Es war nur eine lose Bauvoranfrage, vorgetragen ohne konkrete Entwürfe. Aber sie hat es in sich: Die Betreiber der Limes-Schlossklinik wollen auf einem Grundstück neben dem Fürstenhof eine Fachklinik für Psychosomatik errichten. Das Problem: Dabei stünde neben dem Streichelzoo und Tiergattern ein prominenter Baum im Weg – die König-Ludwig-Eiche.
Einst soll die mehrere Jahrhunderte alte Stieleiche der Lieblingsbaum des Bayern-Königs im Staatsbad gewesen sein, unter dem er gerne weilte. Später wurde sie zum Magnet für viele Besucher des Kurparks.
Grundstück in Erbpacht
Allerdings hat die sogenannte Königseiche, die seit 2. März 1987 als Naturdenkmal gelistet ist, ihre beste Zeit hinter sich. Ihre Lebenskraft lässt immer mehr nach; augenscheinlich besteht sie nur noch aus dem hohlen Stamm, mehreren mächtigen, aber toten Ästen und kleinen Laubinseln. Würden nicht mehrere Stangen sie stützen, die Eiche wäre wohl längst in sich zusammengebrochen.
Dieses Naturdenkmal steht nun womöglich den Plänen für eine Fachklinik für Psychosomatik entgegen, Ein Vertreter der Limes-Schlosskliniken stellte das Projekt etwas näher vor.
Bedarf an Behandlung bei Jugendlichen sehr groß
Demnach könnte die Klinik westlich des Hauptbaus des Fürstenhofs entstehen. Das Grundstück habe die Immobilienverwaltung des Freistaates in Erbpacht angeboten. Der Bedarf an einer solchen Einrichtung vor allem für Jugendliche sei groß. Für die therapeutische Nutzung sollen auch drei Baumhäuser auf Stelzen entstehen.
Baum lässt sich schwer in Planungen integrieren
Den Haken an der Sache lieferte der Limes-Vertreter gleich mit. Oberhalb des Grundstücks liege eine Böschung, unterhalb der Parkplatz. Und mittendrin: die Königseiche.
Die lässt sich schwer in die Planungen integrieren. Der Bauherr möchte deshalb die Verfassung der Eiche und ihre voraussichtliche Lebensdauer prüfen lassen. „Wenn die Auflagen zu groß würden, würden wir Abstand nehmen und in einen anderen Standort investieren.“
Stadtrat mehrheitlich für Bauprojekt
Thorsten Grament vom städtischen Bauamt merkte in der Stadtratssitzung an, dass man die Bauvoranfrage mangels konkreter Pläne eigentlich gar nicht baurechtlich befinden könne. Die Entscheidung liege eh bei der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt. Die Antwort des Bauherren-Vertreters: Es mache keinen Sinn, teure Pläne zu erstellen, bevor man wisse, woran man sei.
Zimmermann: Fürstenhof schreit nach Anbau
Ein Stimmungsbild gab der Stadtrat trotzdem – und fasste einen Beschluss. Laut Eberhard Schelle (PWG) passt das Vorhaben in den Flächennutzungsplan (dort ist ein Sondergebiet Kur ausgewiesen, die Redaktion). Für Adelheid Zimmermann schreit der Fürstenhof nach einem Anbau.
Eva Reichert-Nelkenstock (Grüne) sah weder Eiche noch Tiergehege und Streichelzoo als erhaltenswert an. „Der Baum ist fast tot. Ohne Stützen wäre er längst eingestürzt. Er sollte den Bau nicht verhindern.“ Man könne ja eine Ersatz-Königseiche pflanzen.
Mehrheitliche Zustimmung des Stadtrates
Am Ende stimmte der Stadtrat der Bauvoranfrage zum Neubau der Fachklinik für Psychosomatik mehrheitlich zu. Dies aber unter der Bedingung, dass das Naturdenkmal König-Ludwig-Eiche erhalten bleibt. Die Entscheidung liegt aber letztlich beim Landratsamt.
Auch Kurdirektorin Andrea Schallenkammer unterstützt das Vorhaben. Man habe das Grundstück ausgeschrieben und einen Bewerber gefunden. „Wir wollen expandieren, Arbeitsplätze für Bad Brückenau schaffen. Das hat manchmal einen Preis“, so die Kurdirektorin. Wenn man mit einem Naturdenkmal wie der König-Ludwig-Eiche ordentlich umgehe, gebe es Lösungen.
Vorsorglich Nachkommen der Eiche gezüchtet
Es gebe andere Beispiele, wo aus einem Naturdenkmal ein richtiges Denkmal werde. Man müsse schauen, wie der Baum sich weiter entwickle und die Entscheidung der Unteren Naturschutzbehörde abwarten. „Aber uns ist natürlich daran gelegen, dass wir weiter expandieren können.“ Die Kurgärtner hätten vorsorglich viele Nachkommen dieser Eiche gezüchtet.
Die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt äußert sich auf Anfrage genau gegenteilig: „Wir würden es sehr bedauern, wenn die Eiche für ein Bauprojekt weichen müsste. Aus unserer Sicht ist der Baum unbedingt erhaltenswert.“
Landratsamt klar für den Erhalt
Das Landratsamt Bad Kissingen habe die König-Ludwig-Eiche in Bad Brückenau 1987 als Naturdenkmal ausgewiesen, heißt es weiter. „Damit ist der Baum gesetzlich geschützt und darf nicht ohne wichtigen Grund entfernt werden.“
Ein Mitarbeiter vom Naturschutz inspiziere die Eiche zweimal im Jahr. Ihre Vitalität sei relativ schwach; sie sei größtenteils abgestorben. „Der tote Baum ist dennoch sehr wertvoll für das Ökosystem, weil er zahlreichen Tieren und Insekten Lebensraum bietet.“
Junge Eiche trägt Geschichte der alten weiter
Zudem besitze die Eiche ihre eigene, ganz besondere Geschichte. Diese trage eine junge Eiche weiter, die umzäunt etwas abseits des alten Baumes stehe.
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