Die Redaktion macht sich den Band „Sagen und Legenden aus dem Landkreis Bad Kissingen“ zunutze, um in die Welt der Mythen von Aura einzutauchen. Unter der Herausgeberschaft des Landkreises Bad Kissingen brachte Josef Lisiecki (Bad Brückenau) im Jahr 1982 diesen Band heraus, der mittlerweile vergriffen ist. Unter kultur-kg.de/sagen-und-legenden finden Sie alle Geschichten ungekürzt.
Der Horlacher Förster
Eine Sage aus den großen Wäldern rund um Aura berichtet: In der Nähe der Ruine Aura, befindet sich die Waldabteilung „Horlach“. Wenn hier die Nacht über die Wälder hereinbricht, böse Geister ihr Unwesen treiben und für Räuber und Wilderer die „Arbeit“ beginnt, dann ist der „Horlacher Förster“ nicht weit; das Volk sagte, „er geht um“.
Er muss legendäre Erfolge mit den „Wilpertsknappern“, den „Geschwärzten“, den Wildschützen gehabt haben. Er war bei all dem Volk, das die Dunkelheit dem Tageslicht vorzog, sehr gefürchtet, denn er soll jedem Missetäter, Wilderer und Räuber das Handwerk gelegt haben, indem er ihnen „den Hals umdrehte“.
Die Mutter von gutem Rat
Albanien wurde einst von den Türken erobert und nur die Hauptstadt leistete noch erbitterten Widerstand. In einer geheimen Ratssitzung beschlossen die Bewohner, die beiden heldenhaften Führer der Verteidigung unter der Bedingung auszuliefern, dass die Türken auf jegliche Bestrafung der Stadt verzichten.
Die beiden Helden baten in der Nacht vor ihrer Auslieferung, noch einmal vor dem Gnadenbild der Gottesmutter beten zu dürfen, da sie glaubten, ihr Leben verwirkt zu haben. Während sie beteten, bemerkten sie ein Winken Gottesmutter und eine Flamme. Diese wies ihnen einen geheimen Schleichweg durch die Stadt. Sie folgten dem Flammenzeichen weiter und erreichten das Adriatische Meer.
Als die Türken die Verfolgung aufnahmen, knieten die beiden Albaner am Meeresufer nieder und beteten erneut zur Mutter Gottes. Wieder gab diese ein Zeichen und die Flamme erschien abermals. Sie leuchtete den Fliehenden übers Meer. Dort traten die beiden Albaner aus Dankbarkeit als Mönche in ein Kloster ein. Ein dortiger Mönch war von dieser Rettung so bewegt, dass er sie in einem großen Gemälde festhielt. Das Bild soll in einer Wallfahrtskirche bei Rom zu sehen sein.
Später kam einer der beiden albanischen Mönche nach Aura und fertigte eine Nachbildung des Originals. So wurde die Klosterkirche in Aura bis zu den Bauernkriegen vor 500 Jahren ein viel besuchter Wallfahrtsort.
Die Odysee des Gnadenbildes
Als das Benediktinerkloster Aura immer mehr zerfiel, gab man nicht zuletzt auch den Klosterherren eine Mitschuld, denn es blieb nicht verborgen, dass manches wertvolle Klostergut fürs Wohlleben veräußert wurde.
Eines Tages war sogar das kostbare Wallfahrtsbild der Gottesmutter aus der Klosterkirche verschwunden. Die Benediktiner leisteten aber einen heiligen Eid, es nicht verkauft zu haben. Inzwischen fand man die wertvolle Plastik in der heutigen Ruine Aura auf dem Berg. Frohen Herzens wurde sie wieder in der Klosterkirche zu Aura aufgestellt.
Eines Tages fehlte das Gnadenbild der Kirche wieder. Und abermals fand man es am Burgplatz auf der Höhe. Diese merkwürdige Begebenheit wiederholte sich ein drittes Mal. Nun trug man die sonderbare Angelegenheit dem Bischof von Würzburg vor, denn man erblickte in der Sache einen Fingerzeig Gottes. Der Bischof befahl den Bau einer neuen Kirche an der Wunderstelle.
Als aber der Bauernkrieg im Land wütete, wurde auch der Kirchenbau eingestellt und später nicht mehr weitergeführt. Heute noch erinnern von Büschen überwucherte Ruinenteile an das einstige begonnene Gotteshaus.












