Nur der Bürgermeister ist gesetzt. Weil Jan Marberg (SPD) am 12. Mai 2024 außerhalb des Turnus für acht Jahre zum Stadtoberhaupt gewählt wurde, muss er sich am 8. März 2026 nicht erneut dem Wählervotum stellen. Das sieht beim Stadtrat anders aus. 20 Plätze sind neu zu vergeben. Deswegen haben die Parteien und Wählervereinigungen Kandidatinnen und Kandidaten gesucht, gefunden und aufgestellt. Sechs Wahllisten sind es geworden. Ein Überblick darüber und erste Auffälligkeiten, geordnet nach Fraktionsstärke im Bad Brückenauer Stadtrat.
Die CSU und die Erfahrenen
Die Bad Brückenauer Christsozialen setzt auf ihrer 15 Namen umfassenden Stadtratsliste auf Erfahrung: Von acht im aktuellen Stadtrat vertretenen CSUlern treten sieben wieder an. Lediglich Tom Kötzner scheidet 2026 nach einer Wahlperiode aus. Ansonsten sieht Ortsverbandsvorsitzende Heike Kötzner „eine starke, engagierte Truppe für Bad Brückenau aufgestellt – von Jung bis Alt und aus allen gesellschaftlichen Bereichen“, wie die Volkerserin bei der Nominierungsversammlung Mitte November sagte. Die Kandidatinnen und Kandidaten eine der Wille, „Verantwortung zu übernehmen und unsere Stadt weiter voranzubringen“. Gegenüber dieser Redaktion betont sie den hohen Frauenanteil und dass diesmal keine „Lückenfüller“ auf der Liste stehen.
Die PWG und der Neuanfang
Die Parteilose Wählergruppe schien nach dem Austritt ihres Zugpferdes Dirk Stumpe (parteilos) und von Heike Greenberg-Kremser (Wechsel zur CSU) in der Krise zu stecken. Zumal Urgestein und Stellvertretender Bürgermeister Jürgen Pfister frühzeitig verkündete, nicht mehr anzutreten. Jetzt zeigt die 16-köpfige Nominiertenliste: Neben den gesetzten vier verbliebenen PWG-Stadträten haben sich einige, auch jüngere Kandidaten gefunden, darunter eine Bulgarin, die seit fünf Jahren in Deutschland lebt und den deutschen Pass besitzt, so PWG-Sprecher Claudio Kleinhans. Aufhorchen lassen die Namen von Klimamanagerin Alisa Knüttel und Architekt Stefan Richter, die bauliche Kompetenz mitbringen.
Bei Knüttel könnte der Einwand bestehen, dass sie als städtische Angestellte nicht offiziell antreten darf. Allerdings beendet sie zum Jahresende 2025 ihre Tätigkeit, ist also für die Wahl am 8. März 2026 frei (wir berichteten). Bei Andreas Kretz liegt der Fall noch anders. Er arbeitet zwar für den städtischen Bauhof. Das Wahlgesetz besagt aber, dass Mitarbeiter einer Kommune zugelassen sind, wenn ihre Tätigkeit überwiegend körperlicher Natur ist.
Für eine Überraschung sorgt Adelheid Zimmermann. Als Einzelkämpferin für Freie Bürger/FDP im aktuellen Stadtrat hatte sie nach eigenem Bekunden versucht, eine eigenständige FB/FDP-Liste aufzustellen – was mangels Kandidaten scheiterte. Also nahm die 76-Jährige das PWG-Angebot an, auf deren Liste anzutreten.
Die SPD und die Parität
Die Sozialdemokraten machen ihre Liste mit 20 Kandidaten für den Stadtrat voll – darunter dessen drei aktuelle Mitglieder. Bis Listenplatz 14 wechseln sich Männer und Frauen ab (eigentlich eine Domäne der Grünen); dann füllen Männer die Liste auf. Erstmals dabei ist Gymnasiast und Bezirksschülersprecher Maximilian Kramlich. Ex-Stadtrat Benjamin Wildenauer (2014 bis 2020) wagt eine erneute Kandidatur. Auch interessant ist die Kandidatur von Peter Sperl. Der Mitorganisator des Deggicher-1000er-Laufes war 2020 noch für die PWG angetreten, verfehlte aber ein Stadtratsmandat. Ansonsten glaubt Ortsvereinsvorsitzender Ralf Keßler, eine gute Mischung aus Jung und Alt und beruflicher Vielfalt gefunden zu haben.
Die Grünen und die jungen Männer
Nicht ganz mit der Parität geklappt hat es bei den Grünen. Auf der Liste findet sich neben sechs Männern nur eine Frau (und eine Ersatzkandidatin). Weswegen die Verantwortlichen in Facebook bedauern, dass die Parität nicht zustande kam: „Leider wollten zu wenig Frauen kandidieren.“ Die beiden aktuellen Grünen-Stadträte treten wieder an, dazu Regionalmarkt-Organisator Mark Decker. Sprecherin Eva Reichert-Nelkenstock freut sich, drei junge Männer für die Liste gewonnen zu haben, die sich aktiv, auch in der neu etablierten Ortsgruppe, einbringen wollen“.
