Die Stadt Münnerstadt geht neue Wege. Bei der Planung eines neuen modernen Wohngebietes auf dem sogenannten Bötz-Areal werden die Münnerstädter voll mit eingebunden. Deshalb soll es dazu einen zweistufigen Wettbewerb geben.
Nachdem die Bürger ihre Ideen entwickelt haben, wird nun ein Büro beauftragt, ein städtebauliches Rahmenkonzept zu entwickeln. Anders als sonst üblich geht das Projekt dann noch einmal in die Bürgerbeteiligung, bevor die endgültigen Pläne erarbeitet werden.
Bötz-Areal: Noch keine Angebote
So sei es mit den zuständigen Behörden abgestimmt worden, sagte Bürgermeister Michael Kastl (CSU) in der Jahresabschluss-Sitzung des Stadtrats. Weil die Zeit nicht gereicht hatte, entsprechende Angebote einzuholen, gab es zwar keine Entscheidung zu dem einzigen markanten Tagesordnungspunkt, trotzdem hinterließ die Sitzung bei den Stadträten und den Gästen einen bleibenden Eindruck.
Denn beim Blick zurück zeigte sich, dass sich das Klima im Münnerstädter Stadtrat in den letzten Jahren radikal zum Positiven verändert hat.
Abschlusssitzung fiel aus
In den letzten beiden Jahren hatte es wegen Corona keine Jahresabschluss-Sitzung des Stadtrats mit anschließendem Essen gegeben, erinnerte der Bürgermeister. Auch zuvor war mit der Tradition gebrochen worden, weil es teilweise gar nicht mehr möglich war, die Stadträte außerhalb einer Sitzung an einen Tisch zu bekommen.
Nun kehrten die Kommunalpolitiker wieder zu Altbewährten zurück. Er wolle allerdings keinen ein- bis eineinhalbstündigen Rückblick halten, sagte Michael Kastl. „Und über Dinge reden, die eh schon alle wissen.“ Allerdings sei nun fast die Hälfte der Amtszeit herum und es sei ihm wichtig, ein paar Dinge Revue passieren zu lassen.
Besondere Herausforderungen für die Stadt
Einen Tag nach der Wahl im März 2020 hatte s den ersten Lockdown gegeben, erinnerte Michael Kastl. Fachkräftemangel, Ressourcenmangel, Energiepreiserhöhung und der Krieg in der Ukraine seien hinzu gekommen. Das alles mache die Arbeit nicht leichter. „Es war ja sowieso schon schwierig“, betonte er. Und für die Stadt Münnerstadt mit ihren 93 Quadratkilometern Fläche stelle dies eine besondere Herausforderung dar.
Dabei liegt die Pro-Kopf-Verschuldung zwischen 2000 und 2500 Euro. „Das ist die Ausgangslage, wir können aber auch nicht unendlich sparen“, so der Bürgermeister mit Hinweis auf die Wasserleitung zwischen Kleinwenkheim und Großwenkheim, die dringend erneuert werden muss, weil ständig Wasserrohrbrüche die Versorgung lahmlegen.
An der Zeit, danke zu sagen
Es sei an der Zeit, Danke zu sagen, den Stadträten, den Ortssprechern, dem 2. Bürgermeister Andreas Trägner (Freie Wähler), dem 3. Bürgermeister Axel Knauff (SPD), der Verwaltung, dem Bauhof und ganz besonders auch der Feuerwehr meinte Michael Kastl. „Wir haben gut zusammengearbeitet und viel geschafft, die Außendarstellung Münnerstadts hat sich sehr verbessert.“
Um dies zu unterstreichen, sprach Michael Kastl das einstige Reizthema Hallenbad an, bei dem sich die Stadträte früher „die Köpfe eingehauen haben“. Inzwischen seien auch Hallenbäder in anderen Kommunen geschlossen worden, weil sie so nicht finanzierbar seien. „Wir waren einfach früher dran, weil wir die schlechtere Ausgangslage hatten.“
Lange geplant und jetzt erledigt
„Mittlerweile machen wir das besser“, sagte der Bürgermeister mit Blick auf die früheren Streitereien. Er nannte die größten Investitionen in letzter Zeit, wie die Ortsdurchfahrten in Seubrigshausen, Wermerichshausen und Reichenbach oder die Generalsanierung der Mehrzweckhalle in Münnerstadt für zehn Millionen Euro bei einer Förderung von 4,5 Millionen Euro.
„Solche Maßnahmen kann man nicht jedes Jahr machen“, betonte er. In diesem Zusammenhang sei auch die Erneuerung der Tartanbahn zu nennen. „Das war lange geplant, wir haben es gemacht.“ Die Leichtathletikabteilung des TSV Münnerstadt habe einen wahnsinnigen Zulauf. Michael Kastl ging auch auf die 800.000 Euro für die Sanierung des Jörgentors ein (nur 50.000 Euro Förderung), ohne dass ein wirklicher Mehrwert entstehe.
„Wir können es aber nicht kaputtgehen lassen.“ Als wichtigste Aufgaben sieht Michael Kastl nun die Kinder- und Schülerbetreuung an. Auch werde viel Geld in die Feuerwehren investiert, was wieder daran liege, dass Münnerstadt elf Standorte hat.
Zusätzliche Hortgruppe geschaffen
Stolz könne man auf viele Dinge sein, die einen hohen Effekt erzielen, aber wenig kosten. Als Beispiele nannte Michael Kastl den Einzug der Montessorischule Rhön und Saale in das ehemalige Berufsbildungszentrum auf dem Karlsberg und den Umzug der Musikschule in die ehemalige Landwirtschaftsschule. Außerdem wurde ein zusätzliche Hortgruppe geschaffen.
„Wir mussten eine Lösung finden.“ Der Radwegbau zwischen der Wannigsmühle und Kleinwenkheim und die erste Corona-Teststrecke außerhalb der Kreisstadt nannte er als Beispiele. Die Ukraine-Hilfe, der künftige Supermarkt Tante Enso auf nun 400 Quadratmetern, die Freigabe von Flächen für Außenbewirtschaftung, der neue Treff Marktplatz 17 – viel ist in letzter Zeit geschehen. Es gebe aber auch Dinge, die eben nicht gemacht wurden, wie beispielsweise die Erschließung des Maitals. Dafür wird auf das Bötz-Areal gesetzt.
„Ja, wir hatten auch andere Zeiten, ja, jetzt steht die Sacharbeit im Vordergrund“, sagte 2. Bürgermeister Andreas Trägner. „Wir sind zwar nicht immer alle einer Meinung, aber wir diskutieren das offen aus.“ Sehr schön sei die Transparenz, dass jetzt alle Fakten auf den Tisch liegen. Andreas Trägner sprach von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit und dankte Michael Kastl dafür.
Die Tür steht offen
„Meine Tür steht offen“, gab der Bürgermeister zurück. Auch 3. Bürgermeister Axel Knauff habe einen Schlüssel zu seinem Zimmer. Michael Kastl spielte auf einen Vorfall vor einigen Jahren an, als Leo Pfennig für einen Tag die Amtsgeschäfte übernahm, ihm aber der Zutritt zum Bürgermeisterzimmer verwehrt blieb. Diese Zeiten sind jetzt vorbei. Und so setzten sich die Stadträte nach Jahren wieder zum gemeinsamen Essen zusammen, das der Würde des Anlasses voll gerecht wurde.










