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Waldbegang in Sulzthal
Junge Bäume brauchen Pflege
Waldbegang Sulzthal
Beim Waldbegang erläuterte Förster Markus Söder (vorne links) dem neuen Sulzthaler Bürgermeister Christian Schmitt (rechts) und interessierten Bürgern die Notwendigkeit der Jungpflege im Gemeindewald. // Ralf Ruppert
Waldbegang Sulzthal
Die jungen Buchen müssen weichen: Bürgermeister Christian Schmitt (von links) sowie die beiden Förster Wolfram Zeller und Markus Söder markieren einen jungen Ahornbaum, der frei geschnitten werden soll. // Ralf Ruppert
Sulzthal – Wie ein guter Mischwald gelingt. Jetzt fand der erste Waldbegang für Bürgermeister Christian Schmitt statt.

Für den neuen Sulzthaler Bürgermeister Christian Schmitt (SPD) war es nicht nur der erste Waldbegang im Amt, sondern der erste überhaupt. Rund 30 Sulzthaler, darunter der größte Teil des Gemeinderats, trafen sich an der Mehrzweckhalle, um drei Waldbilder im Bereich Bühnholz und Schnepfenthal anzufahren. Thema an allen drei Stationen war die dringend notwendige Pflege junger Bestände.

Die beiden Förster verdeutlichten vor Orten anhand von Bäumen unterschiedlicher Altersklassen, wie ein guter Mischwald gefördert werden kann. Seit rund vier Jahren ist Markus Söder bei der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Rhön-Saale für den rund 500 Hektar großen Sulzthaler Gemeindewald und für den Privatwald im gesamten Landkreis Bad Kissingen zuständig. Insgesamt betreut die FBG rund 7000 Hektar Wald in der Region. Nach mehreren Wechseln bei den Förstern freut sich der Sulzthaler Gemeinderat über mehr Kontinuität mit Söder.

Seit dem Jahr 2020 hat die Gemeinde zusätzlich Förster Wolfram Zeller für die Betriebsleitung engagiert. Zeller leitete in den 1990er Jahren das Forstamt Münnerstadt, in dessen Zuständigkeitsbereich damals auch Sulzthal lag. Von 2005 bis 2019 war er Chef des Forstbetriebs Bad Brückenau bei den Bayerischen Staatsforsten.

Gleiche Prioritäten

Beim Waldbegang wurde immer wieder klar, dass die beiden Förster Zeller und Söder trotz ihres Altersunterschiedes von 20 Jahren gleiche Prioritäten setzen. „Vor 30 Jahren hat kaum jemand an den Klimawandel gedacht“, berichtet Zeller. In einem Jungwuchs im Bühnholz wies Zeller darauf hin, dass zwar viele junge Buchen aufgehen, aber dass es gerade auf dem hoch gelegenen Muschelkalk-Böden immer unwahrscheinlicher werde, dass sich daraus große und gesunde Buchen entwickeln.

„Die Buche ist ein Wasserverschwender“, ergänzte Markus Söder. Deshalb würden auch im Sulzthaler Wald einige Standorte für die Buche vermutlich zu trocken. Positiv sei im Sulzthaler Wald, dass er bereits einen hohen Eichen-Anteil hat. „Aber selbst die schwächelt zum Teil“, warnte Zeller.

Die Empfehlung der beiden Förster an die Gemeinde lautet deshalb, noch stärker auf Mischwald zu setzen. Dann sei die Chance höher, dass einzelne Baumarten dem Klimawandel trotzen. In Teilbereichen würden dafür Exoten wie die Libanon-Zeder oder die Baumhasel gepflanzt, vor allem aber gelte es, die bereits vorhandenen Baumarten, die mit weniger Wasser auskommen, zu fördern, darunter Walnuss, Kirsche, Elsbeere, Speierling oder Spitzahorn. Davon gebe es jede Menge Jungbäume, sie müssten nur dringend frei geschnitten werden.

„Wir helfen den seltenen Klima-Bäumen im Kampf gegen die Buche“, lautet die Ansage von Söder. Daran haben laut Zeller auch bereits frühere Förster gearbeitet, allerdings zum Teil nicht nachhaltig genug: „Es sind viele junge Bäume gepflanzt worden, aber dann ist man nicht dran geblieben.“

Im Bereich Schnepfenthal zeigt Söder eine Jungpflege, in der Mischbäume mit einer Höhe von drei bis fünf Metern gezielt frei geschnitten wurden. Rund um junge Eichen, Ahornbäume und von Jägern gepflanzte Douglasien wurden auf einer Fläche von rund acht Hektar Buchen zurückgeschnitten, um die Mischbaumarten zu fördern.