Volinare und die „unbeschriebenen Blätter“
Dass Dirk Stumpe nach seinem Austritt aus der PWG-Fraktion seinen Platz im Bad Brückenauer Stadtrat über 2026 hinaus behaupten will, daran ließ er nie einen Zweifel. Unklarer war, ob er für seine neue Vereinigung „Volinare“ genügend Mitstreiter und Listenkandidaten finden würde. Acht sind es (inklusive Stumpe) geworden. „Wir haben niemanden auf der Liste, der vorher auf einer Stadtratsliste war“, sagt der Gründer. Wobei auffällt, dass fast die Hälfte der Kandidaten Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion hat – eine Wählergruppe, die von den etablierten Parteien in der Kurstadt bisher eher wenig abgeholt wurde. Absicht sei diese Häufung nicht gewesen, so Stumpe. Von ursprünglich 17 Interessenten seien eben diese acht Kandidaten übriggeblieben. Mit Michael „Minz“ Berger hat sich ein durch sein Engagement beim Bayerischen Roten Kreuz und dem Rettungsdienst bekannter und beliebter Bad Brückenauer für „Volinare“ aufstellen lassen. An ihm waren früher einige Parteien und Wählergruppen dran. Er lehnte stets ab.
Die AfD und der erste Versuch
Es war wohl die meistgestellte Frage unter politisch Interessierten in Bad Brückenau: Wird die AfD erstmal in ihrer Geschichte Stadtrats-Kandidaten für die Kommunalwahl 2026 stellen oder nicht. Entfielen doch bei der Bundestagswahl am 23. Februar dieses Jahres 27,4 Prozent der Zweitstimmen auf die in Teilen rechtsextreme Partei – mehr als die „Blauen“ im Bundesdurchschnitt erreichten. Die Antwort: Die AfD hat es getan. Vier Männer und eine Frau stellen sich zur Wahl – Menschen, die in der Brückenauer Stadtgesellschaft bisher nicht besonders aufgefallen sind.
Neue Machtverhältnisse im Stadtrat?
Ein möglicher erstmaliger Einzug der AfD und von Volinare in den Stadtrat könnte zu einer weiteren Zersplitterung des Gremiums beitragen. Derzeit sitzen dort als große Fraktionen die CSU (acht Sitze) und die PWG (fünf Sitze). Es folgen die SPD (drei) und die Grünen (zwei), plus die Einzelkämpferin Adelheid Zimmermann (FB/FDP) und Dirk Stumpe (parteilos).
Sollten alle bisherigen Parteien und Vereinigungen wieder in den Stadtrat einziehen – plus AfD, plus Volinare – säßen dort sechs verschiedene Lager zusammen. Eine absolute Mehrheitsbildung gerade bei den Bad Brückenauer Reizthemen könnte schwieriger werden. Allerdings besteht derzeit auch oft fraktionsübergreifendes Abstimmverhalten.
So geht es mit den Wahllisten weiter
Nach Auskunft des städtischen Bürgerbüros müssen die Wahlvorschläge der einzelnen Parteien und Gruppierungen bis 8. Januar 2026, 18 Uhr in der Stadtverwaltung vorliegen. Am 9. Januar werden diese offiziell ausgehängt.
Das Landratsamt in Bad Kissingen ergänzt auf Nachfrage, dass keine Mindestanzahl an Bewerberinnen und Bewerbern auf einer Liste für die Gemeinde- oder Stadtratswahl vorgeschrieben ist. „Vorgabe ist lediglich, dass der Bewerber von einer Wählergruppe/Partei aufgestellt werden muss. Das bedeutet: Auch wenn eine Wählergruppe/Partei nur einen Bewerber aufstellt, kann der Wahlvorschlag zugelassen werden, wenn die sonstigen Erfordernisse erfüllt sind.“
Bis zu drei Stimmen für Bewerber möglich
Was laut Landratsamt aber möglich ist: Der Bewerber kann mehrfach – also zwei- oder dreifach – auf dem Stimmzettel aufgeführt werden. „Generell können Stimmen kumuliert werden, das heißt, dass der Wähler einem Bewerber bis zu drei Stimmen geben kann. Würde eine Liste nur einen Namen enthalten, der dreimal aufgeführt ist, würde dieser Bewerber bei einem Listenkreuz automatisch drei Stimmen erhalten.“ Jeder Wahlberechtigte hat insgesamt 20 Stimmen, die er auf die Kandidaten verteilen kann.











