Was als Knaben-Mittelschule im Jahr 1956 mit 64 Schülern in zwei Klassen und drei Lehrkräften in der ehemaligen „Liebeskind-Gaststätte“ von Bad Kissingen begann, entwickelte sich in den vergangenen sieben Jahrzehnten zu einer anerkannten Bildungseinrichtung.
Heute besuchen 820 Kinder und Jugendliche in 35 Klassen die Schule, unterrichtet von 75 Lehrkräften und unterstützt von Fachkräften, Sekretärinnen, Hausmeistern und externen Partnern. Grund genug für einen kurzweiligen Festakt, dem nicht nur die aktuelle Schulfamilie beiwohnte, sondern auch viele ehemalige Lehrkräfte und Führungspersonen, die in Erinnerungen schwelgten.
Schule funktioniert nur durch das Zusammenspiel vieler Beteiligter
Das Festprogramm begann mit einem musikalischen Auftakt der Schulband, die unter anderem „Rock Around the Clock“ von Bill Haley spielte – ein Song aus der Zeit vor der Gründung der Schule im Jahr 1956. Ursprünglich wurde die Realschule von der Stadt Bad Kissingen getragen. Erst mit einem Neubau am „Bildungscampus“ im Jahr 1976 wechselte die Trägerschaft zum Landkreis Bad Kissingen.
Begrüßt wurden die Gäste des Festaktes durch Konrektorin Julia Waldner. Sie hob hervor, dass Schule nur durch das Zusammenspiel vieler Beteiligter funktioniere – von Lehrkräften über die Verwaltung bis hin zu engagierten Eltern und Förderern. Diese hätten mit Herzblut und Engagement mitgeholfen, jungen Menschen ihre Schulzeit als prägende Lebensphase zu vermitteln.
Marken der Zeit
Eine besondere Perspektive auf die Geschichte des Schuljubiläums brachte Ministerialbeauftragter Marcus Ramsteiner ein, der vor 27 Jahren als Referendar das 40-jährige Bestehen der Schule miterlebt hatte. Mit launigen Worten zog er Parallelen zu dem Filmklassiker „Zurück in die Zukunft“, um die Schulentwicklung zu schildern. So gehörte die Bad Kissinger Realschule bereits 1982 mit 915 Schülern und sechs Computern für den Informatikunterricht zu den fortschrittlichen Einrichtungen – ein Trend, der sich bis heute fortsetzt.
Vielfältige Möglichkeiten
Ramsteiner betonte, dass neben der Digitalisierung auch Werte und die richtige Einstellung eine wesentliche Rolle spielen. Ein Realschulabschluss eröffne vielfältige Möglichkeiten – ob im Handwerk, Handel oder Industrie oder über weiterführende Schulen. Er unterstrich die kontinuierliche Qualität der Lehrerteams und dass lediglich sieben Schulleiter über sieben Jahrzehnte hinweg die Schule geführt hätten.
Zusätzlich zeigte Ramsteiner die besonderen Merkmale der Schule auf, wie die Umweltgruppe, die es seit 1984 gibt, oder die Rolle der Realschule als „Seminar-Schule“ für Studienreferendarinnen und -referendare. Im Hinblick auf die Digitalisierung empfahl er der Schule, Trends nicht ungeprüft zu folgen, sondern auf das zu setzen, was den Unterricht wirklich verbessert. Qualität stehe hier klar vor Geschwindigkeit.
Bilanz nach Herausforderungen
Schulleiter Torsten Stein, der seit 2016 die Schule leitet, setzte den Rückblick auf die Historie fort. Er sprach von prägenden Meilensteinen wie der Gründung der „Kids-on-Stage-Klassen“ und der behutsamen Digitalisierung in Kooperation mit dem Landkreis. Besonders einschneidend sei die Corona-Pandemie gewesen, in der die Schule trotz Lockdowns und Distanzunterricht als verlässlicher Partner für Schüler und Eltern agieren konnte. Die technische Ausstattung und die Fortbildung der Lehrkräfte erlaubten ab dem zweiten Lockdown ein gut funktionierendes „Homeschooling“.
Stein blickte auch auf die jüngsten Herausforderungen durch den Ukraine-Krieg, der neue Anforderungen wie die Betreuung von Geflüchteten in Willkommensgruppen und Brückenklassen stellte. Dabei betonte er: „Es ist unser Anliegen, Kindern nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern sie auch zu mündigen Bürgern und verantwortungsbewussten Menschen zu erziehen.“
Stellvertretender Landrat Emil Müller überbrachte die Glückwünsche des Landkreises und betonte die Wichtigkeit guter Rahmenbedingungen für Bildung. Er lobte den Beitrag der Schule, junge Menschen auf eine komplexe Welt vorzubereiten. Oberbürgermeister Dirk Vogel ergänzte, dass die Schule durch entschlackte Lehrpläne und anwendungsorientiertes Wissen ein Sprungbrett für persönliche Entwicklung biete.
Kreative Einblicke
Neben Festreden und Grußworten zeigten auch die Schülerinnen und Schüler ihre Sicht auf den Schulalltag. Die „Kids-on-Stage“-Klassen präsentierten einen musikalischen Blick auf ihre Erlebnisse, während andere Schüler humorvolle Einblicke in die Herausforderungen rund um Hausaufgaben gaben.
Wie Jubiläumsvorbereitungen aussehen können, stellte ein Ratespiel unter Stefan Ammersbach mit historischen Fotos der Schule unter Beweis. Zum musikalischen Abschluss des Festakts spielte die Schulband den Song „Tage wie diese“ von „Die Toten Hosen“ – das Motto des Jubiläums. Am Freitag, den 24. April, wird die Schule ab 14 Uhr mit einem großen Schulfest die Öffentlichkeit einladen, um mitzufeiern.

















