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Behindertenarbeit
Hilfe fürs Leben auf einem fränkischen Bauernhof
Dass die Kühe gut versorgt sind, dafür sorgen Marc Filbry Sandra Rößler. Den Kühen schmeckt es.
Dass die Kühe gut versorgt sind, dafür sorgen Marc Filbry Sandra Rößler. Den Kühen schmeckt es. // Monika Fella
LKR Bad Kissingen – Der Bauernhof als Therapieort: Wenn in der Offenen Behindertenabeit ein Besuch beim Landwirt ansteht, sind die Termine ausgebucht.

Auf dem Bauernhof von Erlebnisbäuerin Anja Wagenbrenner in Oberthulba ist eine Gruppe von Frauen und Männern der Offenen Behindertenarbeit der Lebenshilfe Bad Kissingen regelmäßig zu Gast.

Große Begeisterung

Sie erleben bei verschiedenen Aktionen den Jahresablauf auf einem Bauernhof. Kühe füttern, Kälbchen und Hühner streicheln, Eier suchen – die Begeisterung sei jedes Mal riesig, berichtet Wagenbrenner.

Verena Schmidt füttert die Kühe.
Verena Schmidt füttert die Kühe. // Monika Fella

Die Gäste der Offene Behindertenarbeit packen aber auch tüchtig mit an. „Sie haben Freude daran, die Kühe mit Futter zu versorgen oder den Stall zu säubern. Manche, die immer wieder kommen, kennen sich schon richtig gut aus“, weiß Wagenbrenner. Gerade die immer wiederkehrenden Tätigkeiten spreche die behinderten Menschen an.

Nähe zu Tieren tut gut

„Der Besuch auf dem Bauernhof ist ein Freizeit- und Bildungsangebot“, erklärt Monika Fella, die Vorsitzende des Aufsichtsrates der Lebenshilfe, Bad Kissingen. Teilnehmen könne jeder, der sich für die Arbeit auf einem Bauernhof interessiere.

Ob Menschen, die in Wohngemeinschaften leben, zu Hause bei den Eltern oder allein. Das Jahresprogramm der Offenen Behindertenarbeit umfasse eine ganze Reihe an Angeboten, vom Besuch der KissSalis über Bowling und Wandern, eben auch den Besuch am Bauernhof.

Jeder Interessierte suche sich die Programmpunkte nach seinen Vorblieben aus.

Daniel Sauer  weiß was die Kühe mögen.
Daniel Sauer weiß was die Kühe mögen. // Monika Fella

Die Besuche auf dem Bauernhof werden sehr gut angenommen und seien stets ausgebucht. „Die unmittelbare Nähe zu den Tieren und die Natur tut den Menschen gut“, betont Fella. „Sie wissen die Ruhe und natürliche Art von Frau Wagenbrenner zu schätzen, was vor allem für Menschen mit Autismus sehr wichtig und wohltuend ist.“

Landwirtschaft als Therapie

Für Theresia Dietz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Bad Neustadt/Bad Kissingen) ist die erfolgreiche Kooperation zwischen dem landwirtschaftlichen Betrieb Wagenbrenner und der Lebenshilfe ein Beleg für die Bedeutung der Landwirtschaft in der Gesellschaft.

„Landwirtschaft kann viel bieten, was der Gesellschaft zugutekommt. Neben der Produktion von Lebensmitteln stellt die Landwirtschaft Arbeitsplätze und ist Therapieort. Runterkommen, sich erden, atmen und ruhig werden, abwarten können, bis etwas reif ist, den Rhythmus der Jahreszeiten erleben - das bietet Wagenbrenners Hof den Menschen, die mit ganz unterschiedlichen Einschränkungen kommen.“

Beruhigende Wirkungen

Fella und Wagenbrenner bestätigen, dass in erster Linie der Kontakt zu den Tieren die behinderten Menschen ruhig werden lasse.

„Die sanfte Art der Kühe wirkt beruhigend. Man wird automatisch ruhiger“, so Wagenbrenner. „Aber auch die Hühner haben beruhigend Wirkung, vor allem auf unruhige Menschen.“ Ebenso gerne wie die Hühner werden auch die Hasen gestreichelt und auf den Arm genommen.

Janek Pawel  ist gerne im Kuhsttall bei den Tieren.
Janek Pawel ist gerne im Kuhsttall bei den Tieren. // Monika Fella

Es sei stets ein schöner Moment, wenn einer der Besucher feststelle: „Die Kuh mag mich“. Dann habe die Kuh sich meist gerne streicheln lassen und das angebotene Futter mit Wonne gefressen.

Rituale sind wichtig

Jeder Besuch stehe unter einem anderen Thema. Anja Wagenbrenner bereitet stets zur Jahreszeit passende Aktivitäten vor. So wurde schon miteinander Mehl gemahlen und Brot gebacken, Kartoffeln gestopft und Sonnenblumen gesät. Mit einer gemeinsamen Runde, einem kleinen Essen und viel Austausch endet der Tag.

„Diese Rituale sind wichtig“, betont Fella und dankt Wagenbrenner, die sich hierfür stets viel Zeit nehme. „Mit Stress, Eile und Hetze können Menschen mit Behinderungen nur schwer umgehen.“

Wie kann Landwirtschaft der Gesellschaft dienen?

Eine Aufgabe der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayern sei es, die Landwirtschaft in die Mitte der Gesellschaft zu rücken, erklärt Dietz. „Wir als AELF Bad Neustadt/Bad Kissingen verstehen darunter: wie kann die Landwirtschaft der Gesellschaft dienen?  Die Inklusion behinderter beziehungsweise beeinträchtigter Menschen ist da eine gute Gelegenheit.“

Das Selbstbewusstsein und der Selbstwert werden durch die Besuche auf dem Bauernhof gestärkt und sie erfahren sich als durch ihre Mithilfe als selbstwirksam. Gleichzeitig erleben sie aber auch, dass Landwirtschaft mehr ist, als Tiere streicheln.

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