Ein dumpfes Bauchgefühl. Florian Atzmüller trug es bei der Starkstromleitung P43 immer mit sich herum in den vergangenen Monaten. Es wird nicht vergehen. Plötzlich steht der westliche Landkreis Bad Kissingen, und damit Atzmüllers Wartmannsroth, wieder im Fokus. Übertragungsnetzbetreiber Tennet schlägt der Bundesnetzagentur einen Vorzugskorridor über Zeitlofser und Wartmannsrother Gebiet vor.
Eigentlich hatte Tennet mit einer Trassenführung der „Fulda-Main-Leitung“ zwischen dem osthessischen Dipperz und Bergrheinfeld bei Schweinfurt entlang der A7 geliebäugelt – und dies als Vorzugsvariante angekündigt. Dies soll aber wegen des Wasserschutzgebietes bei Römershag technisch zu aufwendig sein.
Korridor zwischen Zeitlofser uns Wartmannsrother Ortsteilen
Deshalb der Schwenk Richtung Westen. Von Norden aus Hessen kommend soll die Freileitung die Sinn bei Zeitlofs überqueren und der vor rund zehn Jahren gebauten Gasleitung von Sannerz nach Rimpar folgen. Dabei werden Roßbach, Weißenbach und Detter passiert, ehe der Vorzugskorridor zwischen Wartmannsroths Ortsteilen Völkersleier, Dittlofsroda und Waizenbach hindurch nach Main-Spessart und in einem Bogen über Arnstein nach Bergrheinfeld führt.
Bürgermeister Atzmüller sagt: „Wir sind jetzt nicht mehr Variante B, sondern Variante A.“ Weil er damit gerechnet habe, sei immer dieses dumpfe Bauchgefühl gewesen. Schließlich liege der jetzige Vorzugskorridor nahe am bisherigen an der A7. Solange sich die Bundesnetzagentur nicht für eine Trassenführung entschieden habe, bleibe das Gefühl.
Trassenführung entlang der Gasleitung
Volker Roth, stellvertretender Zeitlofser Bürgermeister, ist „schon ein Stück weit überrascht“ vom neuen Vorzugskorridor. Er habe damit gerechnet, „dass er uns am Rand streift“. Was bedeutet, dass der Korridor entlang der ICE-Strecke Fulda-Würzburg verläuft. „Damit hätten wir ein Stück weit leben können.“ Dass die Stromtrasse nun entlang der Gasleitung mitten zwischen den oberen Zeitlofser Ortsteilen hindurch verlaufen soll, schockiert den Roßbacher.
Volker Roth: Abstände zu den Orten so groß wie möglich halten
Dass die Fulda-Main-Leitung nicht verhindert werden kann, wissen sowohl Roth als auch Atzmüller. „Das muss jedem klar sein: Wenn die Energiewende klappen soll, braucht es die Stromtrassen. Wir müssen damit leben“, so Roth.
Der Markt Zeitlofs werde sich dafür einsetzen, „dass die Abstände zu den Ortsteilen so groß wie möglich ausfallen“. Roth kündigt einen Infomarkt mit Tennet-Vertretern am 26. Oktober in der Sporthalle der Grundschule Zeitlofs an. Die Zeit stehe noch nicht fest.
Atzmüller kritisiert Informationspolitik von Tennet
Auch Atzmüller und die Gemeinde Wartmannsroth wollen „das weitere Planungsverfahren kritisch begleiten, Stellung nehmen und uns im Sinne der Bürger einbringen“, sagt Florian Atzmüller.
Der Bürgermeister moniert, dass von einer angedachten Erdverkabelung im Bereich Dittlofsroda keine Rede mehr ist. Und dass Tennet die Info über den neuen Vorzugskorridor schon im Internet veröffentlichte, bevor die Betroffenen vor Ort unterrichtet waren.
Bad Brückenaus Stadtchef „vorsichtig optimistisch
Bad Brückenaus amtierender Bürgermeister Heribert Übelacker (CSU) gibt sich „vorsichtig optimistisch“, dass die Stadt von der P43 befreit ist. Aber: Die Bundesnetzagentur sei nicht an den Tennet-Vorschlag gebunden. „Wenn sie anders entscheidet, stehen wir wieder da.“
Mit den betroffenen Gemeinden fühlt Übelacker mit. Ansonsten will er nur Argumente vortragen, die der Stromleitung in der Region insgesamt entgegenstehen und diese untermauern.
Landrat Bold: „große Beeinträchtigung“
Das tut auch Landrat Thomas Bold (CSU). „Für die Bürgerinnen und Bürger in den betroffenen Kommunen bedeutet das eine große Beeinträchtigung, denn für den Bau der Trasse müssen breite Schneisen in Wald und Flur geschlagen werden“, schreibt er.
Entscheidend sei, dass der Trassenkorridor objektiv, nach rechtlichen und fachlichen Gesichtspunkten, ausgewählt werde und das Verfahren für die Bevölkerung transparent sei. Die Variante müsse umgesetzt werden, die für Mensch, Natur und Umwelt am verträglichsten sei.
Landkreis und betroffene Kommunen rechtzeitig einbinden
Um die Belastungen beim Bau der Leitung so gering wie möglich zu halten, müssten die betroffenen Kommunen und Grundstückseigentümer rechtzeitig einbezogen werden. „Nur so kann es gelingen, dass die Bürgerinnen und Bürger die Infrastrukturprojekte akzeptieren, die für das Gelingen der Energiewende notwendig sind.“
Der Landkreis und die betroffenen Kommunen werden das Planungsverfahren weiter kritisch begleiten und nach Einbeziehung ihrer Fachstellen Stellung nehmen, so der Landrat. Das gelte auch für den RhönLink und die Bürgerinitiativen.
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