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Energiewende
Wird der Südlink noch deutlich größer?
Zwischen Heiligkreuz und Heckmühle kreuzt die Ferngasleitung von Sannerz nach Rimpar das Schondratal. Aktuell ist es eine kleine Schneise im Wald, Bürgermeister Florian Atzmüller fragt sich, wie viel Wald abgeholzt werden muss, wenn die Fulda-Main...
Zwischen Heiligkreuz und Heckmühle kreuzt die Ferngasleitung von Sannerz nach Rimpar das Schondratal. Aktuell ist es eine kleine Schneise im Wald, Bürgermeister Florian Atzmüller fragt sich, wie viel Wald abgeholzt werden muss, wenn die Fulda-Main-Leitung wirklich entlang der Gasleitung mitten durch seine Gemeinde gebaut wird. // Ralf Ruppert
Mit neuen Bannern will der Verein Rhönlink ausdrücken, dass die Trassen selbst nicht in Frage gestellt werden, aber Verlauf und Ausführung.
Mit neuen Bannern will der Verein Rhönlink ausdrücken, dass die Trassen selbst nicht in Frage gestellt werden, aber Verlauf und Ausführung. // Repro: Verein Rhönlink
Hammelburg – Im Verein Rhönlink bündeln Bürgerinitiativen und Kommunen ihre Kritik gegen Südlink und P 43. Das ist die neue Strategie und diese Leitungen könnten noch dazu kommen.

Matthias Hauke ist Realist: „Wer heute noch die Energiewende in Frage stellt, argumentiert in der Vergangenheit“, sagt der Zeitlofser Bürgermeister und Vorsitzende des Vereins „Rhönlink“. Aktuell 87 Mitglieder, darunter viele Kommunen aus der Region, bündeln in dem Verein ihre Kritik an den beiden Höchstspannungsleitungen durch den Landkreis Bad Kissingen, Südlink im Osten und die Fulda Main-Leitung (P 43) im Westen.

Der Bedarf stehe fest. „Das heißt aber nicht, dass wir einfach nur zuschauen“, betont Hauke, und: „Die Themen werden nicht weniger, auch weil vermutlich noch weitere Leitungen dazu kommen.“

Ausbauplan bis 2040

Tatsächlich bestätigt Tennet-Sprecher Thomas Wagner bei einem Treffen mit Rhönlink-Vertretern, dass das deutsche Gleichspannungsnetz um rund 6900 und das Wechselspannungsnetz um mehr als 10.000 Kilometer erweitert werden soll.

„Wenn wir bis 2040 klimaneutral werden wollen, sollte bis 2037 das Netz dafür stehen“, betont Wagner. Zwei von fünf neuen Gleichstrom-Höchstspannungsleitungen dürften aus Wagners Sicht auch Unterfranken treffen: Die Projekte DC 41 (zwei Gigawatt Leistung) und DC 42 (vier Gigawatt) verlaufen jeweils von Norddeutschland nach Baden-Württemberg. Auf Nachfrage schloss Wagner nicht aus, dass sie zumindest teilweise zusammen mit der Südlink-Trasse geführt werden.

Schnelleres Genehmigungsverfahren

Zudem gebe es ein völlig neues Genehmigungsverfahren: Statt der bisherigen Bundesfachplanung, in der zunächst Korridore und dann darin ein genauer Verlauf bestimmt werden, komme das „Präferenzraumverfahren“, mit dem der Trassenverlauf viel schneller festgelegt werde.

Wagner kündigte an, dass die neuen Leitungen bis Juni 2024 eingereicht werden sollen, damit sie noch unter die Notfallverordnung fallen und damit schneller genehmigt werden.

Beschleunigte Verfahren durch Notfall-Verordnung

„Wir werden sehr beschleunigte Verfahren erleben“, verweist auch Markus Stockmann auf die EU-Notfall-Verordnung im Energiewirtschaftsgesetz. Stockmann ist Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) „Gegenstrom Elfershausen“ und Schriftführer bei Rhönlink.

„Wir sind noch in Gesprächen mit der Politik, aber wir merken, dass die Energiewende Vorrang hat“, fasst er die öffentliche Meinung zusammen. Zudem werde es schwieriger, Bürgerinnen und Bürger für das Thema zu gewinnen. „Wir arbeiten trotzdem weiter“, bleibt Stockmann jedoch kämpferisch.

„Wir lehnen uns nicht zurück“

„Der Ukrainekrieg hatte einen großen Einfluss auf die Meinung zu den Trassen, obwohl das eine mit dem anderen nichts zu tun hat“, sagt auch Reiner Morshäuser, Vorsitzender der BI in der Gemeinde Schondra, und: „Wir lehnen uns nicht zurück“.

Kritik üben viele Rhönlink-Mitglieder am Verhalten der Bürgermeister und Bürgerinitiativen im Nachbarlandkreis Main-Spessart. „Uns ging es nie um gegenseitiges Zuschieben“, stellt der Zeitlofser Bürgermeister Matthias Hauke klar.

Kritik am Vorgehen im Spessart

Beim Infoabend in Gemünden habe es Diskussionen um das Wasserschutzgebiet von Bad Brückenau gegeben, das einen Verlauf der Fulda-Main-Leitung entlang der A 7 verhindert. Ziel sei gewesen, die Vorzugstrasse wieder nach Osten zu verschieben.

„Das ist nicht die Sprache des Rhönlink“, stellte Hauke klar, auch wenn seine Gemeinde nun von der Vorzugstrasse betroffen ist. Er rief stattdessen dazu auf, sämtliche Beteiligungsmöglichkeiten zu nutzen und Hinderungsgründe vor Ort zu prüfen.

Atzmüller neu im Vorstand von Rhönlink

Neu in den Vorstand des Rhönlink hat sich der Wartmannsrother Bürgermeister Florian Atzmüller wählen lassen. Seit kurzem wird ein Verlauf der Fulda-Main-Leitung mitten durch das Gemeindegebiet von Wartmannsroth favorisiert.

Atzmüller möchte nun klären, wie nah die Stromtrassen Gemeindeteilen wie Heiligkreuz, Waizenbach und Dittlofsroda kommt. Zudem solle die Möglichkeit von Erdverkabelung geprüft werden. Aktuell ist in Bayern nur ein einziger Abschnitt der P 43 unter der Erde geplant: bei Zeuzleben im Landkreis Schweinfurt.

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