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Kommunalwahl Bad Brückenau
Stadtratswahl Bad Brückenau: AfD-Kandidat nicht drin
Stadtratswahl Bad Brückenau: Die Stimmen für Marco Vorndran von der AfD zählen nicht.
Stadtratswahl Bad Brückenau: Die Stimmen für Marco Vorndran von der AfD zählen nicht. // Karl Kovacs
Bad Brückenau – Ein Umzug verhindert den Einzug von Marco Vorndran in den Bad Brückenauer Kommunalparlament. Wie der Betroffene die Sache sieht.

Manche Brückenauer Wählerinnen und Wähler, besonders diejenigen, die es mit der AfD halten, dürften sich gewundert haben: Auf dem Stimmzettel zur Stadtratswahl standen fünf Bewerber, in der Ergebnisliste tauchten aber nur vier auf. Einer fehlte: Marco Vorndran, obwohl er auf Listenplatz 1 mit 1099 die meisten Stimmen unter den AfDlern erhielt.

Vorndrans Stimmen zunächst gewertet

Eine Nachfrage bei Wahlleiterin Anita Sitte-Rudolf ergibt: Vorndrans Stimmen wurden zwar ausgezählt. Nach Rücksprache mit dem Landratsamt könne er aber nicht für ein Stadtratsmandat berücksichtigt werden. Der Grund: Vorndran ist zwischenzeitlich aus Bad Brückenau weggezogen; er war eigentlich nicht mehr wählbar.

Wählbar für einen Stadt- oder Gemeinderat, aber auch den Kreistag ist eine Person laut Wahlgesetz unter anderem dann, wenn sie „seit mindestens drei Monaten im Wahlkreis eine Wohnung“ hat. Dies muss kein Erstwohnsitz sein; eine Zweitwohnung genügt. Das war bei Vorndran zum Zeitpunkt der Wahl am 8. März nicht mehr der Fall.

Relativ kurzfristiger Wohnungswechsel

Marco Vorndran hatte wegen eines Schimmelproblems in seiner Brückenauer Wohnung schon länger ein anderes Quartier gesucht. „In Bad Brückenau haben wir keine Wohnung gefunden, in einem anderen Ort schon“, sagt er dieser Redaktion. Das Angebot sei recht kurzfristig reingekommen“.

Schon an einem der ersten Januartage zog Familie Vorndran um. „Wir waren froh, dass der alte Vermieter uns so schnell aus der Wohnung rausgelassen hat.“ Das Übergabeprotokoll datiert vom 17. Januar.

Vermieter meldete Vorndran ab

Am 20. Januar tagte der Wahlausschuss für die Brückenauer Kommunalwahl. Laut Landratsamt Bad Kissingen entscheidet er „über die Zulassung der eingereichten Wahlvorschläge“. Er prüft, „inwiefern die Voraussetzungen für die Zulassung der Wahlvorschläge vorliegen“. Offensichtlich lagen zu diesem Zeitpunkt keine bekannten Hinderungsgründe für Vorndrans Kandidatur vor. Sein Name wurde auf die Stimmzettel gedruckt.

Vorndran erledigte die Abmeldung nach eigenen Angaben nicht selbst, sondern sein Vermieter. Bei der Brückenauer Stadtverwaltung war der genaue Tag der Abmeldung am Dienstag nicht zu erfahren.

Tag der Abmeldung entscheidend

Dem tatsächlichen Zeitpunkt der Abmeldung kommt entscheidende Bedeutung zu. Denn läge der vor dem 20. Januar, also dem Tag der Sitzung des Wahlausschusses, könnten Vorndrans Stimmen wegen fehlender Wählbarkeit im amtlichen Endergebnis nicht berücksichtigt werden. Laut Landratsamt müsste der Wahlausschuss dann entscheiden, dass seine 1099 Stimmen weder für ihn noch für die AfD gewertet werden dürfen.

Liegt der Abmeldezeitpunkt tatsächlich nach dem 20. Januar, profitiert die Partei von Vorndrans Stimmen. Im vorläufigen Wahlergebnis tragen sie noch zum Gesamtergebnis der AfD von 4822 Stimmen bei. Ohne sie wären es nur 3723 gewesen. Gut möglich, dass das bis zum offiziellen amtlichen Endergebnis nochmal genau geprüft wird.

Landratsamt äußert sich 

Das Landratsamt schreibt dazu: „Erfolgt eine Ummeldung einer sich bewerbenden Person, welche zum Verlust der Wählbarkeit führt, nach dem 20. Januar 2026, jedoch nicht rückwirkend zu einem Zeitpunkt, der vor der Sitzung des Wahlausschusses liegt, hätte dies grundsätzlich zur Folge, dass die Stimmen, welche an die Bewerberin oder den Bewerber vergeben wurden, als gültige Stimmen zu werten wären.” Die Wählbarkeit gehe dann erst nach der Zulassung des Wahlvorschlags verloren.

Ob die Stimmen fürs Gesamtergebnis zählen oder nicht: Wegen seines Wegzugs vor der Wahl wird Marco Vorndran nicht in den Bad Brückenauer Stadtrat einziehen. Für ihn rückt – sollte es beim jetzigen Ergebnis bleiben – Steffen Becker als Nächster auf der Liste nach.

AfD-Kreisvorsitzende wusste nichts von Umzug

Silvia Schneider, kommissarische Kreisvorsitzende der AfD, bedauert Vorndrans Nichtwahl: „Das ist für uns, aber auch für seine Wähler doof.“ Der Ex-Brückenauer sei auch für sie die Nummer 1 gewesen, vom Engagement her und von der Zeit, die er in seine Arbeit im Stadtrat hätte stecken können.

Von Vorndrans Umzug oder dem Vorhaben, das zu tun, habe sie nichts gewusst. Sonst hätte man ihn eventuell von der Liste genommen oder nach ganz hinten gesetzt. Nach dem 20. Januar habe man nichts mehr machen können.

Kreismandat statt Stadtrat

Marco Vorndran hakt seine verhinderte Stadtratswahl als „ärgerlich“ und „dumm gelaufen“ ab. Weder er noch die AfD-Kreisspitze hätten gedacht, dass sein Umzug solch gravierende Folgen hat. Immerhin hätten es zwei Kandidaten in den Stadtrat geschafft, tröstet er sich.

Da Vorndran weiter seinen Wohnsitz im Landkreis hat, zieht er als einer von neun AfDlern in den Kreistag ein. Das Mandat möchte er unbedingt wahrnehmen.

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