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Wirtschaft
Holding, Regionalwerk, EG: Wer hinter der lokalen Energiewende steht
Energie-Holding, Regionalwerk, Bürger-Energiegenossenschaft. Im Landkreis gibt es lokale Initiativen zur Energiewende
Energie-Holding, Regionalwerk, Bürger-Energiegenossenschaft. Im Landkreis gibt es lokale Initiativen zur Energiewende // Illustration: Dzianis Rakhuba – stock.adobe / Dagmar Klumb
Bad Kissingen – Es herrscht Goldgräberstimmung. Überall wollen Investoren Solar- und Windparks realisieren. Auch vor Ort passiert viel: Regionalwerk, Energie-Holding, Bürger-Energiegenossenschaft. Doch was ist was? Und wo profitiert der Bürger?

Energie-Holding, Regionalwerk, Bürger-Energiegenossenschaft im Landkreis Bad Kissingen. Aktuell gibt es lokale Initiativen, die die Energiewende in der Region voranbringen wollen. Alle haben zum Ziel, die Wertschöpfung vor Ort zu halten, sprich: Die Kommunen im Landkreis und ihre Bürger sollen an Windkraftanlagen und Solarparks mitverdienen. Doch was ist was und was steht genau dahinter? Ein Überblick.

1. Ein wichtiger Akteur bei dem Ganzen ist der Landkreis selbst. Dieser will gemeinsam mit 23 von 26 Städten und Gemeinden aus dem Landkreis ein kommunales Energieunternehmen aufbauen. Das Unternehmen ist aktuell in Gründung. „Momentan laufen die Beschlüsse in den einzelnen Gemeindegremien“, berichtet Jürgen Metz, Wirtschaftsförderer und Geschäftsleitender Beamter im Landratsamt. In den nächsten Wochen sollen alle Kommunen ihren Beitritt zur Energie-Holding des Landkreises beschlossen haben.

Das, was in der Öffentlichkeit als Regionalwerk bezeichnet wird, und ebendiese Energie-Holding meinen dabei dasselbe: das kommunale Energieunternehmen des Landkreises. „Wir schaffen das Konstrukt, und wenn es fertig ist, sollen die Gemeinden konkrete Projekte benennen“, erklärt Metz. Es sei auch denkbar gewesen, das Regionalwerk als GmbH zu gründen. Man habe sich für eine Holding als Unternehmensstruktur entschieden, weil es einfacher sei, private Initiativen zu beteiligen, und aus steuerrechtlichen Gründen. „Eventuelle Verluste gehen nicht in die kommunalen Haushalte, sondern können in der Holding abgefangen werden“, erläutert er weiter.

So soll das Regionalwerk arbeiten

„Das Ziel ist, die öffentliche Daseinsvorsorge sicherzustellen“, sagt Metz. Anders als Stadtwerke darf das Regionalwerk laut Metz aus rechtlichen Gründen kein Endkundengeschäft übernehmen, also etwa Strom und Gas direkt an Privathaushalte verkaufen. Das Kreis-Energieunternehmen darf Energieanlagen bauen und betreiben, erzeugte Energie ins Netz einspeisen, die Energie an andere Versorger verkaufen und Direktverträge mit Großkunden abschließen.

Bis Anfang nächsten Jahres soll das Unternehmen gegründet sein. Dann geht es laut Metz daran, Personal aufzubauen. Ein Geschäftsführer und zwei bis vier Mitarbeiter werden voraussichtlich benötigt. Steht die Holding, werden Untergesellschaften gegründet für die einzelnen Unternehmenssparten. Eine Holding für den Stromvertrieb zum Beispiel, eine für Windkraftanlagen, eine für Solaranlagen, eine für Nahwärme und so weiter.

Bürger beteiligen

In diesen Untergesellschaften entstehen wiederum Anlagen-GmbHs: Betreibt das Regionalwerk etwa einen Solarpark bei Schondra (fiktives Beispiel), wird es eine Solar-Schondra-GmbH geben. „Diese Gesellschaften gehören zu mindestens 51 Prozent der öffentlichen Hand“, erläutert Metz. Hier können sich aber auch andere Partner beteiligen, Stadtwerke zum Beispiel, Energiegenossenschaften und Privatleute. „Das ist auch unser Wunsch. Es war immer angedacht, die Bürger zu beteiligen“, betont Metz.

„Es werden nicht alle Projekte über die Energie-Holding laufen, aber es ist wichtig, einen Großteil darüber abzuwickeln, um die Wertschöpfung in der Region zu halten“, sagt der Wirtschaftsförderer. Deshalb sei es wichtig, dass die Kommunen derzeit zurückhaltend agieren und Flächen nicht an Großkonzerne außerhalb vergeben. „Wenn die Gesellschaft am Start ist, kann es schnell gehen“, meint Metz. Mit der Gründung der ersten Anlagen-GmbHs rechnet er im Sommer, dann ist es möglich, konkrete Wind- und Solaranlagen anzugehen. Ein Projekt, bei dem die Energie-Holding eine Rolle spielen will, ist bereits ausgemacht: Im Bildhäuser Forst sollen 23 Windräder entstehen, davon acht auf Münnerstädter Gemarkung.

2. Ein zweiter wichtiger Baustein für die lokale Energiewende will die Bürger-Energiegenossenschaft im Landkreis Bad Kissingen sein, die ebenfalls in Gründung ist. 29 Bürger sind als Gründungsmitglieder beteiligt, 50.000 Euro Eigenkapital als Einlage sind zugesagt. Vorsitzender ist Thomas Weißenfeld aus Bad Brückenau. Die EG will Strom dort erzeugen, wo er gebraucht wird, Gewinne aus dem Energiegeschäft in der Region halten und ebenfalls Bürger wie auch Kommunen finanziell beteiligen.

Wie beim Regionalwerk will auch die Genossenschaft dort Betriebsgesellschaften gründen, wo sie Anlagen betreibt. Kommunen profitieren über anfallende Gewerbesteuern, beteiligte Bürger über Dividenden, die ausgeschüttet werden. Das soll die Akzeptanz der Energiewende stärken und die Energiewende demokratisieren, so Vorsitzender Weißenfeld. Ein erstes Projekt soll ein – örtlich noch nicht näher benannter – 6,5 Hektar großer Solarpark mit einem Investitionsvolumen von 6,5 Millionen Euro werden.

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