Die Idee, dass sich mehrere Gemeinden zusammenschließen, um sich für die Energiewende in Form eines Regionalwerkes zu engagieren, beschäftigt die Stadt Münnerstadt bereits seit mehreren Jahren. Ob Münnerstadt weiterhin als Gesellschafter in die noch zu gründende Dachgesellschaft des Landkreises beitreten möchte, die einen solchen Ansatz verfolgt, war die Frage einer vergangenen Stadtratssitzung. In seiner Einleitung ging Bürgermeister Michael Kastl (CSU) darauf ein, dass die Idee zu einem Regionalwerk in Münnerstadt entstanden sei.
Die Idee: Ein Regionalwerk – das aus mehreren Gemeinden besteht – kann Energieanlagen bauen und betreiben, erzeugte Energie ins Netz einspeisen, die Energie an andere Versorger verkaufen und Direktverträge mit Großkunden abschließen. Auch der Vertrieb von Energie an Kommunen oder Bürgerinnen und Bürgern des Landkreises ist denkbar.
Erste Schritte in Münnerstadt getan
Zusammen mit R3 Regionalenergie sei laut Kastl vor drei Jahren die Idee zu einem Regionalwerk entstanden – dazu kam passenderweise ein Pilotprojekt des Amts für Ländliche Entwicklung (ALE), das dieses Ansinnen unterstützt hätte: Mit fünf weiteren Kommunen hätte Münnerstadt eine geförderte Machbarkeitsstudie in Auftrag geben können. Diese hätte zum Ziel, festzustellen, was die Kommunen vorhaben, was deren Ausgangssituation ist und inwiefern dann ein gemeinsames Regionalwerk sinnvoll wäre und wie es strukturiert sein sollte.
Es hatte bereits ein Treffen von Bürgermeistern in Münnerstadt gegeben, um das Projekt des ALE vorzustellen und erste Vorbereitungen wurden getroffen. "Dann hatte sich der Landkreis gemeldet und meinte, er könne die Bemühungen um ein Regionalwerk federführend für die Kommunen anleiten", erinnert sich Kastl. So hätten sich die möglichen Partnerkommunen entschieden, unter dem Dach des Landkreises weiterzumachen.
"Landkreis will Energie-Holding gründen"
Von der Pressestelle des Landkreises heißt es dazu, dass der Kreis vor etwa zwei Jahren begonnen habe, zusammen mit den Kommunen Konzepte zu erstellen, wie sich die regionale Wertschöpfung bei erneuerbaren Energien steigern lässt. "Es gab hierfür keine fertigen Modelle.
"Inzwischen hat sich eine Vorstellung verfestigt, wie ein Zusammenschluss wirtschaftlich funktionieren kann." Die Aufgabe einer Dachgesellschaft von Landkreis, Gemeinden und Energieversorgern könne darin bestehen, wirtschaftlich interessante Flächen zu sichern und mit dem Wissen der Gesellschaft zur Projektierungsreife zu führen, heißt es aus dem Landratsamt.
Von oben nach unten statt von unten nach oben
Statt dem "Von-unten-nach-oben-Ansatz", den Münnerstadt verfolgt hätte – prüfen, wer mitmacht, was die Ausgangslage ist und was sich daraus machen lässt – gehe nun der Weg "von oben nach unten", so Kastl: "Der Landkreis schafft eine Gesellschaftsform und dann wird überlegt, was diese denn machen kann. Also erst die Form, dann der Inhalt", erklärt er. Letztlich unterstütze auch Münnerstadt als eine von 23 Kommunen die Pläne für ein Regionalwerk des Landkreises.
In der Bürgermeisterdienstbesprechung im Juni stellten Landrat Bold (CSU) und Geschäftsleiter Jürgen Metz die aktuellen Gedanken des Landkreises Bad Kissingen vor und baten die Kommunen darum, zu entscheiden, ob diese sich an der anvisierten Dachgesellschaft beteiligen wollen.
So soll die Dachgesellschaft des Landkreises aussehen
Die Pläne sehen folgendermaßen aus: 20 Gemeinden im Landkreis Bad Kissingen plus der Landkreis selbst haben zwischenzeitlich den Beitritt zur geplanten Energie-Holding (für ein Regionalwerk) beschlossen. Die geplante Holdingstruktur soll jetzt aber nicht zur Umsetzung kommen: Es soll eine Dachgesellschaft geben, die Projekte um den Ausbau erneuerbarer Energien entwickelt, Genehmigungsfähigkeit herstellt und deren entwickelten Projekte auf entsprechende Projektgesellschaften übertragen werden. Diese sollen eine Beteiligung von Gemeinden, Bürgern und regionalen Unternehmen ermöglichen.
Ein Unterschied zur bisherigen Planung ist, dass es keine zwingende Beteiligung der Dachgesellschaft (alle Kommunen) an den einzelnen Projektgesellschaften gibt. Beispielsweise müssen sich nicht alle Kommunen in der Dachgesellschaft an einer PV-Anlage Münnerstadts beteiligen. Offen ist noch die Frage, ob Kommunalunternehmen und Stadtwerke in die Dachgesellschaft eingebunden werden. Ein oder mehrere Energieversorgungsunternehmen sollen jedoch beteiligt werden.
Stadtrat stimmt zu
Auch wenn die Idee Münnerstadts eine andere war, "am Ende kommen wir der gewünschten Zusammenarbeit näher. Jetzt geht es darum, sich an der Wertschöpfung, die bei einer Energiewende entsteht, zu beteiligen", so Kastl abschließend. So stimmte der Stadtrat einstimmig dafür, in die Dachgesellschaft einzutreten.
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