Seit Montag, 28. Juli, steht fest: Der Landkreis Bad Kissingen braucht ab März 2026 einen neuen Landrat – oder erstmals eine Landrätin. Der 64-jährige Amtsinhaber Thomas Bold hat angekündigt, nach dann 24 Jahren als Landrat nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Seit 1948 befindet sich der Landkreis durchgängig in CSU-Hand: Bolds Vorgänger waren Herbert Neder (1990 bis 2002), Marko Dyga (1978 bis 1990), Magnus Herrmann (1969 bis 1978) und Engelbert Hofmann (1948 bis 1969).
Kein Druck für die Partei
Naheliegend also, dass die Kandidatin oder der Kandidat der CSU gute Chancen haben dürfte, ins Amt gewählt zu werden. Nur: Wen nominieren die Christsozialen? Der Kreisvorsitzende Sandro Kirchner sieht seine Partei nicht unter Druck. „Ich denke, wir haben alle gehofft, dass Thomas Bold weitermacht. Insofern kam die Entscheidung ein Stück weit überraschend. Zunächst einmal sind wir unendlich dankbar für Zeit als Landrat und die damit verbundenen Erfolge“, so Kirchner.
Gleichwohl wolle man die Information nun zunächst sacken lassen. „Wir müssen das für uns einordnen und lassen uns dabei auch nicht unter Druck setzen. Erste Überlegungen wird es im August geben, bis spätestens Ende September wollen wir den Mitgliedern einen Vorschlag unterbreiten“, erklärt er das weitere Vorgehen.
Martin Wende aus Hammelburg
Ein Name, der immer wieder gehandelt wird, ist Martin Wende. Der 36-Jährige ist Fraktionssprecher der CSU im Kreistag und Fraktionsvorsitzender der Partei im Bezirkstag. Wendes Großvater Marko Dyga war zwölf Jahre Landrat von Bad Kissingen. Auf Anfrage dieser Redaktion sagt Wende: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Kandidaten haben, die für das Amt infrage kommen. Was meine Person angeht, möchte ich das aber nicht kommentieren.“
Er wolle die Information, dass Bold aus dem Amt ausscheiden wird, zunächst einmal in Ruhe auf sich wirken lassen. Es liege nun bei der Partei beziehungsweise beim Kreisvorsitzenden Sandro Kirchner, entsprechende Gespräche zur Nachfolge zu führen.
Mario Götz: Bürgermeister von Oberthulba
Ein möglicher Kandidat könnte nach Informationen dieser Redaktion auch Mario Götz sein, wie Wende Mitglied der CSU-Kreistagsfraktion. Der Bürgermeister von Oberthulba hat sich bisher nicht final dazu geäußert, ob er für eine weitere Amtsperiode in seiner aktuellen Funktion zur Verfügung stehen würde, seine Bereitschaft dazu allerdings klar signalisiert. „Über andere Dinge habe ich mir absolut keine Gedanken gemacht bisher“, so der 45-Jährige nun mit Blick auf eine mögliche Landrats-Kandidatur.
Die Nachricht, dass Thomas Bold nicht mehr antreten wird, kam für ihn überraschend, so Götz. „Zunächst einmal muss ich Respekt zollen für die Entscheidung und natürlich das Wirken Herrn Bolds an sich. Alles andere muss sich jetzt erstmal setzen. Dass mein Name vielleicht kursiert, ehrt mich. Aber ich kann sagen, dass ich sehr glücklich als Bürgermeister von Oberthulba bin und auch gerne für eine weitere Periode zur Verfügung stehen würde.“ Eine finale Aussage dazu könne er aber erst nach der Nominierungsversammlung treffen.
Oerlenbachs Bürgermeister Nico Rogge
Eine eher überraschende Lösung als Kandidat für Bolds Nachfolge wäre Nico Rogge, aktuell Bürgermeister von Oerlenbach. Auch sein Name kursiert in Parteikreisen, wie diese Redaktion erfahren hat. Auf eine entsprechende Anfrage reagierte der 38-Jährige sichtlich überrascht: „Zunächst einmal bedauere ich persönlich es sehr, dass Thomas Bold nicht mehr antreten wird. Dass meine Person gehandelt wird, ist für mich neu und überraschend.“
Rogge hat noch keine endgültige Entscheidung getroffen, ob er noch einmal für das Bürgermeister-Amt in seiner Heimatgemeinde kandidieren möchte. „Ich habe eine junge Familie, die mir natürlich extrem wichtig ist. Deshalb kann ich mich nicht ausschließlich auf die Rolle als Bürgermeister konzentrieren. Ich fühle mich grundsätzlich aber wohl in einem kommunalpolitischen Amt und bekleide ein solches auch gerne.“
Innenstaatssekretär Sandro Kirchner
Grundsätzlich gibt es zahlreiche weitere mögliche Kandidaten oder auch Kandidatinnen. Die CSU-Kreistagsfraktion ist mit 25 Mitgliedern die mit Abstand stärkste, auch viele der 26 Bürgermeister beziehungsweise Bürgermeisterinnen im Landkreis gehören der Partei an. Zu Gerüchten möchte sich Sandro Kirchner nicht äußern: „Das wäre müßig, weil schlicht noch keine Namen konkret zur Diskussion stehen“, so der Premicher. Entsprechend möchte der bayerische Staatssekretär auch mögliche eigene Ambitionen auf den Landrats-Posten nicht kommentieren. „Wer, was, wie und wo, das wird sich alles zeigen.“
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