Die aktuell 45 Windräder im Landkreis Bad Kissingen sind bestens dokumentiert, in Regionalplan und Energieatlas sind Standorte und Leistungen einsehbar. Beim Thema Photovoltaik (PV) ist die Lage deutlich unübersichtlicher.
Eine Umfrage unter den 26 Kommunen im Landkreis hat ergeben, dass Städte und Gemeinden oft selbst gar nicht wissen, wie viele Anlagen es vor Ort gibt und wie viel Strom sie produzieren. Die Redaktion hat deshalb Daten aus dem Energieatlas Bayern und von der Bundesnetzagentur ausgewertet.
Aktuelle Übersicht durch den Energiemonitor
Lediglich zwei Kommunen im Kreis haben einen Überblick über die Erzeugung regenerativer Energie vor Ort: Hammelburg und Münnerstadt nutzen den Energiemonitor des Netzbetreibers Bayernwerk. Unter energiemonitor.bayernwerk.de/hammelburg und energiemonitor.bayernwerk.de/muennerstadt werden die aktuellen Erzeugungs- und Verbrauchsdaten alle 15 Minuten aktualisiert.
Abzulesen ist dort unter anderem, dass es im Stadtgebiet von Hammelburg 627 PV-Anlagen mit zusammen 17.327 Kilowatt Maximalleistung gibt, in Münnerstadt 540 Anlagen mit bis zu 12.260 Kilowatt.
Für alle anderen Kommunen existieren solche Übersichten nicht, deshalb kommt aus den mesiten Rathäusern nur Schulterzucken auf die Nachfrage nach der PV-Leistung in der Kommune. Dabei sind alle Anlagen auf der Seite marktstammdatenregister.de der Bundesnetzagentur erfasst.
Das Problem: Für den Energieträger „Solare Strahlungsenergie“ sind aktuell 7658 Anlagen im Landkreis Bad Kissingen eingetragen. Zumindest etwas übersichtlicher listet der Energieatlas Bayern PV-Anlagen auf: Dort werden alle Anlagen bis 30 Megawatt zusammengefasst, nur die größeren sind einzeln mit Standort einsehbar.
881 neue Anlagen seit Anfang 2022
Der aktuelle Energieatlas Bayern zeigt den Stand Ende 2021. Damals gab es 6777 PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 207 Megawattpeak. Daran abzulesen ist auch die Dynamik des Ausbaus: In den vergangenen 17 Monaten sind demnach 881 PV-Anlagen dazu gekommen.
Für den Landkreis Bad Kissingen gehen Experten im Schnitt von 980 Volllaststunden für Solarzellen aus, das bedeutet: Im vergangenen Jahr wurden im Landkreis rund 203 Gigawattstunden PV-Strom erzeugt. Zum Vergleich: Die 45 Windräder erzeugen laut Energieatlas rund 170 Gigawattstunden Strom im Jahr. Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld produzierte bei Volllast am Tag 30,6 Gigawattstunden Strom.
Den mit Abstand meisten PV-Strom im Landkreis liefert die Gemeinde Maßbach: 65.327 Megawattpeak waren dort bereits Ende 2021 installiert, der ganz überwiegende Teil als Freifläschenanlage. Rund 71 Hektar nehmen die Anlagen ein. Laut der Verwaltungsgemeinschaft Maßbach gibt es dort derzeit keine Anfragen für weitere Freiflächen-PV-Anlagen.
Große Anlage in Fuchsstadt bereits beschlossen
Das sieht in anderen Gemeinden ganz anders aus: Zum Teil herrscht geradezu Goldgräberstimmung. Die Gemeinde Fuchsstadt hat bereits beschlossen, dass ein 64 Hektar großes Gebiet für PV genutzt wird. In Aura gibt es Anfragen für zwei jeweils 30 Hektar große Flächen.
Elfershausen plant unter anderem in Richtung Aura PV-Anlagen auf 21 Hektar, zwischen der Sulzthaler Kreuzkapelle und den Ramsthaler Aussiedlerhöfen soll eine 17,8 Hektar große Fläche für PV ausgewiesen werden.
Insgesamt beraten die Gemeinden derzeit nach eigener Auskunft über mindestens 208 Hektar, die für PV genutzt werden sollen. Einzelne Kommunen, wie die Stadt Hammelburg, bestätigen zwar, dass es Anfragen gibt, nennen aber keine Details und machen keine Angaben zu den Flächen.
Einige Kommunen, darunter Hammelburg und Münnerstadt, haben zudem Kriterienkataloge erstellt, um Anfragen zu priorisieren. Bevorzugt wird zum Beispiel, wer möglichst viele Bürger vor Ort finanziell beteiligt, wer Flächen mit besonders schlechter Bonität nutzt, die Anschlussleitung unter die Erde verlegt oder auf Spritzmittel verzichtet.
Einen ungewöhnlichen Weg hat die Gemeinde Wartmannsroth eingeschlagen: „Für weitere Anlagen hat der Gemeinderat aktuell ein Moratorium ausgesprochen“, verweist Bürgermeister Florian Atzmüller (CSU) auf einen vorläufigen Ausbaustopp.
In der Gemeinde gibt es bereits zwei Freiflächen-PV mit einer Gesamtgröße von 11,6 Hektar in der Gemarkung Völkersleier. In der Gemarkung Waizenbach ist laut Atzmüller eine weitere PV-Freiflächen-Anlage auf 22 Hektar mit einer Leistung von rund 20 Megawattpeak geplant.
„Installation aktiv steuern“
Der Gemeinderat habe die Verwaltung nun beauftragt, weitere Anträge auf Einleitung eines Bauleitplanverfahrens zurückzuweisen. Zur Begründung verweist Atzmüller auf das geplante Klimaschutznetzwerk: Die Gemeinde wolle „die Installation von Freiflächenphotovoltaikanlagen aktiv selbst steuern“.
Zudem soll die Wertschöpfung noch mehr in der Region bleiben, indem Gemeinde sowie Bürgerinnen und Bürger über Genossenschaften beteiligt werden. Auch weitere Gemeinden warten auf ein abgestimmtes Konzept. Und im Norden des Landkreises ist noch offen, ob durch das Landschaftsschutzgebiet im Biosphärenreservat PV-Anlagen im Außenbereich verboten bleiben.












