Auf der Bühne des Regentenbaus warteten stellvertretende Schulleiterin Julia Waldner, Klassenleiterin oder Klassenleiter und das begehrte Kuvert mit dem Abschlusszeugnis der „Mittleren Reife“. Klassenweise wurden 140 Absolventinnen und Absolventen aufgerufen, die den „Catwalk“ auf ihre ganz persönliche Art und Weise gestalteten: Die einen schüchtern, die anderen selbstbewusst, die einen zufrieden lächelnd, andere betont lässig – aber alle glücklich über und stolz auf das Erreichte. Dann ein Händedruck oder eine Umarmung, die Übergabe und ein Foto – alles umrahmt vom herzlich-anerkennenden Beifall der Familien und Freunde im Max-Littmann-Saal.
Ein Ball zum Finale
Konrektor Jürgen Meder eröffnete die Abschlussfeier der Staatlichen Realschule Bad Kissingen, die einerseits aus dem offiziellen Teil mit der Übergabe der Zeugnisse und der Würdigung von besonderen Leistungen besteht und andererseits mit dem Abschlussball die Schulzeit für die 10. Klassen beendet. Meder begrüßte neben den Absolventinnen und Absolventen auch deren Familien und Freunde, die Lehrkräfte sowie die Vertreter aus der kommunalen Politik. Sein Dank galt dem Elternbeirat für die Organisation und Ausgestaltung der Abschlussfeier.
Stellvertretender Landrat Roland Limpert bewertete den Mittleren Schulabschluss nicht als Schlusspunkt, sondern als Tor für den nächsten Lebensabschnitt mit weiterführender Schule oder Berufsausbildung. Neben Wissen und Fertigkeiten zählen auf dem weiteren Weg auch die erworbenen „Sekundärtugenden“ wie Wertschätzung, Zielstrebigkeit oder Ausdauer. Als politisches Versprechen hatte er das US-Baseballfeld dabei, das für den Schulsport ertüchtigt werden soll und wofür bereits ein Planungsbüro beauftragt wurde. Sein Dank galt den Lehrkräften das Engagement und den Eltern für die motivierende Unterstützung: „Ihr Invest hat sich gelohnt.“
Der Gratulation schloss sich Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel an, der betonte: „Das Abschlusszeugnis ist die Bestätigung für eure Leistung, für euren Erfolg.“ Das Können und das Wissen dahinter seien auch die Grundlagen für den weiteren Weg, der Chancen öffne – egal ob schulisch oder beruflich – und die man mit Zuversicht und Optimismus ergreifen sollte. Tatjana Baier überbrachte die Glückwünsche des Elternbeirats zum Schulabschluss und motivierte für die Zukunft: „Lasst euch von einem Umweg nicht entmutigen. Manchmal ist es die schönere Strecke.“
Ein Blick zurück warf Schülersprecher Linus Albert: „Wir sind mit Corona gestartet – eine verrückte Zeit.“ Ansonsten erzählte er von den Höhen und Tiefen des Schulalltags, in dem die Pause die beste Zeit gewesen sei oder sich zwei Schulstunden wie ein ganzer Arbeitstag anfühlen könne. Er dankte den Lehrkräften für die meist verständnisvolle Unterstützung, den Eltern für die Motivation und wünschte allen Absolventinnen und Absolventen: „Jeder von uns wird seinen eigenen Weg gehen, erinnert euch dabei an die lustigen und die spannenden Momente der gemeinsamen Zeit.“
Anstelle des verhinderten Schulleiters Torsten Stein lag die Abschlussrede in den Händen von seiner Stellvertreterin Julia Waldner, die dem Elternbeirat für das Engagement sowie der Schulband für die musikalische Gestaltung dankte und den Schülerinnen und Schülern zum Abschluss gratulierte.
Besonders sei in diesem Jahr, dass alle Zehntklässler, die zu den Prüfungen antraten, die Abschlussprüfung geschafft hätten – auch wenn auf Basis der unterschiedlichen Aufwands die erzielten Ergebnisse weit auseinander liegen.
Sie lobte die große Anzahl an Spitzenleistungen – 33 Schülerinnen und Schüler haben einen Notendurchschnitt von 2,0 und besser, bei zehn Prüflingen lag der Notendurchschnitt sogar unter 1,6. In ihrer direkten Ansprache der Prüflinge griff sie „lost“ als Jugendwort des Jahres 2020 auf und bekannte: „Lost wart ihr am ersten Schultag mit riesigem Schulhaus, vielen Lehrern .... und danach Homeschooling, Videokonferenzen und einem nicht funktionierenden Internet.“
„Komplett lost“
Ein verlorenes Schuljahr, „komplett lost“ – so Julia Waldner, aber aus der anfänglichen Planlosigkeit verfestigte sich das Ziel, den Realschulabschluss zu erreichen. Freundschaften wurden geschlossen, gemeinsame Erlebnisse hätten den Zusammenhalt gefördert und gegenseitige Hilfe hätten die Lücken beim Lernstoff geschlossen. „Lost-sein ist kein Dauerzustand, sondern vielmehr der Startpunkt, um sich neu zu orientieren“, lautete ihr Appell an die jungen Menschen, die über das notwendige Werkzeug mit logischem Denkvermögen, Anstrengungsbereitschaft und gesunden Menschenverstand verfügen.
Im Rahmen der Würdigungen erhielten ein Präsent als Dankeschön für ihr Engagement in der Schülermitverwaltung, im Schulsanitätsdienst, in der Schulband und als Schülerlotsen. Besonders ausgezeichnet wurden die zehn Schülerinnen und Schüler, die einen Notendurchschnitt von 1,6 und besser hatten und „deren Ergebnisse teils sehr eng beieinanderliegen“, so Julia Waldner: Lena Dittmann (1,17), Luisa Thoma (1,25), Mia Sinner (1,27), Lena Bieber (1,33), Ilu Heuring und Eva Glöckler (1,42), Mona Brixel und Emily Metz (1,55), Ronja Sell und Louis Wehner (1,58).
Die Klassensprecher und Klassensprecherinnen bedankten sich für die Unterstützung während der sechs-, teils siebenjährigen Schulzeit und würdigten die gemeinsamen Erlebnisse bei der Skifreizeit und der abschließenden Berlinfahrt
Wie eine Zugfahrt
Rückblickend lobten die Klassenleiter und Klassenleiterinnen den Zusammenhalt und die Integrität der Schülerinnen und Schüler, kritisierten „Pünktlichkeit als Mangelerscheinung“ und verglichen die Schulzeit mit einer Zugfahrt, wo man an jeder Station das Ticket für die nächste Klasse lösen musste und nun die gemeinsame Reise in individuelle Reiserouten übergehe. Immer stand am Ende des Beitrags der Wunsch, dass die Schutzbefohlenen mit einem gnädigen Auge auf die Schulzeit zurückblicken sollen und dass sie „abenteuerlustig, neugierig, mutig und mit dem Glauben an sich selbst“ die Zukunft bewältigen.














