Die Diskussion gibt es bereits seit mindestens 20 Jahren: Was passiert mit den beiden Kläranlagen in Sulzthal und Euerdorf? Für beide fordert das Wasserwirtschaftsamt Verbesserungen. An die Gemeinschaftskläranlage in Sulzthal sind zudem Ramsthal und der Euerdorfer Gemeindeteil Wirmsthal angeschlossen.
Auch deshalb hat sich der Euerdorfer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit dem Thema beschäftigt. Die Frage war: Können die Abwässer der höher liegenden Orte durch Euerdorf geleitet werden? Die klare Antwort des Gemeinderates: Nein.
Aus dem Gedanken heraus, Wirmsthal an die Kläranlage in Euerdorf anzuschließen, habe sich die Idee entwickelt, die Abwässer der kompletten Gemeinschaftskläranlage Sulzthal/Ramsthal/ Wirmsthal der Euerdorfer Anlage zuzuführen, hieß es in der Sitzung.
Robert Rapp vom Tiefbautechnischen Büro Köhl und Hugo Barthel vom Ingenieurbüro Pro Terra legten dar, wie der Anschluss über das bestehende Euerdorfer Kanalnetz in der Schweinfurter Straße erfolgen könnte. Dazu sei eine rund 1250 Meter lange Kanalleitung bis zum Übergabepunkt in Höhe des geplanten Kreisverkehrs nötig. Diese Variante mit einer neuen Großkläranlage in Euerdorf sei finanziell die günstigste, sagten sie.
Teilweise Überlastung des Kanals
Die maximal 35 Liter pro Sekunde zusätzlich würden zwar einen teilweise Überstau von 200 Prozent im Kanal bewirken, aber es seien in diesem Bereich keine Keller angeschlossen, betonten die Ingenieure. Rapp und Barthel stellten auch den möglichen Standort einer neuen Kläranlage vor.
Sie schlugen eine Anlage unterhalb des Wendehammers am Siebenäcker vor, also einige hundert Meter nordwestlich der jetzigen Kläranlage. Laut Bürgermeister Bergel müsse noch abgewartet werden, ob das Wasserwirtschaftsamt diesen Standort genehmigt.
Rapp empfahl zusätzlich eine Sanierung der Schächte im Bereich Marktplatz. Dort sollte eine dichte Abdeckung angebracht werden. Michael Röder wies auf das Alter des Kanals und auf mögliche Geruchsbelästigungen hin. Beim Hochwasser 2003 sei es um jeden Zentimeter gegangen. Neben den technischen Details seien die Finanzen wichtig.
„Gibt es einen Abwasserzweckverband oder wer ist dann federführend?“, wollte er wissen. Christian Baumann hielt es für nicht sinnvoll, einen schon belasteten Kanal, der sich zudem nicht mehr im besten Zustand befinde, noch mehr zu belasten. Michael Fell verwies auf die Studie von 2010, nach der genau diese Variante als nicht durchführbar eingestuft worden sei. „Wieso sollte das nach 13 Jahren jetzt möglich sein?“, fragte er.
Versiegelte Flächen und Mischsystem
Auch Elmar Hofmann sprach die Hochwasserproblematik an: „Wenn die Saale Hochwasser führt, läuft der Sulzbach dagegen an und das Problem potenziert sich.“ Noch dazu seien bei den Oberliegern versiegelte Flächen dazu gekommen. Bergel verwies darauf, dass die Gemeinden Ramsthal und Sulzthal im Gegensatz zu Euerdorf Mischsysteme haben.
Außerdem sah Hofmann Probleme darin, den Euerdorfer Bürgerinnen und Bürgern die entstehenden Mehrkosten zu erklären. „Ich tue mir leichter damit, den Bürgern die Kosten für eine gemeinsame Kläranlage zu erklären, an der drei Gemeinden finanziell beteiligt sind“, antwortete Bürgermeister Bergel.
Der springende Punkt sei: „Schafft es der Kanal und wollen wir ihn damit belasten, und bekommen wir Probleme mit Hochwasser?“ Der Rat stimmte am Ende geschlossen gegen die Durchleitung im Kanal in der Schweinfurter Straße.
Keine Lösung in Sicht
„Wir haben nicht gegen eine gemeinsame Kläranlage gestimmt“, ordnet Bürgermeister Bergel nach der Sitzung auf Nachfrage den Beschluss ein. Die Gemeinde Euerdorf hatte bereits mehrere Varianten abgelehnt: Die Schweinfurter Straße soll auf keinen Fall aufgegraben werden, eine Druckleitung im Bach schloss der Gemeinderat ebenso aus wie eine Druckleitung westlich des Ortes durch das Wasserschutzgebiet.
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch eine Lösung gibt“, sagt Bergel deshalb. Im Gegensatz zu allen Abwässern kann sich der Bürgermeister allerdings durchaus vorstellen, dass die Euerdorfer der Einleitung der Abwässer aus dem Gemeindeteil Wirmsthal zustimmen.
Das seien nur rund vier Liter in der Sekunde. Er gehe aktuell von getrennten Anlagen aus: eine für Sulzthal und Ramsthal am bisherigen Standort sowie eine für Wirmsthal und Euerdorf im Gebiet Siebenäcker.
„Wir müssen das jetzt analysieren“, kommentiert der Sulzthaler Bürgermeister und VG-Vorsitzende August Weingart den Euerdorfer Beschluss. Er bedauere die Ablehnung, weil eine gemeinsame Kläranlage für alle vier Orte sicher auf Dauer die günstigste Variante wäre, wegen der Baukosten, des Unterhalts und der fachlichen Begleitung.
Aktuell gebe es für die Gemeinschaftskläranlage auf Sulzthaler Gemeindegebiet immer nur eine jährliche Verlängerung der Betriebserlaubnis mit Auflagen des Wasserwirtschaftsamtes. Der Kläranlagenausschuss aller drei Kommunen müsse nun neu beraten.
Zudem müsse die Klärschlammentsorgung durch den Abwasserzweckverband Thulba-Saale vorbereitet werden. Unklar sei auch, ob und wie sich die regelmäßige Entnahme von Klärschlamm auf die Genehmigung der Kläranlage und die geforderte Erweiterung auswirke.
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