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Sagen und Mythen (13)
Die Flucht vor dem Lindwurm und die Namensherkunft Euerdorf
Sagen und Legenden Euerdorf
Ein gruseliger Lindwurm, zwei Brüder, die eine Kapelle bauen, kämpfende Mönche und die Namensherkunft von Euerdorf sind Teile von Sagen rund um Euerdorf. // Sahar Nezhadbahram/midjourney
Euerdorf – Wie Euerdorf zu seinem Namen kam, ist eine relativ bekannte Erzählung. Doch auch um den Hurlacher See oder eine besondere Kapelle ranken sich Sagen.

Die Redaktion macht sich den Band „Sagen und Legenden aus dem Landkreis Bad Kissingen“ zunutze, um die Sagen aus Euerdorf aufleben zu lassen. Unter der Herausgeberschaft des Landkreises Bad Kissingen brachte Josef Lisiecki (Bad Brückenau) im Jahr 1982 diesen Band heraus, der mittlerweile vergriffen ist. Unter kultur-kg.de/sagen-und-legenden finden Sie alle Geschichten ungekürzt.

Die Flucht vor dem Lindwurm

In den Saalewiesen bei Euerdorf, gleich hinter der Brücke, steht einsam und verlassen ein Säulensockel aus gelbem Sandstein. Auf ihm stand vor langer Zeit einmal ein Bildstock. Von diesem Bildstock erzählt man sich:

Ein Bauer lief eines Tages in der Nähe des Herlacher Sees; da erblickte er einen riesigen Lindwurm (Bezeichnung für ein schlangen- oder drachenartiges Fabelwesen), der aus dem Wasser kroch und sich fauchend und zischend gegen den Mann aufbäumte, dass dieser in Panik geriet und die Flucht ergriff. Aber das Untier verfolgte den zu Tod Erschrockenen bis zu jener Stelle, wo die alte Straße in die Bundesstraße einmündet.

Nur der zähen Natur des Mannes und seiner Willenskraft ist es zu verdanken, dass er der Bestie entwischte. Wegen der gütigen Fügung des Schicksals soll seinerzeit der Bildstock gesetzt worden sein.

Die „Pfaffensteine“ im „Heiligen Holz“

In der Flurabteilung Sommerberg, etwa drei Kilometer nordöstlich von Euerdorf, ragen aus dem Waldboden zwei Sandsteinkreuze. Im Volksmund werden sie „die Pfaffensteine“ oder „die Kreuze im Heiligen Holz“ genannt. Um sie rankt sich eine grausame Geschichte, denn hier sollen sich zwei Mönche aus dem Kloster Aura umgebracht haben.

Am Fuße der längst verfallenen Eiringsburg stand eine Mühle, in der eine junge Frau lebte. Dieses war bescheiden, sich ihrer Schönheit aber nicht bewusst. Allen Verehrern wies sie die Tür. Ein verschmähter Liebhaber war so tief gekränkt, dass er dem weltlichen Leben entsagte und ins Kloster ging.

Nun wollte es das Schicksal, dass er ausgerechnet ins Kloster Aura kam, denn dort erfuhr er, dass die Müllerin ein Verhältnis mit einem Pater des Klosters hatte. Da packte den Novizen so die Eifersucht, dass er eines Tages seinem Mitbruder im Wald auflauerte, um ihm „die Leviten zu lesen“. Das heftige Wortgefecht steigerte sich zu einem Kampf auf Leben und Tod. Die beiden Verliebten erlitten dabei so schwere Wunden, dass sie im Wald niedersanken und verbluteten.

Beide Männer wurden an derselben Stelle begraben. Die Müllerstochter aber heiratete den fleißigen Knecht der Mühle und führte zeitlebens eine zufriedene Ehe.

Die Stiftung der Kapelle zu Euerdorf

Zwei Brüder zogen einst ins Heilige Land, das damals zeitweise von Türken besetzt war und gerieten in Gefangenschaft, denn der Islam bekämpfte das Christentum und vor allem die Wallfahrten zu den Stätten, in denen Jesus lebte. Dort mussten sie jahrelang schwere Sklavenarbeit verrichten. Eines Tages erfuhren sie, dass man beschlossen habe, die beiden zu töten. Nun begannen sie flehentlich zur Mutter Gottes zu beten und zu geloben, ihr eine Dankkapelle zu bauen, wenn sie gesund in ihre Heimat gelangten.

Als sie im Kerker aus dem Schlaf erwachten, lagen Pilgerkleider vor ihnen, mit denen tatsächlich ihre Flucht gelang. Nach drei Jahren einer abenteuerlichen Wanderschaft erreichten sie endlich ihre alte Heimat. Doch niemand erkannte sie, denn 30 lange Jahre waren inzwischen vergangen. Dennoch waren die Brüder überglücklich, ihren Heimatort Urdorf wieder gefunden zu haben und sie erfüllten getreulich ihr Gelöbnis und bauten eine Kapelle, die man später Willibrordkapelle nannte. Der Ort Urdorf aber trägt heute den Namen Euerdorf.

Wie Euerdorf zu seinem Namen kam

Einst fand in einer namenlosen Siedlung eine Ratssitzung statt, in der man beschloss, der kleinen Gemeinde einen Namen zu geben. Doch man konnte sich nicht einigen und musste unverrichteter Dinge wieder auseinandergehen. Auf dem Heimweg frug man eine Bäuerin des Nachbardorfes, was sie dazu sage, dass das Dorf noch keinen Namen habe, und dass der Gemeinderat auch bei bestem Willen keinen passenden bis jetzt gefunden habe. Da gab die Frau schnippisch zur Antwort: „Was geht mich euer Dorf an?“

So kamen die schlauen Ratsherren auf den Gedanken, ihr Dorf Euerdorf zu nennen und bald wurde die damals noch kleine Siedlung auch so getauft.

Noch eine zweite Erzählung ist bekannt:

Als Euerdorf noch keinen Namen hatte, kam einst ein Fremder in diese Gegend, und da er von Ferne einige Häuser erblickte, fragte er eine Frau, die ihm gerade begegnete: „Wie weit hab ich dann noch zu laufen zu euerm Dorf?“- Die Frau aber war der Meinung, der Mann habe diesen Häusern den Namen Euerdorf gegeben und lief voll Freude schnurstracks nach Hause und verkündete allen, die ihr begegneten, dass diese Siedlung den Namen Euerdorf haben müsse, denn sie habe dies soeben von einem Fremden vernommen. Diese frohe Kunde ging wie ein Lauffeuer von Haus zu Haus und schon bald hatte sich der Name Euerdorf für diese Siedlung eingebürgert, den sie auch bis zum heutigen Tag behalten hat.

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