Wer glaubt, dass naturwissenschaftlicher Unterricht nur aus faden Lehrbuchtexten besteht, wurde am Donnerstagabend eines Besseren belehrt. Um 17.30 Uhr verwandelte sich die voll besetzte Aula des Franz-Miltenberger-Gymnasiums in eine Wissenschaftsmesse. Insgesamt 28 Schülerteams der achten Jahrgangsstufe des gesamten Schulzentrums – bestehend aus Gymnasium, Realschule und Mittelschule – präsentierten stolz die Ergebnisse ihrer wochenlangen, eigenständig erarbeiteten Forschungsprojekte.
Das Konzept der Science-Fair, das in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal ausgetragen wurde, stammt ursprünglich aus dem angloamerikanischen Raum und schwappte von dort aus nach Deutschland. Die Jugendlichen durften dabei ihr Thema aus verschiedenen Fachbereichen frei wählen, Experimente oder Versuchsreihen eigenständig zu Hause in die Praxis umsetzen und die Ergebnisse oder ihre Erkenntnisse dokumentieren.
Komplexe Ergebnisse nachvollziehbar aufbereiten
Die große Herausforderung: Es ging nicht nur darum, einfach ein sauberes Experiment durchzuführen, sondern die teilweise komplexen Ergebnisse auf einem anschaulichen Poster so aufzubereiten, dass sie auch für Laien problemlos verständlich sind. Eine Kompetenz, die heute vielleicht wichtiger denn je ist.
Wie vielseitig die jungen Forscherinnen und Forscher zu Werke gingen, zeigte ein Rundgang durch die Aula. Ein Team untersuchte die Frage, wie sich verschiedene Musikstile auf das Einprägen von Englischvokabeln auswirken. Ihre Erkenntnis, am besten lerne es sich mit Hintergrundmusik von Ed Sheeran, könnte jedoch auch damit zusammenhängen, dass das dem Lieblingsmusikstil aller Probandinnen entsprach.
Handynutzung und Leistungsfähigkeit
Ein paar Schritte weiter präsentierten Jasmin Woithe und Marlena Heinle ihre Dokumentation über den „Einfluss von Handynutzungszeiten auf die Leistungsfähigkeit“. Mittels eines Merkspiels wiesen sie in zwei Testreihen vor und nach den Ferien nach, dass eine reduzierte Bildschirmzeit die Lernfähigkeit messbar steigert. Von anderen wurde der Einfluss von Computerspielen auf Menschen wissenschaftlich unter die Lupe genommen: Ein Plakat beleuchtete die „Beeinflussung der Reaktionszeit durch regelmäßiges CS2-Zocken“ und zeigte, dass aktive Counter-Strike-Spieler mit einer durchschnittlichen Reaktionszeit von 172 Millisekunden im Test mehr als doppelt so schnell reagieren als Nicht-Gamer, die im Testdurchschnitt auf 376 Millisekunden kamen.
Alexandra Morath und Jana Lukas-Larsen beschäftigten sich mit Bautechnik und verglichen die Belastungsgrenzen von Bogen-, Balken- und Hängebrücken anhand realer, hölzerner Modellkonstruktionen, die sie verschiedenen Drücken und Schwingungen aussetzten. Um die Bewertung dieser und der zahlreichen weiteren Forschungsprojekte so fair und professionell wie möglich zu gestalten, setzten die Schulen auf eine unabhängige Fachjury aus regionalen Experten und Vertretern des Elternbeirats – unter ihnen auch der Geschäftsführer der Stadtwerke, Torsten Zwingmann, und Stefan Dziadek von GKN Sinter Metals.
Diese Projekte landeten auf dem Siegertreppchen
Die Juroren hatten die Qual der Wahl. Thomas Heyne von der Universität Würzburg, der dort in der Ausbildung naturwissenschaftlicher Lehrkräfte tätig ist, zeigte sich vom hohen Standard beeindruckt. Schlussendlich schafften es drei Projekte auf das Siegertreppchen: Leni Böck, Emilia Statt, Damien-Jaden Zell und Mark Bartulovic überzeugten auf dem dritten Platz mit ihrem Projekt „Lavalampe“. Sie erforschten die chemischen Prozesse und Funktionsprinzipien im Inneren der Leuchte und wiesen nach, wie sich die Reaktionen durch veränderte Karbonatgehalte präzise steuern lassen.
Helena Gerr und Leonie Heyne sicherten sich mit der Frage „Welche Faktoren beeinflussen die Lungenkapazität des Menschen?“ den zweiten Rang. Da im Schulalltag keine teuren medizinischen Geräte zur Messung des Lungenvolumens zur Verfügung stehen, bauten sie den Versuchsaufbau mit einer verblüffend einfachen und zugleich präzisen Methode der Wasserverdrängung selbst nach.
Wo gedeihen Radieschen besser?
Den Gesamtsieg holte sich die „Radieschen-Gruppe“ um Linus Rest, Lorenz Goldbach und den krankheitsbedingt leider abwesenden Max Schiffler. Ursprünglich wollte das Team das Wachstum von Maispflanzen untersuchen, da auf den Feldern von Linus’ elterlicher Landwirtschaft gerade die Aussaat stattfand. „Aber Mais wächst zu langsam für einen Versuchsaufbau, Radieschen brauchen nur vier bis sechs Wochen. Also haben wir Radieschen genommen“, erklärte Linus.
Die Realschüler säten auf verschiedenen Böden – vom Waldboden bis zur Blumenerde – Radieschen aus und dokumentierten das äußerst unterschiedliche Wachstum der Pflanzen. Quasi nebenbei entdeckten sie direkt die perfekte „Radieschen-Formel“: Eine Mischung aus Kompost und heimischem Mutterboden ergebe schnellwachsende, hervorragend schmeckende Radieschen.
Den Ausschlag für den ersten Platz gab jedoch nicht nur das exzellente wissenschaftliche Arbeiten, sondern das anschließende Jury-Fachgespräch. Das Team blieb bei den kritischen und detaillierten Nachfragen der Jury absolut sattelfest und konnte sämtliche Nachfragen beantworten.
Dafür gab es als Hauptpreis einen von den Stadtwerken gesponserten Freizeitgutschein, der den Sommer versüßen soll. Die Poster der Projektvorstellungen werden in den kommenden Wochen weiterhin im Schulzentrum ausgestellt, so dass sich auch die jüngeren Jahrgänge von den Ideen für die kommende Science-Fair inspirieren lassen können.
















