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Schwimmbad in Bad Brückenau
Stadt verzichtet auf „Sportmilliarde” für Therme Sinnflut
Therme Sinnflut Bad Brückenau: Antrag für Sportmilliarde
Die Zukunft der Therme Sinnflut war wieder Thema im Bad Brückenauer Stadtrat. Es gab eine klare Entscheidung. // Steffen Standke
Bad Brückenau – Der Bad Brückenauer Stadtrat lässt eine wichtige Frist für die staatliche Förderung verstreichen. Steht dahinter eine konkrete Idee?

Wie verrückt klingt das denn? Da winken staatliche Zuschüsse, mit denen die Therme Sinnflut in Bad Brückenau womöglich wiedererstehen könnte – und der Stadtrat lehnt es einhellig ab, sich dafür zu bewerben. Laut Bürgermeister Jan Marberg (SPD) steckt dahinter ein Plan.

Viele Millionen Euro jährlich für marode Sportstätten

2025 legte der Bund das Förderprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ (SKS) auf. Diese „Sportmilliarde“ soll helfen, den Sanierungsstau der Sportinfrastruktur in deutschen Städten und Gemeinden abzubauen.

333 Millionen Euro standen im ersten Aufschlag zur Verfügung, bei dem es vor allem um Sporthallen ging. Im Landkreis Bad Kissingen profitieren davon Oberleichtersbach und Ramsthal (wir berichteten).

Sonderförderung für Schwimmbäder

In diesem Jahr liegen im SKS-Fördertopf zusätzlich 250 Millionen Euro aus dem Sondervermögen, vorrangig gedacht zur energetischen Sanierung und barrierefreien Modernisierung kommunaler Schwimmbäder. Auch die zum 1. Oktober 2023 geschlossene Sinnflut könnte profitieren. Denn Ersatzprojekte erhalten im Ausnahmefall Zuschüsse, wenn sich der Neubau wirtschaftlicher als eine Sanierung erweist.

Bis Freitag, 19. Juni 2026, hätte die Stadt Bad Brückenau Unterlagen einreichen müssen, um ihr Interesse an der SKS-Sonderförderung prinzipiell zu bekunden (ob die Therme tatsächlich berücksichtigt wird und Zuschüsse für ihren Neubau fließen, steht auf einem anderen Blatt). Doch genau das lehnte der Stadtrat in seiner Sitzung am 18. Juni ab – und zwar geschlossen. Was war passiert?

Angebot über Projektskizze

Marberg zufolge hatte eine Mitarbeiterin des Büros Brückner & Brückner Architekten aus Würzburg in nichtöffentlicher Sitzung am 21. Mai ein Angebot über eine abgespeckte Projektskizze – also eine prägnante Zusammenfassung des geplanten Vorhabens – vorgelegt. Das Fachbüro hatte vor Jahren mehrere Varianten für eine neue Sinnflut ausgearbeitet und im Stadtrat vorgestellt. Berechnungen ergaben, dass ein Teilneubau (ohne Saunalandschaft) sich wirtschaftlicher darstellt als eine Generalsanierung.

Doch schon das Angebot über die Projektskizze, die jetzt hätte eingereicht werden müssen, schlug der Stadtrat am 21. Mai mehrheitlich aus, so der Bürgermeister. Begründung: Man wolle sich – auch weil zehn Räte neu im Gremium sind – in einer Klausurtagung im September über die Größenordnung des künftigen Schwimmbades einigen. In der Vergangenheit wogten die Meinungen zwischen einem zweckmäßigen Hallenbad fürs Schulschwimmen und einem Spaß- und Familienbad mit vielen Attraktionen und 31,1 Millionen Euro Baukosten hin und her.

Neue Chance 2027

In der jüngsten Stadtratssitzung sagte der Bürgermeister nun: „Wenn wir jetzt auf die Förderung für Schwimmbäder verzichten, ist noch nicht alles verloren.” Man könne sich 2027 wieder für das „reguläre” SKS, also voraussichtlich erneut 333 Millionen Euro, bewerben. So vermeide man einen Schnellschuss, den man letztlich nicht realisieren könne.

Therme Sinnflut Bad Brückenau: Antrag für Sportmilliarde
Bad Brückenaus Bürgermeister Jan Marberg würde heuer auf die Sonderförderung des Bundes für Schwimmbäder verzichten, um nächstes Jahr bei der Sanierung kommunaler Sportstätten dabei zu sein. // Steffen Standke

Die Stadt möchte über die Sportmilliarde nicht ausschließlich die neue Therme Sinnflut angehen, sondern das ebenfalls in die Jahre gekommene Schul- und Sportzentrum in Römershag sanieren. Für Marberg wird aber wahrscheinlich entweder das eine oder das andere gefördert und nicht beides.

Doch große Lösung einreichen?

CSU-Stadtrat Dieter Seban und Tanja Kirchner (SPD) brachten den Gedanken ins Spiel, jetzt doch mit einer großen Lösung Interesse zu bekunden. Man lege sich damit nicht konkret auf eine Sanierung fest, so Seban.

Marberg hielt es „nicht für zielführend, dem Fördergeber etwas vorzugaukeln, was am Ende nicht ist. Wenn wir jetzt wieder mit einem größeren Schwimmbad reingehen, kommen wieder höhere Betriebskosten ins Spiel”.

Die Stadtwerke hatten unter anderem den Betrieb der alten Sinnflut aufgegeben, weil neben dem Sanierungsstau die Energiekosten drohten, aus dem Ruder zu laufen. Sie wären auch bei der neu zu bauenden Therme ein entscheidendes Thema.

Richter sieht schlechtes Signal für Stabilisierungshilfe

Stefan Richter (PWG) wollte die Stabilisierungshilfe nicht unberücksichtigt lassen. Es komme wahrscheinlich bei den zuständigen Stellen nicht gut an, wenn man einen Antrag auf die große Schwimmbadlösung einreiche und gleichzeitig sage: Übrigens, wir brauchen diese Hilfe.

Marberg zufolge steht im Konsolidierungskonzept für den städtischen Haushalt, dass die Sinnflut abgerissen wird, um Betriebskosten zu sparen.

Absichtserklärung der Allianz-Gemeinden 

Wie wahrscheinlich es wäre, dass Bad Brückenau in den Genuss einer SKS-Förderung kommt, konnte der Bürgermeister auf Anfrage von Michael Berger (Volinare) nicht sagen: „Unsere Bundestagsabgeordneten gehen von einem geförderten Objekt pro Wahlkreis aus. Aber in der aktuellen Runde waren es zwei.”

Heike Kötzner (CSU) regte an, die Sinnflut auch bei den anderen Bürgermeistern der Brückenauer Rhönallianz wieder präsent zu machen. Marberg arbeitet bis zur Klausurtagung im September auf eine gemeinsame Absichtserklärung mit den umliegenden Gemeinden hin. Die könnte sich mit einer Beteiligung an den Betriebskosten des neuen Schwimmbads befassen.

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