Es war ein ungewohntes und wuseliges Treiben am frühen Morgen in der kleinen Grundschule in Zeitlofs. Der Elternbeirat richtete Essen und Trinken an, Verwaltungsmitarbeiter und Gemeindevertreter kamen, Schulleiterin Ulla Farkas schickte die wartenden Kinder zurück hinter eine Glastüre. Sie waren ebenso aufgeregt, denn es hatte sich hoher Besuch angekündigt- und zwar aus der bayerischen Hauptstadt.
Grund für den Besuch von Anna Stolz (Freie Wähler), bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus, war vermutlich ein kleiner Zufall: Die Grundschule veranstaltete im vergangenen Schuljahr einen Spendenlauf, bei dem die Kinder die beachtliche Summe von 3366 Euro erliefen. Bei der Suche nach einem geeigneten Spendenziel kam Zeitlofs Bürgermeister Matthias Hauke auf die Stadt Arnstein im benachbarten Landkreis Main-Spessart, die am Mai und Juni schweren Schaden durch Hochwasser und Starkregen erlitt.
Anna Stolz ist Vorgängerin von Franz-Josef Sauer
Betroffen war auch der kleine Stadtteilkindergarten Gänheim, den Starkregen und Wassermassen überschwemmt hatte. Bürgermeister Franz-Josef Sauer freute sich, als er von der Spendenbereitschaft der Zeitlofser Grundschule gehört hatte. Zufälligerweise war die jetzige Kultusministerin Anna Stolz Vorgängerin des Arnsteiner Bürgermeisters bis zu ihrer Berufung in den Landtag im Jahr 2018.
Mindestens ein Grund für Stolz also, dem nördlichen Rand von Bayern einen Besuch zu erstatten. Die Marktgemeinde Zeitlofs kann darüber hinaus eine neu sanierte Grundschule - für den ländlichen Bereich gar nicht selbstverständlich - präsentieren. Was die Ausstattung angeht, eine Vorzeigeschule. Die Gemeinde hatte dafür tief in die Tasche gegriffen.
Schulische Anliegen an Kultusministerin angetragen
Um solche Problemstellen, nämlich kleine Schulen trotz geringerer Kinderzahlen zu halten, ging es dann auch im gemeinsamen Gespräch mit Schulamtsdirektorin Birgit Herré, Landrat Thomas Bold und Schulleitung Ulla Farkas. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit trugen sie die Anliegen der Schulen im Landkreis Bad Kissingen vor.
Auf Nachfrage ging es laut Herré um die Entwicklung der Schülerzahlen, die Umsetzung der neuen Stundentafel und um eine gewisse Flexibilität im Unterricht. „Für uns ist der Besucht von Anna Stolz ein absolutes Highlight im Schuljahr“, sagte Ulla Farkas.
Mehr Verwaltungsangestellte zur Unterstützung
Fast zwei Stunden nahm sich Staatsministerin Stolz Zeit - das war mehr als ursprünglich geplant, offenbar, weil der Anschlusstermin ausfiel. Für die Kinder aus der Zeitlofser Grundschule und der extra angereisten Kindergartengruppe aus Arnstein umso schöner, denn sie konnten ihre Lieder in Ruhe vortragen.
Stolz betonte: „Kleine Grundschulen sind genauso wichtig wie große.“ Zur Unterstützung der bayerischen Lehrkräfte in den mittlerweile besonders heterogenen Klassenverbänden gebe es zusätzlich Stellen für pädagogische Unterstützungskräfte. Außerdem sollen mehr Verwaltungsangestellte die Lehrkräfte entlasten. Im Übrigen sei der Bürokratieabbau ein ausgesprochenes Ziel von ihr.
Kinder lernen zu helfen
Für den Arnsteiner Bürgermeister Franz-Josef Sauer steht aber nicht nur das gespendete Geld im Vordergrund. „Für die Kinder ist es wichtig zu lernen, was sie in der Gesellschaft erreichen können“, sagte Sauer. Durch diese Spende zeigten sie, dass sie mit ihren Talenten etwas bewegen können. In Bezug auf das Hochwasser sei es zudem wichtig, die Kinder dafür zu sensibilisieren.
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