An einer weiteren Station im Schnepfenthal konnten die Teilnehmer das Ergebnis sehen: In einem rund 30 Jahre alten Bestand gibt es dort jede Menge vitale Kirschen und weitere Baumarten. „Man muss regelmäßig in jeden Bestand rein schauen, am Anfang öfter, später seltener“, nannte Zeller als Grundsatz. Und Söder ergänzte: „Nur durch stetiges Freischneiden und Pflege entsteht wertvolles Holz.“ Gerade auf den wasserdurchlässigen Muschelkalkböden und im trockenen Unterfranken laufe die Zeit davon, einen stabilen und zukunftsfähigen Mischwald aufzubauen.

Kein Käferbefall bei der Fichte

Allerdings gab es auch viele gute Nachrichten aus dem Gemeindewald: Zum einen wachse die Aufforstung als Ersatz für die Windradflächen am Einforst sehr gut an. Zum anderen habe es bislang in diesem Jahr keinerlei Käferbefall bei der Fichte gegeben. Diese spielt mit weniger als zehn Prozent im Sulzthaler Gemeindewald sowieso keine große Rolle. Im zurückliegenden Wirtschaftsjahr wurde laut Söder fast ausschließlich Laubholz eingeschlagen. Mit 1620 Festmetern blieb die Holzernte deutlich hinter dem fest gesetzten Ziel von 2700 Festmetern zurück.

Söder verdeutlichte auf Nachfrage des Gemeinderats, dass der Einschlag extrem wetterabhängig sei: Das meiste Holz werde bei Trockenheit gefällt und gerückt. Sobald es zu nass werde im Wald, breche er die Ernte ab, um Schäden am Waldboden zu vermeiden. Weil es im Winter keine längeren Frostperioden mehr gebe, müsse der Einschlag spätestens im September beginnen.

Im vergangenen Jahr wurden am Büchelberg auf 12 Hektar Fläche 550 Festmeter Buche und 40 Festmeter Eiche sowie am Einforst auf einem 13 Hektar großen Waldstück 575 Festmeter Buche und 30 Festmeter Eiche geerntet. Verteilt auf den restlichen Gemeindewald wurden insgesamt 425 Festmeter Schadholz aufgearbeitet oder entlang der KG 39 nach Wasserlosen Bäume gefällt, um den Straßenverkehr sicherer zu machen. Im Bereich Büchelberg beobachtete Förster Markus Söder vermehrt Eichenfras, allerdings handle es sich nicht um den gefürchteten Schwamm-Spinner.

Weitere Projekte werden fortgeführt

Ab Spätsommer will Söder nun nicht erfolgte Hiebe nachholen und andere Maßnahmen fortführen: Am nordwestlichen Hang des Schlangenbergs sollen 270 Festmeter Buche und 30 Festmeter Eiche gefällt und vermutlich als Brennholz aufgelegt werden. Im Einforst sollen weitere elf Hektar gepflegt werden, dabei erwartet Söder 450 Festmeter Buche, im Dürrenfirst sollen 250 Festmeter Buche, am Büchelberg 440 Festmeter Buche und 60 Festmeter Eiche, im Steinpfad 150 Festmeter Buche sowie im Schnepfenthal und am Datesberg jeweils 200 Festmeter Buche anfallen. An Schadholz vor allem aus Trockenschäden rechnet Söder mit insgesamt 650 Festmetern. Damit würde exakt der vorgegebene Hiebsatz von 2700 Festmetern erreicht.

Daneben plant Söder die Pflege von Flächen. Ob dazu Unternehmer eingesetzt werden oder die Gemeindearbeiter Teile übernehmen können, müsse von Fall zu Fall entschieden werden. „Wo es notwendig ist“, würden auch wieder Zäune aufgestellt. Im vergangenen Jahr wurden im Bereich „Lücke“ 200 Meter Zaun gebaut, um vor allem gepflanzte Bäume wie Baumhasel, Zeder oder Speierling zu schützen.

Ein Zaun zum Schutz

Im Steinpfad wurden 300 Meter Zaun zum Schutz von Douglasien und Zedern aufgestellt. Denn: Die Mischbaumarten würden auch dem Wild leider besser schmecken als die Buche.

Nach dem Waldbegang wurde im öffentlichen Teil der Sitzung lediglich der Holzeinschlag besprochen. Zur Überraschung der Zuhörer und ohne weitere Begründung wurde der Teil-Haushalt Forst dann nicht-öffentlich beraten.

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