, wäre Dorothea Deeg aus Bad Kissingen die nächste auf der Liste.

Heimkehr in den CSU-Ortsverband Motten

Für Jochen Vogel ergibt sich eine weitere kommunalpolitische Veränderung. Er verlässt den Bad Brückenauer Ortsverband der CSU, um sich wieder seinem Heimatverband in Motten anzuschließen. „Ich sehe das auch nicht als Rückschritt, sondern als konsequent für mich, aus gesundheitlichen Gründen. Das Leben geht selten geradeaus. Da habe ich in den vergangenen zwei Jahren feststellen können.“

Manche Menschen in Bad Brückenau wähnten Jochen Vogel nach dem Ausscheiden aus dem Bürgermeister-Amt schon im Aufbruch zu neuen Horizonten. Gerüchte gingen im Februar, er habe eine Firma gegründet. Zuletzt hieß es, er mache sich mit Vorträgen über seine Erkrankung selbstständig.

Spaßig gemeinter Eintrag auf LinkedIn

Die Mutmaßungen fußen sicherlich auf einem Eintrag Vogels auf LinkedIn, einem sozialen Netzwerk zur Pflege von Geschäftsverbindungen und zum Knüpfen neuer geschäftlicher Kontakte. „Jochen Vogel - Projektmanager für das Projekt Jochen Vogel“ ist dort zu lesen.

Diese Zeile habe er mit einem Augenzwinkern geschrieben, sagt ihr Autor dieser Redaktion. Sie bedeuteten lediglich, dass er sich momentan vor allem um sich selbst kümmere. „Ich habe kein Gewerbe angemeldet, bin nicht selbstständig und auch nirgendwo angestellt. Ich bin im Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit.“

Er habe genau einen Vortrag gehalten – als von Long-Covid Betroffener beim Rehaforum in Bad Kissingen am 8. Mai. Gleichwohl würde er sich freuen, wieder einer geregelten Aufgabe nachgehen zu können, aber: „Ich spüre, dass ich noch nicht so weit bin.“

Vogel: „Richtige Menge im richtigen Tempo finden“

Derzeit schaue er schwerpunktmäßig nach dem eigenen Haus, fahre E-Bike, unternehme kleine Wanderungen und Motorradtouren. An guten Tagen funktioniere das besser, an schlechten nicht so gut. Bei allen Aktivitäten passe er auf, „immer die richtige Menge im richtigen Tempo zu finden; aber das Tempo ist sehr gemächlich.“

Immerhin: Die Formdellen empfindet Vogel nicht mehr so tief wie früher. „Ich hänge nicht mehr so durch wie noch vor einem halben Jahr.“ Dennoch will der 51-Jährige „nicht übermütig werden“. 

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